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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

592 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906. 
bei der Insel Sokotra, der arabischen Küste und einer Insel »Pulo Vay« im NW 
von Sumatra.) 
Im allgemeinen verschwindet diese Darstellungsweise mit der feineren 
Küstenaufnahme, die sich auf Positionsbestimmungen aufbaut, man kann kurz 
sagen mit der allgemeinen Einführung der Mercatorprojektion in die Spezial- 
karten, Auf Häfen ist sie später noch angewandt worden. Trat aber früher 
der Aufriß in den Vordergrund, so ist jetzt der Grundriß unbestrittene Haupt- 
sache. Ja, man kann sagen, daß eine Karte wie Thomas Mann’ Survey of Port 
Mahon in the Island of Minorca 1809 trotz des Widerspruchs, die der Methode 
zugrunde liegt, ein gutes und brauchbares Bild dieses Hafens gibt. 
Wenn so die Kombination von Küstenlinie und Ansicht im Laufe der Zeit 
aus der Kartenliteratur verschwinden mußte, die Ansichten der Küste für sich 
haben sich stets zu behaupten vermocht. Dieses von den Niederdeutschen zuerst 
mit Erfolg angewandte Mittel hat noch heute die gleiche Bedeutung wie früher. 
Nur an vereinzelten Stellen ist die Photographie an seine Stelle getreten, oft 
aber zeigt es noch, besonders in wenig befahrenen Gebieten, dieselbe primitive 
Form wie vor 300 Jahren. 
Hatten die Niederdeutschen im Norden Europas, die Italiener im Süden, 
jede Nation für sich eine eigene Art und Weise der Darstellung ihres Handels- 
gebietes, so müssen besonderes Interesse die Karten erregen, wo eine Nation in 
das Gebiet der anderen hineindrang. Es ergibt sich hier die merkwürdige Tat- 
sache, daß trotzdem die guten Karten, die Portulankarten, vorhanden waren und 
trotzdem diese Karten den Niederdeutschen bekannt waren, sie dennoch neue, 
viel primitivere Aufnahmen nach ihrer Zeichenmethode machten. 
Zum ersten Male finden wir das Mittelmeer bei den Niederdeutschen in 
der Generalkarte dargestellt, die Waghenaers Werk vorangesetzt ist. Es ist hier 
eine echte Portulankarte mit anderen Küstenlinien zusammen gezeichnet. 
Waghenaer kannte also diese Karten. Trotzdem bringt er in seinem Tresoor 
einige Jahre später (1592) eine fortlaufende Kette von Küstenansichten von 
Gibraltar bis Venedig. In den späteren niederdeutschen Werken über das Mittel- 
meer fehlt die Portulankarte nicht. So in Waghenaers Werk Speculum marinum 
vom Jahre 160 (sie). In diesem wird das Gebiet des »doppelten Seespiegels« 
durch einen Anhang erweitert auf das Mittelmeer. Dieser Anhang?) gewährt das 
größte Interesse, Als Übersichtskarte wird uns eine echte Portulankarte geboten. 
Für die Spezialkarten aber scheinen diese den Niederländern nicht auszureichen, 
Durch fortlaufende Numerierung und die gleiche Zeichenmethode als zu ur- 
sprünglich einem Werk gehörig sind folgende Karten zu bezeichnen: 2 Karten 
des Iberischen Meeres, 1 des Golfs von Valencia, des Golfs von Lion, Ligurischen 
Meeres, 2 des Tyrrhenischen, 1 des Adriatischen Meeres. Diese Karten sind von 
denselben Platten abgezogen, wie die von Nordenskiöld und A. Wolkenhauer?®) 
veröffentlichten Karten des Barentszoon 1595; sie zeigen die gleichen Umrisse, 
Namen und Formen, nur sind die Titel, die Schiffe und Fische aus der Platte 
verschwunden, die Kompaßrosen (die noch die gleiche, untereinander verschiedene 
Mißweisung zeigen) sind durch einfachere ersetzt. Wir haben also in diesen 
8 Karten eine besondere Ausgabe des so seltenen Barentszoon vor uns, von 
dessen Werken nur drei Exemplare (1595 Univ. Bibl. Amsterdam, 1606 Kgl. und 
Univ. Bibl, Breslau, 1608 Univ. Bibl. Innsbruck) zu ermitteln waren. Diese Karten 
stehen auf einer merkwürdig hohen Stufe, wie schon die Zeichnung der doppelten 
Kompasse lehrt, sie sind weder Portulan- noch Küstenansichtskarten und‘ doch 
reine Seekarten. Es scheinen diese Karten aber trotz der drei Auflagen ohne 
erheblichen Einfluß gewesen zu sein, jedenfalls sind sie mir in späteren Werken 
nicht wieder aufgestoßen, Neben diesem Barentszoon-Atlas finden sich 6 Karten 
4‘) Vgl. auch die Ausgabe 1775. 
3) Deseriptio maris mediterrane: per tabulas hydrographicas et geographicas etc. 
Amstelodami apıuıd Joannem Janssonium. 
3) Beiträge zur Geschichte der Kartographie und Nautik des 15. bis 17. Jahrhunderts. Mitt. 
der Geogr. Gesellsch. München, I. 1904.
	        
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