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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

516 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906.

gewesen sein, daß dieser Entwurf die bestehenden Bedürfnisse befriedige. Um
einen Anknüpfungspunkt für weiteres Vorgehen zu sichern, zwang der dicht bevorstehende
 Schluß der Tagung, wenigstens zu einem Beschlusse zu kommen,
was zur Schädigung der allen am Herzen liegenden Sache durch eine weitere
Opposition in Frage gestellt worden wäre. Da nun selbst aus der zur Beratung
des Statutenentwurfes eingesetzten Spezialkommission des Kongresses die Außerung
getan wurde, daß von der geplanten internationalen Polarkommission wohl
eine weitere Entwicklung in Richtung der anfänglich projektierten internationalen
 Vereinigung ihren Ausgang nehmen könne und daß es sich nur um
einen Vorentwurf handele, so war auch dem widerstrebenden Teile der Versammlung
 die Richtschnur für die Abstimmung gegeben, .
Die Entscheidung liegt jetzt bei den Staaten, der internationalen Vereinigung
 der Akademien und mittelbar wohl auch bei den wissenschaftlichen
Instituten und Körperschaften, Es wird davon abhängen, welche Bedeutung
diese einer internationalen Organisation der Polarforschung beilegen, und welche
Ausdehnung sie ihr zu geben für angebracht halten.
Das Bedürfnis einer internationalen Organisation der Polarforschung im
weitesten Sinne des Wortes, d. i. nicht nur der eigentlichen Polar-Expeditionen,
sondern aller Forschungen und damit verbundenen wissenschaftlichen Unternehmungen,
 für die die Erkundung der Polarregionen einen wichtigen Faktor
bildet, ist auf dem Kongreß deutlich zutage getreten. Dies geschah sowohl bei
den Erörterungen über die internationale Polarkommission, als auch durch die
Verhandlungen in den Abteilungen, die bei der Kürze der zur Verfügung stehenden
Zeit die Fragen bei weitem nicht erschöpfen konnten, sowie selbst durch Beschlüsse
des Kongresses, die durch die vorgeschlagene Kommission kaum erfüllt werden
können. Die wohl kaum zu erwartende zahlreiche Beteiligung an dem Kongreß
aus den verschiedensten Ländern und aus den verschiedensten Wissenschaftszweigen
 hat, wie auch in der Resolution S. 514 gesagt ist, das lebhafte wissenschaftliche
 Interesse erwiesen, das für die Polarforschung besteht. Seinem Programm
nach war der Kongreß nur informatorischer Natur und konnte und sollte überhaupt
 keine bindenden Beschlüsse fassen. In der Feststellung des Bedürfnisses
weiterer Polarforschung und ihrer Organisation, sowie bei dieser Forschung zu
beachtender Gesichtspunkte und in der Äußerung des lebhaften wissenschaftlichen
Interesses weitester Kreise an dieser Forschung liegt der gute Erfolg des Kongresses,
So wird es die wissenschaftliche Welt den Organisatoren des Kongresses
Dank wissen, daß sie Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch gegeben, der
im Prinzip mit Einmütigkeit ein einheitliches Ziel gesteckt und dadurch den
Keim zu einer durchgreifenden Entwicklung der an der Polarforschung interessierten,
 für das Kulturleben wichtigen Wissenschaftszweige gelegt hat.
E. Herrmann.

Die Entstehung nautischer Kartenwerke Niederdeutschlands
und ihr Einfluß auf die Kartographie.
Von Dr. Walter Behrmann, Assistent am geogr. Seminar der Universität Göttingen.
(Hierzu Tafel 34.)
In der Geschichte der Kartographie ist merkwürdigerweise das Studium
alter Seekartenwerke stehen geblieben bei den Karten der Italiener. Es mag
der Grund für diese Tatsache neben dem überaus hohen Alter dieser Karten darin
zu suchen sein, daß durch die Arbeiten eines 7A. Fischer‘) und A. E. Nordenskiöld?)
 diese Karten einem größeren Publikum zugänglich geworden sind. Jetzt
aber, wo das Wesen der italienischen »Portulankarten« durch die Arbeiten
Hermann Wagners?) aufgeklärt ist (siehe unten), wird es Zeit, sich auch einmal
) Sammlung mittelalterlicher Welt- und Seekarten. Venedig 1886.
:) Periplus ete. Stockholm 1897.
8) Das Rätsel der Kompaßkarten im Lichte der Gesamtentwickelung der Seekarten. Vh. d.
11. D. Geoer. Tages. Bremen 1895, 8. 65—87. The origin of the mediaeval italian nautical
            
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