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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Behrmann, W.: Die Entstehung nautischer Kartenwerke Niederdeutschlands und ihr Einfluß usw. 521 
sichten noch einmal in geschlossener Form oben am Rande der Karte.!). Die 
alleinige Ausnahme macht die Karte der Küste Schwedens, die gerade im Periplus 
p. 109 abgebildet ist. War eine Küste noch nicht bekannt genug, um in einer 
Karte dargestellt zu werden, so begnügte Waghenaer sich, die Ansichten allein zu 
bieten. Das Westmittelmeer wird in seinem Tresoor in dieser Form dargestellt, 
indem sich Ansicht an Ansicht reiht, die alle mit einem wagerechten Strich ab- 
schließen, oft aber die abenteuerlichsten Bergformen zeigen. Auch Inselgruppen 
werden auf diese Art dargestellt und bieten so uns unverständliche Formen.) 
In dem später erschienenen billigen und so mehr für den Schiffer geeigneten 
Enchuyser Zeecaertboeck 1598 finden wir wieder, wie in allen ähnlichen Lesekarten, 
nur die Ansichten; die Karten aber sind verschwunden, ; ; 
Es haben sich also die Niederdeutschen, da ihnen ein Material an Orts- 
bestimmungen und Entfernungsangaben fehlte, durch‘ diese Methode zu helfen 
gewußt. So. unmöglich, vom mathematischen Gesichtspunkt aus betrachtet, die 
Art der Darstellung ist, sie hat doch dem Schiffer gute Dienste geleistet, Dafür 
bürgen uns die in viele Sprachen übertragenen Werke Waghenaers, dafür die 
durch Jahrhunderte gebrauchten Kopien (s. unten) seiner Werke, die unter den 
verschiedensten Titeln und Verfassernamen zwar einige Korrekturen brachten, 
die Bilder auch bisweilen verkleinerten und zusammensetzten, aber nicht. selb- 
ständigen Wert haben, Anderseits zeugt davon der Umstand, daß man in späteren 
Werken, die ganz neue Aufnahmen zu sein scheinen oder andere Küstenstrecken 
darstellen, sich des öfteren dieses Mittels bediente, Eine systematische Durch- 
forschung der gesamten neueren Kartenliteratur würde dafür die interessantesten 
Belege geben, ist aber heute wegen der ungenügenden Kenntnis von dem Vor- 
handensein und dem Aufenthaltsorte der fraglichen Werke wohl kaum möglich; 
hier seien nur einige Fälle angeführt, die mir beim Durchsuchen der neueren 
Land- und Seekarten aufstießen. 
In den Riesenatlanten eines Blaeuw z, B., die eigentlich nur reine Land- 
karten aufweisen, finden sich einige Seekarten dieses Typus eingebunden. Der 
Novus Atlas vom Jahre 1635 bringt eine Seekarte der Molukken; im Atlas maior 
sive cosmographia Blaviana 1662 zeigt sich die Jugorsche Straße in dieser Zeichen- 
methode dargestellt. Le Neptun Frangais ou atlas nouveau des cartes marines par 
Mr. d’Ablancourt, Amsterdam 1700, bietet eine interessante Ansicht von St. Helena, 
die sich im Bogen krümmt und durch einen Kompaß orientiert ist. In dem 
v. Keulenschen »grooten nieuven vermeerderden Zee-Atlas« 1681 finden wir eine 
Neuaufnahme Afrikas nach diesem Prinzip. Diese Blätter, die durch fortlaufende 
Numerierung ausgezeichnet sind und daher einem anderen‘ Atlas entnommen 
zu sein scheinen, zeigen die Küste ständig begleitet von der Ansicht, die sich im 
Kamerunberg zur markanten Warte erhebt, zuweilen allerdings zur schematischen 
Wellenlinie herabsinkt.. Angeheftet an den Neptun Francais von Pene, Cassini 
und anderen (Paris 1693) ist ein Werk: Cartes marines & V’usage des armees du 
roy de la grande Breiagne par Sr Romain de Hooge, .in dem uns vollständig 
neue Karten der französischen Küste und des Mittelmeeres vorzuliegen scheinen: 
Das Bemerkenswerte an diesen Karten, die sämtlich Küstenansichtskarten sind, 
ist, daß ihnen eine trapezförmige Projektion zugrunde gelegt ist; trotzdem sind 
sie mit einem Kompaßnetz überzogen. Sie stellen also wohl ein Unikum in der 
nautischen Literatur dar. 7Zhe English.Pilot von R. und W. Mound und T. Page, 
London 1711, bringt eine Fülle von Beispielen für die Küstenansichtskarten, die 
zuweilen in der Naivität der Auffassung (z. B. bei den Karten von Cuba) mit 
den ältesten Seekarten wetteifern können. Le Neptune oriental ou routier general 
des cötes des Indes Orientales et de la Chine etc. par D’Apres de Mannevilette, 
Paris 1745 zeigt eine interessante Mischung der verschiedenen Darstellungs- 
formen, in der moderne Schraffenmethode, Raupenform der Gebirge und Küsten 
mit angezeichneten Ansichten wechseln; letzteres zeigt sich besonders ausgeprägt 
1) 1. c. Karte 2. 
2?) 1. ce. Abbildung 4, 
\nn. d& Hydr. usw. 1906. Heft XI.
	        
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