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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

332 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906. 
nach wenigen Tagen beinahe vollständig entwickelt sein. Außerhalb der Ab- 
böschungen dagegen wird diese Zeit wesentlich vergrößert. Schon in einer Ent- 
fernung von 1000 km vom Lande und auf einer Tiefe von 2000 m würde die 
obige Rechnung in 45° Breite eine Zeit von beinahe 2!/, Monaten ergeben und 
in 15° Breite 2%, Monate. Wenn die Meerestiefe 4000 m ist, werden dieselben 
Größen bezüglich 3°/, und 4°/, Monate. Nach diesen Resultaten werden 
die Tiefenströme im offenen Meere von den zufälligen Winden nicht 
beeinflußt, sondern hauptsächlich von dem durchschnittlichen Winde 
der Jahreszeit abhängig sein. Dagegen können sie wohl von den 
jahreszeitlichen Schwankungen des Windes in ziemlich weitem Grade 
abhängig sein — ein Umstand, der offenbar bei der Erklärung der Monsun- 
triften zu beachten ist. 
Problem b. Wir wollen jetzt den Fall betrachten, in welchem die ganze 
Oberfläche einer geschlossenen See — deren Tiefe als konstant angenommen 
werden soll — von einem gleichmäßigen konstanten Winde beeinflußt ist. Nach- 
dem ein stationärer Bewegungszustand eingetreten ist, muß danu die gesamte 
Strommenge in irgend einer Richtung null sein. In anderen Worten: die 
Richtung und Größe des Windstaues muß so bestimmt sein, daß die gesamte, 
vom Staustrome verursachte Strommenge der vom reinen Triftstrome bedingten 
Strommenge gleich und entgegengesetzt gerichtet ist. Der Staustrom reicht mit 
unveränderter Geschwindigkeit beinahe bis an den Meeresboden. Je größer die 
Meerestiefe ist (im Verhältnisse zur Reibungstiefe), um so geringer muß also die 
Geschwindigkeit des Staustromes sein und umsoweniger wird der Oberflächen- 
strom von den Küsten beeinflußt. Fig. 17 bis 19, die aus der englischen Ab- 
Fig. 17. d=05D Fig. 18. d= 125 D Fig. 19. d= 25D 
Kr oz 
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handlung genommen sind, stellen unter den Annahmen d — 0.5D d= 1.25 D und 
d=—2,5D die Geschwindigkeit in den Tiefen 0, 0.1d, 0.2d usw. unter der 
Oberfläche dar. Im letzten Falle (d = 2.5 D) ist der gleichmäßige Tiefenstrom 
deutlich entwickelt, aber schon ziemlich schwach. Es ist daher ersichtlich, daß 
unter den gemachten Annahmen schon in mäßigen ozeanischen Tiefen der Tiefen- 
strom als ganz verschwindend betrachtet werden muß. 
Die Richtung der Wasserstauung ist in jeder Figur durch einen Pfeil 
ohne Federn angegeben. Man sieht, daß diese Richtung, gleichviel ob d/D klein 
oder groß ist, doch immer mit der Bewegungsrichtung des Windes (der Richtung 
der Y-Achse) sehr nahe übereinstimmt; dies beruht darauf, daß die mittlere Strom- 
richtung im reinen Triftstrome und im Staustrome sehr nahe denselben Winkel mit 
der Kraftrichtung (bzw. Wind und Druckgradient) bildet. Dieser Umstand mag 
wohl eine der Ursachen dafür sein, weshalb die Einwirkung der Erdrotation auf 
die Triftströme so wenig wahrgenommen worden ist. Die Strömungen selbst 
werden aber von der Windrichtung abgelenkt. 
Durch numerische Berechnung kann man sich davon überzeugen, daß 
nicht nur die Richtung des Windstaues, sondern auch seine Höhe nur in ge- 
ringem Grade von der Erdrotation beeinflußt wird. Dieser Einfluß ist am 
größten, wenn die Wassertiefe d im Vergleich zur Reibungstiefe D sehr groß 
ist; in diesem Falle wird die Stauwirkung im Verhältnisse von 2:3 kleiner, als 
sie ohne Erdrotation sein würde. Ist d=—71.,25 D, so ist dies Verhältnis 77 :100, 
und wenn d == 0,5D ist, 98 :100, also die Einwirkung der Erdrotation ganz un- 
merkhbar.
	        
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