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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906. 
sich z. B. Abweichungen des Kompasses von 6° bei einer Wendung des Schiffes 
von 45°, eine Abweichung von 20° bei Wendung des Schiffes von 90°, berechnet 
für einen Kompaß mit der schon verhältnismäßig langen Schwingungsdauer 
von 10min, 
Aus diesen Untersuchungen und aus den in der Originalabhandlung ent- 
haltenen Gleichungen geht hervor, daß bei Aufstellung auf festem Boden die 
Richtkraft, die ein Kreisel durch die Wirkung der Erddrehung erleidet, sehr 
wohl zur. Herstellung eines Rotationskompasses benutzt werden kann. Die 
Konstruktion kann ohne wesentliche praktische Schwierigkeit so gewählt werden, 
daß die Richtkraft, also auch die Einstellsicherheit eines derartigen Kompasses 
wesentlich stärker ist als die eines magnetischen Kompasses und daß die 
Schwingungsdauer nicht wesentlich größer wird als die des magnetischen 
Kompasses, 
Auf einem Fahrzeuge ist indessen ein derartiger Kompaß unverwendbar, 
da er durch die Bewegungen desselben gestört wird. Damit diese Störung ge- 
nügend klein bleibt, muß vielmehr durch passende Konstruktion die Schwingungs- 
dauer sehr vergrößert werden, und zwar dürfte bei einem großen Fahrzeuge 
(Linienschiffe usw.) eine Schwingungsdauer von wenigstens 30min nötig werden, 
bei einem kleineren Fahrzeuge (Torpedoboot, Unterseeboot) eine noch wesentlich 
größere Schwingungsdauer. Die allgemeine Verwendung eines derartig langsam 
schwingenden Kompasses wenigstens als Steuerkompaß dürfte nicht möglich sein, 
da etwaige Schwingungen der Kompaßnadel von Drehungen des Schiffes nicht 
unterschieden werden können. 
Allerdings wirken diese langsamen Schwingungen des Kompasses nur dann 
hindernd, wenn sie wirklich auftreten, also wenn die Kompaßrose durch irgend 
einen unglücklichen Zufall einmal aus der richtigen Nord—Südrichtung heraus- 
gebracht ist. Diese zufällig einmal auftretende Störung bei einem so langsam 
schwingenden Kompaß wird allerdings nicht leicht und oft auftreten, weil ja die 
Richtkraft innerhalb weiter Grenzen von der Stabilität und der Schwingungs- 
dauer nicht abhängig ist, sondern bei genügender großer Rotationsgeschwindigkeit 
des Kreisels ganz erhebliche Werte annimmt, aber eine unbedingte Sicherheit 
würde der Kompaß für sich allein nicht gewähren, weil derartige Störungen 
immerhin denkbar sind und das Auftreten derselben nicht bemerkt werden würde. 
Kleinere Mitteilungen. 
li. Strahlenbrechungserscheinungen im östlichen Teil der Danziger 
Bucht. (Bericht des Kommandos S. M. S. »Hyäne«.) SS. M. S. »Hyäne« befand 
sich am Nachmittag des 7. Mai etwa 8 Sm westsüdwestlich von Pillau. Während 
des Vormittags hatte bei schwachem, nördlichem Winde und kaum bewölktem 
Himmel über dem ganzen Horizont eine leichte Dunstschicht gelagert, die die 
Kimm verdeckt und die Sichtigkeit auf etwa 7 Sın beschränkt hatte. Gegen 
1'/,4 N. zog von Westen her eine graue Gewitterwolke auf, und der Dunst begann 
zu schwinden, doch blieb von NW über NO bis etwa OSO hin über der Kimm 
ein nach oben hin ziemlich scharf begrenzter grauer Streifen liegen, der alle 
unter ihm sichtbaren Gegenstände wiederspiegelte, Die Höhe dieses Streifens 
betrug etwa 20 Bogenminuten, während bei normalem Wetter die Höhe des in 
Sicht befindlichen Landes kaum mehr als 5 Bogenminuten beträgt. Um 3MN, 
als die Erscheinung sich sehr stark entwickelt hatte, wurde beobachtet: Wind 
NzO, Stärke 3, Lufttemperatur in Augeshöhe (5 m) 13.2°, Wassertemperatur 10.8°, 
Barometer 771.2 mm, Höhe der spiegelnden Schicht über der Kimm 20’
	        
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