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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Behrmann, W.: Die Entstehung nautischer Kartenwerke Niederdeutschlands und ihr Einfluß usw. 525 
In den folgenden Werken wollen wir die Seebücher verlassen und zu den 
Seeatlanten übergehen (wie H. Wagner diese Werke einteilt),!) d. h. zu den 
Werken, bei denen nicht, wie bislang, der beschreibende Text an erster Stelle 
stand, sondern zu Werken, die als reine Kartenwerke den beschreibenden Teil 
höchstens in der Einleitung bieten, ihr Hauptgewicht aber auf die Karten legen. 
Gemeinsam ‚ist fast allen diesen Werken, daß sie zu Anfang eine Weltkarte bieten, 
dann eine Generalkarte von Europa, die Küsten dieses Erdteils in weiteren Karten 
illustrieren, um endlich die außereuropäischen Gewässer zu behandeln. Da wir 
nur dem Einfluß Waghenaers in diesen Werken nachspüren wollen, können uns 
die außereuropäischen Erdteile nichts sagen, wir müssen bei allen Werken uns 
auf Europa beschränken. 
Zusammen behandeln können wir drei Werke des Jahres 1667, nämlich: 
1. Hendrik Doncker, De Zee-Atlas of Water-Waerelt; 2. Pieter Goos, De Zee-Atlas 
ofte Water-Waereld; 3. Joannes van Loon, Klar-Lichtende Noort-Star ofte Zee-Atlas; 
alle drei in Amsterdam erschienen, die, wenn sie auch verschiedene Einteilung 
der Karten zeigen, doch ein gleiches Gepräge haben. Da diese Atlanten die ganze 
Erde in einem Bande darstellen wollen, können sie Spezialkarten nur an ver- 
ainzelten Stellen bieten. Wo dies der Fall ist, wie z. B. in der Ems—Eider-Karte 
des Doncker, der Marokko-Karte (genaue Kopie des Blaeuw) und Holland-Karte 
des Goos, C. Vicente-Karte des Zoon, wird sofort auf Waghenaer zurückgegriffen 
und die Küste mit Ansichten verziert. Im übrigen werden die Übersichtskarten 
des Blaeuw kopiert, wenn auch in einzelnen Punkten verbessert; immer. aber 
noch macht sich der Einfluß der Küstenansichten geltend (Nordbretagne usw.). 
Das Mittelmeer ist durch eine echte Portulankarte vertreten. Überhaupt ist bei 
diesen und wie bei den folgenden Werken zu konstatieren, daß das Mittelmeer, 
außer in der Generalkarte, nie zusammen mit atlantischen Küsten dargestellt 
wird, vielmehr die Karte stets in der Nähe von Gibraltar abschneidet (höchstens 
wird das schon im Tresoor gebotene Küstenstück bis Kap Gata, oder die Küste 
bis Kap Vicente der Portulane mit hineingezogen). Dieses, eine Art Atavismus, 
kann als neuer Beweis dafür dienen, daß die Generalkarte »die Pascaerte v. 
Europa« des Waghenaer aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt ist. Diese 
durch die Zusammensetzung so wirre Karte des Waghenaer finden wir den Werken 
des Doncker und Goos vorangesetzt; in beiden fehlt der Bottnische Meerbusen 
und liegt die Waigatsch-Straße mit Korfu scheinbar auf derselben geogr, Länge, 
Die Küste von Norwegen ist wie in den folgenden Werken nach. der Übersichts- 
karte von Blaeuw verbessert, während dieser selbst sie in der Generalkarte von 
Europa noch abweichend von seinen Spezialkarten zeichnet. 
Die gleiche Karte in etwas vergrößertem Maßstabe bietet uns ferner Colom 
im seinem Atlas maritimo aus dem Jahre 1669. Dieser Atlas ist reichhaltiger in 
bezug auf die außereuropäischen Länder als die vorhergehenden Werke. Die 
Küste Europas ist scheinbar aus den verschiedensten Werken zusammengestellt, 
denn die Karten weisen die abweichendsten Größen im Format auf. Obenan aber 
steht Waghenaer; viele Karten sind reine Abzeichnungen (z. B. Süd-Norwegen) 
sowohl in bezug auf Namen als’ auf Küstenlinie und Ansichten; andere wieder 
fußen auf Blaeuww Übersichtskarten, wie z. B..die Süd-Nordsee. Die Portulan- 
karte des Mittelmeers fehlt nicht. In dem »wierigen Colom der Zeevaert 1662« 
von demselben Verfasser befindet sich nach H. Wagner eine Mereator-Xarte. 
Diese ist in diesem Werke verschwunden. 
Dieses Werk scheint in einzelnen Übersichtskarten stark auf v. Keulens 
Werk »De Groote Nieuwe vermeerderde Zee-Atlas ofte Water-Waerelt, Amsterdam 
{681« eingewirkt zu haben. Wenn sich dieses Werk auch nicht auf die gleiche 
Detaildarstellung einläßt, so blickt auch hier wieder, z. B. in Süd-England und 
den Scilly-Inseln?), Waghenaerscher Einfluß durch. 
1) Leitfaden durch den Entwicklungsgang der Seekarten. 11. D. Geogr. Tag, Bremen 1895, 
Katalog der‘ Ausstellung, p. 29 ff, 
2) Ich wähle in den verschiedenen Werken verschiedene Beispiele, um anzudeuten, daß man 
ihre Zahl leicht vermehren kann.
	        
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