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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906. 
Dagegen können wir infolge der verhältnismäßig sehr kleinen vertikalen 
Dimensionen des Meeres den Einfluß der Kontinente und der kontinentalen Ab- 
böschungen (der vertikalen Form des »Meeresgefäßes«) auf die Reibung ver- 
nachlässigen. So z.B. ist in der ungefähr 1000 m tiefen und ziemlich engen 
Floridastraße die Tiefe doch nur zwei Hundertstel der Breite, Der Antillen- 
strom ist nach Professor Krümmels Stromkarte etwa hundertmal breiter 
(500 km) als die Meerestiefe, Die Breite des Kanarenstromes, wenn durch- 
schnittlich auf 1000 km geschätzt, ist das 250fache der mittleren Meerestiefe da, 
wo der Strom sich abspielt usw. Die Reibung muß daher hauptsächlich zwischen 
den über- und untereinander liegenden Schichten — nicht zwischen den neben- 
einander liegenden — stattfinden. Zwar müssen wir wahrscheinlich da, wo die 
Dichtigkeit des Wassers mit der Tiefe beträchtlich zunimmt, einen kleineren 
Reibungskoeffizienten annehmen, wenn die Wassermassen übereinander als wenn 
sie nebeneinander gleiten, denn im letzteren Falle wird das Entstehen von 
Wirbeln nicht durch die Dichtigkeitsunterschiede verhindert. Eine so große 
Bedeutung dieses Umstandes, so daß die »seitliche« Reibung im Vergleich zur 
»vertikalen« Reibung irgend eine beträchtliche Rolle spielen kann, scheint aber 
unwahrscheinlich, Selbst da, wo eine scharfe Grenze zwischen zwei neben ein- 
ander fließenden Strömen beobachtet worden ist und wo also pro Flächeneinheit 
große Reibungskräfte zur Wirkung gelangen, muß doch die Bedeutung derselben 
infolge ihrer verhältnismäßig kleinen Angriffsfläche gering sein. Wir können 
daher, jedenfalls für eine erste Annäherung, annehmen, daß die 
Reibung nur von der vertikalen Geschwindigkeitsverteilung am be- 
züglichen Orte abhängt, ganz so, als ob das Meer von gleichmäßiger 
Tiefe und in horizontalen Richtungen unendlich ausgebreitet wäre. 
Nach dem, was oben gesagt wurde, ist das Problem der stationären Trift- 
ströme im Meere ein ziemlich einfaches, Der Strom ist — unter Voraus- 
setzung von homogenem Wasser — aus einem reinen Triftstrome, wie er im 
Abschnitt II beschrieben wurde, und einem Staustrome nach Abschnitt IIT zu- 
sammengesetzt. Da die erste dieser Komponenten in allen Tiefen größer als D 
verschwindet und da die zweite Komponente in größerer Entfernung als D vom 
Boden konstant ist, so können wir, falls die Meerestiefe größer als 2D ist, im 
resultierenden Stromsysteme drei Ströme unterscheiden, nämlich: (1) einen 
Bodenstrom von der Dicke D, (2) über demselben einen Tiefenstrom von 
gleichförmiger Geschwindigkeit in allen Tiefen bis zur Tiefe D unter der Ober- 
fläche, (3) über diesem Niveau einen Oberflächenstrom, dessen Geschwindig- 
keit die Resultarnite des gleichförmigen Tiefenstromes und eines »reinen« Triftstromes 
ist. Ausnahmsweise kann der Tiefenstrom nebst dem Bodenstrome fehlen, näm- 
lich, wenn der vom reinen Triftstrome bedingte Wassertransport olıne Hindernis 
vor sich gehen kann und mithin keine Stauung verursacht, Wenn die Meeres- 
tiefe kleiner als 2 D ist, fällt der gleichmäßige Tiefenstrom fort, und Oberflächen- 
strom und Bodenstrom gehen ineinander allmählich über. In jedem Falle ist 
die Neigung der Wasseroberfläche und der dadurch erregte Staustrom so zu 
bestimmen, daß .in irgend einem Meeresteile die einströmende und ausströmende 
Wassermenge gleich ist, 
Es sollen hier zunächst zwei ideale Probleme untersucht, dann auch einige 
Fälle von praktisch-ozeanographischer Bedeutung besprochen werden. 
Problein a. Es sei vorausgesetzt, daß außerhalb einer unendlich langen 
geraden Küste ein nach Richtung und Stärke konstanter Wind weht. Die Meeres: 
tiefe sei konstant und größer als 2D, und die Unterschiede in der geogra- 
phischen Breite sollen nicht in Betracht genommen werden. Ferner soll das zu 
betrachtende Gebiet nicht nur im Vergleich zu seiner Tiefe, sondern auch im 
Vergleich zu seiner Breite als unendlich lang anzusehen sein. Die Wasserober- 
fläche wird dann parallel zur Küste keine Neigung mit der horizontalen Ebene 
erhalten, weil ja zur Entstehung einer solchen Neigung kein Anlaß besteht. 
Nachdem stationäre Verhältnisse eingetreten sind, muß also der vom Windstau 
bedingte Druckgradient senkrecht zur Küste gerichtet sein, und seine Größe
	        
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