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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 529 
wird durch die Bedingung bestimmt, daß die Strommenge senkrecht zur Küste 
null sein soll. Us 
Betrachten wir z. B. den Fall, daß der Wind in der Richtung der Küste 
weht. In diesem Falle ist die Strommenge des »reinen« Triftstromes senkrecht 
zur Küste durch die Gleichung (3 b) S. 477 gegeben, und es folgt aus einer Zu- 
sammenstellung dieser Gleichung und der-Gleichung (4) S. 481, daß die Geschwindig- 
keit U, des Tiefenstromes V2 Mal die Oberflächengeschwindigkeit V, des »reinen« 
Triftstromes sein soll, Dieser Bedingung gemäß ist das Stromdiagramm Fig. 13 
in leicht verständlicher Weise nach den Diagrammen Fig. 3 und 9 zusammen- 
gesetzt, Die Geschwindigkeitspfeile muß man sich hier als vom Zeichen © 
aus nach Punkten auf der Kurve gezogen denken, und zwar beziehen sich die 
kleinen Punkte einerseits auf die Höhen 0.1 D, 0.2 D usw. über dem Meeresboden, 
anderseits auf die Tiefen 0, 0.1 D, 0.2 D usw. unter der Meeresoberfläche; der. 
große schwarze Punkt in der Mitte bezieht sich auf den gleichförmigen Tiefen- 
strom. Die Windrichtung und die Küstenrichtung sind beziehungsweise durch 
einen Pfeil und durch eine schattierte Linie bezeichnet. Wenn diese beiden 
Richtungen untereinander einen: Winkel ß bilden, so wird die senkrecht zur 
Küste gerichtete Strommenge des reinen Triftstromes im Verhältnisse von cos ß 
kleiner. Dasselbe muß also in bezug auf den Bodenstrom und daher — unter 
Annahme von unveränderter Reibungstiefe — in bezug auf die Geschwindigkeit 
des gleichförmigen Tiefenstromes der Fall sein. (Siehe Fig, 14 und 15, welche 
für 8=-+ 45° und 6 = -— 45° gezeichnet sind). 
Fig. 13. Fig. 14. 
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Es besteht also in bezug auf die vom Winde verursachten Ströme 
ein sehr wesentlicher Unterschied, je nachdem das Wasser in jeder 
Richtung ohne Hindernis fließen kann oder gegen Küsten oder auf 
andere Weise angestaut wird, Im ersteren Falle erzeugt der Wind 
nur einen auf eine ziemlich dünne Oberflächenschicht beschränkten 
»reinen« Triftstrom. Im letzeren Falle dagegen erstreckt sich, die 
stromerzeugende Wirkung des Windes beinahe bis zum Meeresboden 
hinab: Die Geschwindigkeiten der vom Winde erregten Tiefenströme 
sind nach Fig. 13 bis 15 gar keine unbedeutenden, können sogar die 
Hälfte der Geschwindigkeit des Oberflächenstromes übersteigen. 
Es muß hervorgehoben werden, daß Fig. 13 bis 15 unter der 
willkürlichen Voraussetzung berechnet sind, daß die Reibungstiefe in 
der Bodenschicht und in der Oberflächenschicht gleich ist. Wenn die 
Reibungstiefe am Boden größer ist als in .der Oberflächenschicht, so würde die 
Geschwindigkeit des Tiefenstromes verhältnismäßig kleiner, im entgegengesetzten 
Falle aber noch größer sein, als aus Fig. 13 bis 15 folgen würde. Es ist wohl 
unmöglich, gegenwärtig zu entscheiden, welche .dieser Annahmen die richtigere 
ist; denn. die Reibung in den Oberflächenschichten wird einerseits durch die 
Wellenbewegung vergrößert, anderseits infolge der Dichtigkeitsunterschiede ver- 
mindert. Diese Frage muß daher auf direktem oder indirektem Wege durch
	        
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