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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

536 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906, 
bar die Bewegung des Wassers in irgend einem Teile des Windgebietes genau 
dieselbe wie nach Problem a, S. 528, und das Meeresniveau wird in gleicher Ent- 
fernung von der Küste über der ganzen Kreisbahn gleich sein. Der gleich- 
förmige Tiefenstrom wird also einen Stromkreis bilden; ebenso der Oberflächen- 
strom, nur daß die Stromrichtung derselben je nach den Umständen gegen das 
Zentrum des Stromkreises hin oder von demselben aus weggelenkt ist. 
Es ist natürlicherweise nicht notwendig, vorauszusetzen, daß das Windge- 
biet sich überall der Küste anschließt. Seine Grenzlinie mag ebensogut auf dem 
offenen Meere liegen, wenn nur die Strommenge senkrecht zu derselben überall 
null ist; diese Grenzlinie spielt dann die Rolle der Küste. 
Diese einfachen Verhältnisse können aus verschiedenen 
Fig, 22. Gründen gestört sein. Wenn der Wind in einem Teile AB 
des Stromkreises (Fig. 22) entweder eine größere Geschwin- 
digkeit hat oder einen spitzeren Winkel mit der Küsten- 
linie bildet als in den übrigen Teilen BCD A, dann würde 
— wenn die Bewegung genau wie in Problem a bestimmt 
wäre — der Tiefenstrom im Teile AB eine größere Geschwin- 
digkeit als im Teile BCDA haben. Es muß also bei B 
eine Stauung entstehen, die den Tiefenstrom in AB ver- 
zögert und in BCD A beschleunigt — jedenfalls, wenn die 
von dem reinen Triftstrome bedingte Strommenge außer 
Betracht gelassen werden kann. 
Wenn das Meer selbst ringförmig wäre und mit dem Windgebiete zu- 
sammenfiele, so müßte der Strom innerhalb der verschiedenen Teile des Strom- 
kreises verzögert oder beschleunigt werden, bis die Strommenge überall dieselbe 
ist. Wenn aber die in der Figur durch eine gestrichelte Linie angedeutete Küste 
auf der inneren Seite des Windgebietes entfernt wird, so kann der Überschuß 
von Wasser in einem Teile des Stromkreises seinen Weg auch quer über den 
Ozean finden. Durch diesen Umstand werden die Druckunterschiede zwischen 
den verschiedenen Teilen des Stromkreises vermindert, und die Bewegung inner- 
halb der einzelnen Teile desselben nähert sich der in Problem a ermittelten um- 
somehr, je schmaler das Windgebiet. 
Ganz ähnlich wird die Sache stehen, wenn im Teile AB entweder die 
Meerestiefe oder die Breite des Windgürtels größer als in BCDA ist. In beiden 
Fällen entsteht eine Stauung bei B, die die Geschwindigkeit des Tiefenstromes 
in AB entsprechend vermindert und in BCD A vergrößert. 
Auch wird das Resultat ganz ähnlich, wenn die Meerestiefe, der Wind und 
die Breite des Windgebietes in irgend einer Weise variieren — jedoch unter 
der Voraussetzung, daß die Tiefe und Breite nur ganz allmählich variieren und 
daß der Wind nur in der Längsrichtung des Stromkreises variiert, dagegen in 
jedem Querschnitt nach Richtung und Geschwindigkeit konstant ist. Die Meeres- 
oberfläche wird dann längs des Stromkreises abwechselnd in der einen und der 
anderen Richtung schief zur Horizontalen stehen; da, wo sie in der Richtung 
des Tiefenstromes abfällt, wird dieser schneller als nach Problem a laufen und 
umgekehrt. 
Es ist offenbar, daß eine in der oben angedeuteten Weise durchgeführte 
quantitative Berechnung der Wasserzirkulation, wenn überhaupt möglich, 
jedenfalls eine sehr komplizierte Aufgabe sein würde. Die Schwierigkeit wird 
noch größer, wenn nicht, wie oben der Einfachheit halber angenommen wurde, 
die von dem reinen Triftstrome bedingte Strommenge vernachlässigt werden 
kann. Auch müßte die Abhängigkeit der Reibungstiefe von der geographischen 
Breite in Betracht gezogen werden, falls die letztere innerhalb des zu unter- 
suchenden Meeresgebietes sehr verschiedene Werte hat. 
Dagegen eignet sich das durch Fig. 22 dargestellte Schema wohl für qua- 
Jitative Betrachtungen; denn in einer Mehrzahl von Fällen kann man Luft- 
zirkulationen rings um ganze Meere oder Teile derselben sehr deutlich unter- 
scheiden:!) so im nördlichen Stillen Ozeane rechtsdrehend, im Meere zwischen 
1) Siehe z. B. die Wiudkarten in Julius Hann, Lehrbuch der Meteorologie. 
2,
	        
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