Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen.
Vancouver und den Aleuten linksdrehend (im Winter), im Nordatlantischen Ozeane
zwischen 0 und 45° Breite rechtsdrehend, im Norwegischen Meere und in der
Davis-Straße linksdrehend, wie aüch in dem Südatlantischen, dem südlichen
Stillen und dem südlichen Indischen Ozeane, und (besonders im nördlichen
Winter) im Meere zwischen Australien und Neu-Seeland. Im Indischen Ozeane
nördlich von etwa 15° südlicher Breite können ‚wir im nördlichen Sommer eine
rechtsdrehende Luftzirkulation unterscheiden, im nördlichen Winter dagegen —
obgleich nicht so deutlich — eine rechtsdrehende Zirkulation südlich von 5°
oder 7° südlicher Breite und nördlich davon eine linksädrehende Zirkulation.
Sämtliche dieser Kreisbahnen können wir auf einer Karte der Meeres-
strömungen als Stromkreise wiederfinden;') die Theorie führt also zu
dem Resultate, daß diese Stromkreise im allgemeinen tiefe — bis zum
Meeresboden reichende — Ströme sind.?) Die Verhältnisse im Meerbusen
von Bengalen und im Arabischen Meere nähern sich jedoch sehr den Vor-
aussetzungen in Problem b, besonders im Winter, wenn die Windrichtung beinahe
senkrecht zu ihren Ausgängen steht. In diesem speziellen Falle ist daher aus
theoretischem Gesichtspunkte zu erwarten, daß die Tiefenströme verhältnis-
mäßig unbedeutend sind.
Es wurde oben gefunden, daß der Öberflächenstrom im allgemeinen einen
Winkel mit der Küstenrichtung bildet. Nur in dem Falle, daß die Windrichtung
ungefähr 45° nach links auf der nördlichen Hemisphäre oder nach rechts auf
der südlichen Hemisphäre von der Küstenrichtung liegt, fließt er parallel zur
Küste (bzw. zur Längenrichtung des Stromgürtels). Diese Bedingung trifft frei-
lich in mehreren Fällen zu, so in den Gebieten der Passate und der Westwinde
des Stillen, des Atlantischen und des Indischen Ozeanes. Dagegen sollte die
Bewegungsrichtung des ÖOberflächenwassers z. B, in dem Perustrome, dem Ben-
guelastrome und dem Westaustralischen Strome infolge der Windrichtung etwa
15° bis 20° von der Küste aus seewärts gerichtet sein, indem der entstandene
leere Raum durch den Bodenstrom stetig ersetzt wird. Diese Folgerung wird
in der Tat durch das Auftreten des kalten Auftriebwassers: an den Küsten be-
stätigt.?) In anderen Gegenden wie im Norwegischen Meere und im Stromkreise
zwischen, den Aleuten und der Vancouver-Insel sollte das Oberflächenwasser gegen
Land gedrängt werden. An der Küste von Somaliland und Südarabien sollte
der Oberflächenstrom, während des Südwestmonsunes vom Lande weg, während
des Nordostmonsunes aber auf das Land gerichtet sein, was auch durch das
Auftreten des kalten Auftriebwassers bestätigt wird. (Siehe Boguslawski und
Krümmel, Ozeanographie II, S. 316).
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1) Siehe die Stromkarte in Boguslawski und Krümmel: Ozeanographie, sowie in den von
der Deutschen Seewarte herausgegebenen Atlanten.
2) Prof. O. Pettersson ist auf anderen Wegen zu derselben Anschauung gelangt. Er schreibt
(über die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen Schwankungen ın dem Atlantischen
Strome usw. Svenska Hydrogr.- Biologiska kommissionens skrifter II 1905 S. 14): „Die Bewegung
dieser tieferen Wasserschichten wird in der hydrographischen Literatur als eine äußerst langsame ge-
schildert »a slow creaping movement«. WNichts berechtigt uns zu dieser Vorstellung! Im Gegenteil
führen die hydrographischen Erfahrungen über die chemische Homogenität und die beinahe vollständige
Ventilation des Meerwassers in allen Tiefen des Ozeans ‚zu derselben Vorstellung, welche sich bei den
Experimenten mit der Eisschmelzung im Meerwasser aufdrängt, nämlich, daß die Zirkulation im Meere
in den tiefen Regionen keine langsame ist“. ;
>Wenn die Ströme bis zum Meeresboden reichen, so wird auch die andernfalls schwer zu er-
klärende Tatsache, daß die ersteren oft von den tiefen Bodenrinnen abhängig sind, begreiflich.
Anderseits scheint es schwierig, in gewissen Meeren, z. B. im Südatlantischen Ozeane, die Vor-
stellung von Bodenströmen von großer Geschwindigkeit mit der tatsächlichen Verteilung der Boden-
temperaturen zu vereinen. Ich will hier nicht den Versuch machen, diesen scheinbaren Widerspruch
zu erklären.
3) Die Ursache dieses kalten Auftriebwassers ist schon längst im Winde erkannt worden, Man
hat dabei eher an die meistens ziemlich unbedeutende seewärts gerichtete Windkomponente als an
die Windkomponente parallel zur Küste gedacht; doch haben B. P. Hoffmann und auch E. Witte
(Annalen der Hydrographie 1880) darauf hingewiesen, daß auch ein parallel zur Küste wehender Wind
die Erscheinung des kalten Auftriebwassers hervorrufen kann. Anderseits geht aus Schotts Be-
schreibung (im Valdiviawerke) des Auftriebphänomens an der Westküste Afrikas hervor, daß hier die
Windkomponente senkrecht zur Küste die bestimmende ist. Dies wird auch durch emen Blick auf
Ann. d. Hydr. usw... 1906, Heft XT.