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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906. 
Es ist daher unmöglich, nach der auf gewissen Stromkarten benutzten 
Methode die Oberflächenströmungen durch in sich selbst stetig zurücklaufende, 
den Küsten sich anschließende Stromlinien genau darzustellen. In dem von der 
Deutschen Seewarte herausgegebenen »Atlas des Indischen Ozeans« und »Atlas 
des Atlantischen Ozeans«, zweite Auflage, hat Professor Krümmel auch diese 
Methode verlassen, insofern, als die Stromlinien in den Gebieten des kalten 
Auftriebwassers an der Küste beginnen und mit derselben einen 
Winkel bilden. Die so modifizierte Darstellung ist offenbar mit der oben ent- 
wickelten Theorie ganz in Übereinstimmung. 
Eine Darstellungsmethode mit in sich selbst zurücklaufenden Stromlinien 
würde dagegen für die Tiefenströme besonders geeignet sein. In dieser Weise 
könnte die Kontinuitätsbedingung gut berücksichtigt werden, wenn die Anzahl 
von Stromlinien pro Zentimeter nicht etwa die Stromgeschwindigkeit, sondern 
die gesamte Strommenge zwischen Oberfläche und Meeresboden angibt, also für 
yleiche Stromgeschwindigkeiten der Meerestiefe proportional gemacht wird. Die 
Tiefenströme und die Oberflächenströme könnten wohl auch gleichzeitig auf 
einer Karte dargestellt werden, die ersteren durch feine, stetig verlaufende 
Linien, die letzteren durch einzelne Pfeile. Für die Geschwindigkeit und die 
relative Beständigkeit der Oberflächenströme sind verschiedene gute Bezeichnungs- 
weisen im Gebrauch, die dabei benutzt werden könnten. 
4. Wirkung wechselnder Winde. 
Während die Tiefenströme im offenen Meere, wie oben erwähnt, mit den 
mittleren Windverhältnissen der Jahreszeit entsprechenden Bewegungsrichtungen 
und Geschwindigkeiten sehr stetig fließen, wechseln dagegen die Oberflächen- 
strömungen (die reinen Triftströme) immer mit jedem neuen Winde, Der Um- 
stand, daß selbst in den Bereichen der beständigeren Meeresströme Versetzungen 
nach allen Kompasstrichen beobachtet werden und daß sich die Gesetzmäßigkeit 
nur in den durchschnittlichen Bewegungen äußert, wird hierdurch sehr leicht 
erklärt — umsomehr, als die Variationen des Windes in den außertropischen 
Gebieten meistens den durchschnittlichen Wind an Stärke übertreffen. 
Da im Atlantischen Ozeane ein Barometerminimum im allgemeinen in ein 
bis zwei Tagen an einem Orte vorübergeht und da die Windrichtung sich hier- 
bei stetig und ziemlich schnell dreht, so wird selbst der reine Triftstrom nicht 
Zeit haben, seine stationäre Entwicklung zu erreichen. In dieser Hinsicht be- 
steht aber ein Unterschied zwischen den beiden Seiten des barometrischen Mini- 
mums (oder Maximums). Auf der rechten Seite der Bahn desselben dreht sich 
die Windrichtung bekanntlich nach rechts, auf der linken Seite nach links. Es 
ist aber klar, daß wenn sich der Wind in demselben Sinne wie der entstehende 
Triftstrom dreht (nach rechts auf der nördlichen Hemisphäre), der letztere 
größere Geschwindigkeiten erreichen wird, als wenn sich der Wind in dem 
entgegengesetzten Sinne dreht. Es würde also — wenigstens, wenn keine 
störenden Umstände das Resultat beeinflussen — für die nördliche Hemisphäre 
die folgende Regel gelten: 
An der rechten Seite der Bahn eines barometrischen Minimums oder Maxi- 
mums erreichen die reinen Triftströme im Verhältnisse zu der Windstärke größere 
Geschwindigkeiten als an der linken Seite, Auf der südlichen Hemisphäre 
wird das umgekehrte Verhältnis herrschen, 
Schotts Ozeanographische Querschnitte verständlich, Die warme Oberflächenschicht, die verdrängt 
werden soll. ist nämlich hier schr dünn und liegt mithin innerhalb des oberen Teiles des reinen 
Triftstromes, wo dieser nicht so stark von der Windrichtung abgelenkt wird, Wo die warme Ober- 
ilächenschicht tiefer ist, muß aber infolge der Theorie die Windkomponente parallel zur Küste für 
las Auftreten des Auftriebwassers bestimmend sein, was auch eine unbefangene Untersuchung der 
Windkarten lehren kann, 
Den Umstand, daß das kalte Auftriebwasser an der Westküste Australiens fehlt, hat Krümmel 
erklärt (Ozeanographie II, $. 315), indem hier für das vom Lande abgetriebene Wasser durch einen 
yon Norden kommenden warmen OÖberflächenstrom Ersatz geschaffen werden kann. Doch fordert 
unsere Theorie, daß der Ersatz wenigstens teilweise von einem Bodenstrome geschaffen wird.
	        
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