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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 535 
führt. Dazu kommt — ganz wie in dem oben unter. 1. behandelten Falle — 
eine durch das Kompensationsbedürfnis bedingte Stauung bei B, die die Ge- 
schwindigkeit . des Tiefenstromes im Gebiete AB vermindert und . Kompen- 
sationsströme in den Gebieten C und D erregt. Wo sich ein langer Wind- 
gürtel quer über die See erstreckt, muß man also als regelmäßiges 
Resultat erwarten: 1. einen Oberflächenstrom, mehr oder weniger 
nach "rechts von der Windrichtung abgelenkt (auf der nördlichen 
Hemisphäre), 2. einen Tiefenstrom in der Richtung des Windgürtels 
und von einer Geschwindigkeit, die von der Komponente des Windes 
in dieser Richtung bedingt ist. 
Ganz ähnlich wird das Resultat, wenn der Ozean von zwei parallel lau- 
fenden Windgürteln AB und A’}' (Fig. 21) wie von den Passaten gekreuzt wird, 
Wenn der Wind in beiden Windgebieten eine Komponente von A nach B be- 
züglich von A’ nach B’ hat, so werden in diesen Gebieten gleichmäßige. Tiefen- 
ströme von A nach B und. von A’ nach B’ erregt. Die Kompensation wird durch 
gleichmäßige Tiefenströme innerhalb der Gebiete C, D, E geleistet. 
Wenn wir das durch Fig. 21 veranschaulichte Schema auf die äquatorialen 
Teile des Atlantischen und des Stillen Ozeanes anwenden, so werden die Wind- 
gebiete AB und A’ B’ den Passatgürteln entsprechen. Der Kompensationsstrom 
im Gebiete D ist der äquatoriale Gegenstrom (beziehungsweise der Guineastrom) 
und dieser sollte also infolge der Theorie ein Tiefenstrom sein. Der Umstand, 
daß die Kompensationsströme in den Gebieten C und E (Fig. 21) kein genaues 
und deutliches Gegenstück haben, kann aus drei Gründen 
erklärt werden. Erstens würden nämlich diese Ströme auf 
höheren Breitengraden als die übrigen Ströme des Systems 
verlaufen; und es ist leicht einzusehen, daß, wenn der 
Druckgradient längs des. Stromgebietes gegeben und die 
Strommenge senkrecht dazu null ist, die Stromgeschwindigkeit 
mit zunehmender geographischer Breite ungefähr wie 1/V sin g 
abnimmt. Zweitens würde die Weglänge für die Ströme 
C und E länger als für den Strom D sein (besonders im 
Atlantischen Ozean); und jene: würden also von einem 
kleineren Druckgradienten als dieser getrieben sein, selbst 
wenn die Druckunterschiede zwischen den beiden Endpunkten der drei Strom- 
bahnen untereinander gleich wären, Drittens wird der Druckunterschied, der 
den Kompensationsstrom C oder E treiben würde, durch die Wirkung der West- 
winde höherer Breiten ausgeglichen, indem das. Kompensationsbedürfnis in 
größerem oder kleinerem Maße durch die Ströme in diesen Breiten befriedigt 
wird, (Siehe weiter Anwendung 3 unten.) . 
Die durchschnittliche Ablenkung des Oberflächenstromes von der Wind- 
richtung innerhalb der Passatgürfel ist nach Krümmel*) 3 oder 4 Striche, was 
mit der Theorie in Übereinstimmung ist, 
Fig, 21, 
8. Ringförmiges Windgebiet längs der Küsten eines Meeres. Strö- 
mungen im Indischen Ozeane und in den außertropischen Teilen des 
. Atlantischen und des Stillen Ozeanes, 
In vielen Meeren scheinen die Winde innerhalb eines breiteren oder 
schmaleren Randgebietes für die Ströme maßgebend zu sein. 
Wir wollen vorläufig annehmen, daß der Wind eine vollständige Zirku- 
lation in zyklonischer oder in antizyklonischer Richtung. um das Meeresbecken 
bildet; ferner, daß er überall von derselben Geschwindigkeit ist und einen kon- 
stanten Winkel mit der Küste bildet. Endlich nehmen wir vorläufig an, daß 
sowohl die Meerestiefe als die Breite des Windgebietes konstant ist, und daß von 
den Unterschieden in der geographischen Breite abgesehen werden kann. Die Krüm- 
mungen der Küste sollen nirgends größer sein; als daß sie infolge der Bemerkung 
auf S. 533 vernachlässigt werden können. Unter diesen Bedingungen wird offen- 
53 Boguslawski und Krümmel: Ozeanographie, Band 2, S. 386—389.
	        
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