534 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906,
entstehen, der den erforderlichen Kompensationsstrom von B nach A erregt.
(Vgl. S. 482 u, 483.) Wenn das Windgebiet die ganze Breite des Meeres einnimmt, muß
der Kompensationsstrom von B nach A denselben Weg zurückfließen und mithin
den vom Winde’ erregten Tiefenstrom beinahe vernichten. Dies ist in der Tat
der in Problem b oben behandelte Fall. Wenn das Windgebiet G (Fig. 11) die
halbe Breite des Meeresbeckens einnimmt und der Kompensationsstrom sich mithin
über das doppelte Querschnittsareal verbreiten kann, wird die Geschwindigkeit
des Tiefenstromes im Windgebiete auf die Hälfte vermindert. Die Kompensation
wird dann von einem Tiefenstrome gleicher Geschwindigkeit in der anderen
Hälfte des Meeresbeckens geleistet. Im Falle, daß der Kompensationsstrom sich
über ein vielfach größeres Querschnittsareal als der Triftstrom verbreiten kann,
wird er verhältnismäßig langsam und der zu seinem Treiben nötige Niveau-
unterschied sehr gering. Der Triftstrom im Gebiete AB wird dann sehr nahe
dem, wie in Übereinstimmung mit Problem a sein, Die Geschwindigkeit des
Kompensationsstromes wird in jedem Falle annäherungsweise gleich dem Unter-
schied zwischen der wirklichen und der nach Problem a berechneten Geschwindigkeit
des Tiefenstromes im Windgebiete.
Als ein Beispiel mag der Nordatlantische Ozean südlich yon Island und
nördlich von 45° Breite dienen, Hier herrschen im Winter sehr starke süd-
liche bis südwestliche Winde außer in der Nähe der nordamerikanischen und
grönländischen Ostküsten, wo die Winde schwächer sind und von W und NW
kommen. (Siehe z. B. J. Hann: Meteorologie.) Diese westlichen und nordwestlichen
Winde sind beinahe senkrecht zur Küste gerichtet und erzeugen daher keinen
beträchtlichen Tiefenstrom. Indem wir dieselben vorläufig vernachlässigen und
nur die südlichen bis südwestlichen Winde betrachten, haben wir also einen Fall,
in welchem die Breite des Meeres zum größten Teile vom Windgebiete ein-
genommen ist. Die Strömungen werden also angenähert in Übereinstimmung
mit Problem b sich gestalten. Wir können hieraus schließen, daß die Golfstrom-
trift hauptsächlich ein Oberflächenstrom sein muß; der Tiefenstrom kann jeden-
falls nur schwach sein. Nach Problem a sollte die Geschwindigkeit des Tiefen-
stromes 2 Mal die Oberflächengeschwindigkeit des reinen Triftstromes sein,
und diese Geschwindigkeit werden also die tiefen Kompensationsströme längs der
grönländischen und nordamerikanischen Küste (der Ostgrönländische Strom und
der Labradorstrom) angenähert erreichen. Infolge der Windrichtung werden hier
noch dazu Oberflächenströme mit südlicher bis südöstlicher Bewegungsrichtung
erzeugt. Indem wir voraussetzen, daß die Geschwindigkeit derselben jedenfalls
größer ist als die Geschwindigkeit des Tiefenstromes im Gebiete der Golfstrom-
trift, sollte also die Oberflächengeschwindigkeit des Ostgrönländischen und des
Labradorstromes um etwa die Hälfte größer als die Oberflächengeschwindig-
keit der Golfstromtrift sein, insofern diese Ströme vom Winde allein ver-
ursacht sind.
2. Windgürtel quer über einen Ozean. Die äquatorialen Strömungen
im Atlantischen und im Stillen Ozeane.
Was oben über einen Triftstrom außerhalb einer Küste gesagt wurde,
läßt sich auch dem Fall anpassen, in dem sich die Windzone quer über den
Ozean erstreckt, wie z. B. bei den Passaten und den West-
winden des Atlantischen und des Stillen Ozeanes. AB
(Fig. 20) mag ein solcher Windgürtel (auf der nördlichen
Hemisphäre) sein, Die schattierte Linie soll die das Meer
umschließende Küste bezeichnen. Wenn der Wind eine Kom-
ponente in der Richtung von A nach B hat, so wird der reine
Triftstrom Wasser in der Richtung von C nach D trans-
portieren; es wird also zwischen den Meeresteilen D und
C ein Niveauunterschied entstehen. Dieser Niveauunterschied
verursacht einen Staustrom innerhalb des Windgebietes AB,
nämlich einen gleichmäßigen Tiefenstrom in der Richtung von A nach B und
einen Bodenstrom, welcher die überschüssizge Wassermenge von D nach C zurück-