accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, E.: Der Internationale Kongreß für die Erforschung der Polargegenden zu Brüssel 1906. 511 
Kongresses erwählten Staatsministers Herrn Beernaert — deren beider Reden 
im allgemeinen Interesse hier wiederzugeben gewünscht werden müßte, wenn es 
der Raum gestattete — fanden ihren Widerhall in den folgenden Ansprachen 
der einzelnen Vizepräsidenten, die auf Vorschlag des Präsidenten je einer aus 
den auf dem Kongreß vertretenen Ländern bestimmt worden waren. Sie 
steigerten nur die Zuversicht der Versammlung auf eine allseitige Durchführung 
der im Programm vorgeschlagenen für die künftige Polarforschung und die 
Entwicklung wichtiger geophysikalischer Fragen so bedeutsame Tagesordnung, 
die in der Befürwortung einer internationalen Vereinigung für das Studium der 
Polargegenden ihren Gipfelpunkt von praktisch weittragendsten Folgen hatte. 
Diese Zuversicht erlitt allerdings alsbald wohl bei manchen Mitgliedern 
der Versammlung eine gewisse Einbuße, als aus dem Kreise der praktischen Polar- 
forscher. bei der Vorlage der Geschäftsordnung für den derzeitigen Kongreß sich 
Stimmen erhoben, die die Konstituierung des Kongresses, entgegen dem Beschlusse 
des Weltwirtschafts-Kongresses zu‘ Mons, ohne vorherige Einberufung einer Ver- 
sammlung des wissenschaftlichen und seemännischen Stabes der hauptsächlichsten 
Polarexpeditionen bemängelten. Dies kann hier nicht unerwähnt bleiben, weil 
nicht nur die Verletzung einer Formalität dadurch gerügt wurde, sondern weil 
diese Beanstandung einer Anschauung über die Rechte und Stellung der praktischen 
Polarforscher in der Polarforschung entsprang, die von wesentlichem Einfluß auf 
den weiteren Gang der Verhandlungen, insbesondere in bezug auf das Projekt 
einer internationalen Vereinigung wurde. Es wurde die Befürchtung gelegentlich 
von derselben Seite zum Ausdruck gebracht, daß in einer allgemeinen wissenschaft- 
lichen‘ Versammlung oder Vereinigung die praktischen Polarforscher unterdrückt 
werden oder wenigstens nicht zur gewünschten Geltung kommen würden, Die 
formale Seite der Beanstandung des Kongresses allein hätte vielleicht ihre Er- 
ledigung finden können durch die Erklärung aus dem Organisationskomitee dahin, 
daß nicht hätte erwärtet werden können, die praktischen Polarforscher bei den 
großen Entfernungen ihrer Wohnsitze vom Kongreßorte so kurze Zeit nach einer 
Vorkonferenz so zahlreich bei dem Kongreß versammelt zu sehen. Die Ansicht, 
daß den praktischen Polarforschern unbedingt eine führende Stellung in der 
Polarforschung gebühre, trat jedoch immer wieder zutage. Diese Anschauung 
in ihrer extremen Richtung fand lebhaften Widerspruch von mehreren Seiten 
unter Hinweis darauf, daß die Polarforschung in wesentlichen Teilen weiterem, 
allgemeinem wissenschaftlichem Interesse zugute kommen solle, daß es sich hier 
nicht nur um die praktische Polarforschung, sondern auch um das Studium der 
Polargegenden zum Nutzen ganzer Wissenschaftszweige handele, und daß von 
dem Interesse weitester wissenschaftlicher Kreise viel für die Polarforschung ab- 
hänge. Schließlich entschloß sich der Kongreß jedoch, den Wünschen von seiten 
der praktischen Polarforscher dadurch Rechnung zu tragen, daß zur nochmaligen 
Vorberatung des Statutenentwurfes für eine internationale Vereinigung eine 
Spezialkommission gebildet wurde, der sämtliche anwesenden praktischen Polar- 
forscher in der Zahl von 20 und weitere 10 Mitglieder der Versammlung an- 
gehörten. ; . 
Die Tagesordnung / des Kongresses wurde im übrigen angenommen und 
fand durch folgende Beschlüsse ihre Erledigung: a 
Um die Erkundungen in den Polargegenden zu systematisieren, erachtet es der 
Kongreß für erforderlich, daß mit der Ausarbeitung eines methodischen Planes der Er- 
forschungen vorgegangen werde. 
Damit die hydrographischen Erkundungen der Polargegenden so eng als möglich 
mit den korrespondierenden Untersuchungen der subarktischen und der noch mehr 
äquatorwärts gelegenen Gegenden sich vereinigen, ist der internationale Kongreß für das 
Studium der Polargegenden der Ansicht, daß die Erforscher der Polargegenden sich für 
ihre hydrographischen Beobachtungen der Methoden, Konstanten usw. bedienen, die inter- 
national für das Studium des Meeres vereinbart worden sind. . . 
Es ist wünschenswert, sogar günstig, daß neue Expeditionen nach den Polargegenden 
gemacht werden. 
Der Kongreß drückt dem Admiral Wandell, Vertreter der dänischen Regierung, 
seine tiefe: Bewunderung aus für das so vollkommene und so wichtige wissenschaftliche 
Werk der Kommission geologischer und geographischer Forscher von Grönland.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.