Herrmann, E.: Der Internationale Kongreß für die Erforschung der Polargegenden zu Brüssel 1906. 513
Für jede Beratung ist die Anwesenheit der Mehrzahl der fungierenden Mitglieder
erforderlich. Die Beschlüsse werden mit absoluter Stimmenmehrheit gefaßt. Bei Stimmen-
gleichheit entscheidet die Stimme des Präsidenten,
Die stellvertretenden Mitglieder haben Sitz und Stimme an Stelle von verhinderten
wirklichen Mitgliedern; sie üben deren Rechte aus, so lange die Verhinderung dauert.
Artikel 9. Es ist der Kommission streng untersagt, sich mit Finanzoperationen
zu befassen,
Diesem Statutenentwurf wurde der Nachtrag hinzugefügt: &
a) Der Kongreß beschließt, daß der angenommene Statutenentwurf für die inter-
nationale Polarkommission durch sein Bureau der internationalen Vereinigung der
Akademien mitgeteilt werde.
b) Der Kongreß beauftragt sein Bureau, alle internationalen Formalitäten zu er-
füllen in Hinsicht auf die Annahme des Statutenentwurfes für die internationale Polar-
kommission durch die Staaten.
Des weiteren‘ wurden die in den Spezialabteilungen gefaßten Beschlüsse
von dem gesamten Kongreß angenommen. Es waren folgende:
I. Abteilung: Astronomie, Geodäsie, Hydrographie und Topographie.
Der internationale Polarkongreß zu Brüssel spricht sich dahin aus:
I. Daß die Methoden und die Angaben der Instrumente, die zur Bestimmung der
geographischen Koordinaten in den Polargegenden geeignet sind, veröffentlicht werden;
2. daß mit Versuchen über die Bestimmung der Längendifferenz durch drahtlose
Telegraphie zwischen Punkten von bekannter Lage vorgegangen werde.
In Anbetracht, daß gewisse Missionen in die Polargegenden bis zu dreimal nach-
einander überwintert haben, spricht der internationale Polarkongreß zu Brüssel den Wunsch
aus, die astronomischen Ephemeriden auf eine längere Zeit im voraus veröffentlicht zu
sehen, als sie es tatsächlich werden:
Der internationale: Polarkongreß zu Brüssel beschließt, die. Aufmerksamkeit des
Kongresses darauf zu lenken, daß eine Meridianbogenmessung auf dem antarktischen
Kontinent auszuführen sein wird. .
Der internationale Polarkongreß zu Brüssel spricht sich dahin aus, daß Schwere-
messungen in den Polargegenden auszuführen sind, sei es durch Pendel, sei es durch
Schweremesser, sei es nach jeder anderen Methode, . .
Der internationale Polarkongreß zu Brüssel spricht den Wunsch aus, die allzu
freien in der Topographie angewandten Methoden, indem sie den Polargegenden angepaßt
werden, geregelt zu sehen und empfiehlt den Gebrauch der Photogrammetrie, ;
Es wäre zu wünschen, daß eine Reihe von Nachschlagewerken veröffentlicht würde,
die einen theoretischen Teil und einen Teil über die praktische Ausführung in bezug auf
die verschiedenen Wissenschaftszweige umfassen. .
Der internationale Polarkongreß spricht sich dahin aus, daß altes, was urkundlich
ist (Bücher, Abhandlungen, Karten, Photographien, Skizzen usw.) sobald als möglich ver-
öffentlicht werde; er spricht sich dahin aus, daß ein periodisches Organ geschaffen werde,
um die Veröffentlichung der Abhandlungen, Instrumente, Dokumente usw., die für die
Polarforschung nützlich sind, zu. zentralisieren. .
41. Abteilung: Meteorologie, Erdmagnetismus, Erdströme, atmosphärische
Elektrizität, Erforschung der höheren Luftschichten, Polarlichter.
Der internationale Polarkongreß zu Brüssel spricht den Wunsch aus:
Daß Untersuchungen und Studien ‚gemacht werden, um Registrierapparate zu
konstruieren, die während mehr oder weniger langer Zeiträume in unbewohnten Gegenden
sich selbst überlassen. werden können;
daß die Polar-Expeditionen mit Drachenmaterial versehen werden für das Studium
der oberen Schichten der Atmosphäre; .
dauernde Stationen in den den Polen benachbarten Ländern, dort, wo es möglich
ist, errichtet und zeitweilige Stationen in einer größtmöglichen Anzahl während der Dauer
der Polar-Expeditionen organisiert zu sehen, um die Expeditionen. an die dauernden
Stationen anzuschließen; .
daß die internationalen Polar-Expeditionen gleichzeitig nach beiden Hemisphären
gerichtet werden;
daß während dieser Expeditionen meteorologische und magnetische Beobachtungen,
soweit als möglich, genau an den Orten, wo sie in den Jahren 1882—1883 gemacht
worden sind, ausgeführt werden; - . .
daß eingehende Beobachtung der Erscheinungen der hohen Atmosphäre besonders
den Polarezxpeditionen empfohlen werde.