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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 
Vancouver und den Aleuten linksdrehend (im Winter), im Nordatlantischen Ozeane 
zwischen 0 und 45° Breite rechtsdrehend, im Norwegischen Meere und in der 
Davis-Straße linksdrehend, wie aüch in dem Südatlantischen, dem südlichen 
Stillen und dem südlichen Indischen Ozeane, und (besonders im nördlichen 
Winter) im Meere zwischen Australien und Neu-Seeland. Im Indischen Ozeane 
nördlich von etwa 15° südlicher Breite können ‚wir im nördlichen Sommer eine 
rechtsdrehende Luftzirkulation unterscheiden, im nördlichen Winter dagegen — 
obgleich nicht so deutlich — eine rechtsdrehende Zirkulation südlich von 5° 
oder 7° südlicher Breite und nördlich davon eine linksädrehende Zirkulation. 
Sämtliche dieser Kreisbahnen können wir auf einer Karte der Meeres- 
strömungen als Stromkreise wiederfinden;') die Theorie führt also zu 
dem Resultate, daß diese Stromkreise im allgemeinen tiefe — bis zum 
Meeresboden reichende — Ströme sind.?) Die Verhältnisse im Meerbusen 
von Bengalen und im Arabischen Meere nähern sich jedoch sehr den Vor- 
aussetzungen in Problem b, besonders im Winter, wenn die Windrichtung beinahe 
senkrecht zu ihren Ausgängen steht. In diesem speziellen Falle ist daher aus 
theoretischem Gesichtspunkte zu erwarten, daß die Tiefenströme verhältnis- 
mäßig unbedeutend sind. 
Es wurde oben gefunden, daß der Öberflächenstrom im allgemeinen einen 
Winkel mit der Küstenrichtung bildet. Nur in dem Falle, daß die Windrichtung 
ungefähr 45° nach links auf der nördlichen Hemisphäre oder nach rechts auf 
der südlichen Hemisphäre von der Küstenrichtung liegt, fließt er parallel zur 
Küste (bzw. zur Längenrichtung des Stromgürtels). Diese Bedingung trifft frei- 
lich in mehreren Fällen zu, so in den Gebieten der Passate und der Westwinde 
des Stillen, des Atlantischen und des Indischen Ozeanes. Dagegen sollte die 
Bewegungsrichtung des ÖOberflächenwassers z. B, in dem Perustrome, dem Ben- 
guelastrome und dem Westaustralischen Strome infolge der Windrichtung etwa 
15° bis 20° von der Küste aus seewärts gerichtet sein, indem der entstandene 
leere Raum durch den Bodenstrom stetig ersetzt wird. Diese Folgerung wird 
in der Tat durch das Auftreten des kalten Auftriebwassers: an den Küsten be- 
stätigt.?) In anderen Gegenden wie im Norwegischen Meere und im Stromkreise 
zwischen, den Aleuten und der Vancouver-Insel sollte das Oberflächenwasser gegen 
Land gedrängt werden. An der Küste von Somaliland und Südarabien sollte 
der Oberflächenstrom, während des Südwestmonsunes vom Lande weg, während 
des Nordostmonsunes aber auf das Land gerichtet sein, was auch durch das 
Auftreten des kalten Auftriebwassers bestätigt wird. (Siehe Boguslawski und 
Krümmel, Ozeanographie II, S. 316). 
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1) Siehe die Stromkarte in Boguslawski und Krümmel: Ozeanographie, sowie in den von 
der Deutschen Seewarte herausgegebenen Atlanten. 
2) Prof. O. Pettersson ist auf anderen Wegen zu derselben Anschauung gelangt. Er schreibt 
(über die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen Schwankungen ın dem Atlantischen 
Strome usw. Svenska Hydrogr.- Biologiska kommissionens skrifter II 1905 S. 14): „Die Bewegung 
dieser tieferen Wasserschichten wird in der hydrographischen Literatur als eine äußerst langsame ge- 
schildert »a slow creaping movement«. WNichts berechtigt uns zu dieser Vorstellung! Im Gegenteil 
führen die hydrographischen Erfahrungen über die chemische Homogenität und die beinahe vollständige 
Ventilation des Meerwassers in allen Tiefen des Ozeans ‚zu derselben Vorstellung, welche sich bei den 
Experimenten mit der Eisschmelzung im Meerwasser aufdrängt, nämlich, daß die Zirkulation im Meere 
in den tiefen Regionen keine langsame ist“. ; 
>Wenn die Ströme bis zum Meeresboden reichen, so wird auch die andernfalls schwer zu er- 
klärende Tatsache, daß die ersteren oft von den tiefen Bodenrinnen abhängig sind, begreiflich. 
Anderseits scheint es schwierig, in gewissen Meeren, z. B. im Südatlantischen Ozeane, die Vor- 
stellung von Bodenströmen von großer Geschwindigkeit mit der tatsächlichen Verteilung der Boden- 
temperaturen zu vereinen. Ich will hier nicht den Versuch machen, diesen scheinbaren Widerspruch 
zu erklären. 
3) Die Ursache dieses kalten Auftriebwassers ist schon längst im Winde erkannt worden, Man 
hat dabei eher an die meistens ziemlich unbedeutende seewärts gerichtete Windkomponente als an 
die Windkomponente parallel zur Küste gedacht; doch haben B. P. Hoffmann und auch E. Witte 
(Annalen der Hydrographie 1880) darauf hingewiesen, daß auch ein parallel zur Küste wehender Wind 
die Erscheinung des kalten Auftriebwassers hervorrufen kann. Anderseits geht aus Schotts Be- 
schreibung (im Valdiviawerke) des Auftriebphänomens an der Westküste Afrikas hervor, daß hier die 
Windkomponente senkrecht zur Küste die bestimmende ist. Dies wird auch durch emen Blick auf 
Ann. d. Hydr. usw... 1906, Heft XT.
	        
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