XXI. Die Erforschung der höheren Schichten der Atmosphäre an Bord S. M, S. »Planet«. 509
instrumente solidere, kostspieligere Instrumente in geringerer Anzahl vorzusehen,
und die billigeren Instrumente für. Ballon-sonde-Aufstiege zu reservieren, bei
denen allerdings viel Materialverlust zu befürchten ist,
Ins Wasser gefallene Instrumente. Solange das Personal noch nicht
die erforderliche Übung hatte, fiel in dem unten ziemlich kräftigen NO-Passat
der Instrumentdrache gleich beim Hochlassen zweimal ins Wasser. Seitdem ist
nur ein weiterer derartiger Unfall zu verzeichnen gewesen, der durch Ver-
wendung eines lädierten Verbindungshakens verursacht wurde,
Die ins Wasser gefallenen Instrumente wurden sofort auseinander ge-
nommen, die Uhr. in absolutem Alkohol gebadet und danach mit Ather ab-
gespritzt, die übrigen Teile in Süßwasser und danach in Alkohol gebadet. Es
gelang jedoch bisher nicht — mit Ausnahme eines Falles —, die Uhren zu
retten. Ein Nachrosten der Federn, die von außen schwer zugänglich sind,
konnte nicht verhindert werden, die Uhren gingen in der Regel noch einige
Tage, dann brach beim Aufziehen die Feder, die durchgerostet war.
Abgesehen davon, schadet den Instrumenten bei der beschriebenen Be-
handlung das Seewasserbad nicht, wie die später im Hafen stattgehabte Eichung
bewiesen hat.
Anmerkung. Der Umstand, daß nur die Federn durch das Bad zerstört
werden, legt den Gedanken nahe, diese Federn zum Auswechseln einrichten zu
lassen‘ und das zu dem Zweck erforderliche Handwerkszeug in der Ausrüstung
vorzusehen. | .
b. Ballonaufstiege.
Das Verfahren der Ballonaufstiege über dem Wasser wird als bekannt
vorausgesetzt, näheres darüber gibt Hergesell im vierten Heft der »Beiträge
zur Physik der freien Atmosphäre«, Straßburg 1905, Seite 200. ;
Das Auffüllen hat an einem windgeschützten, möglichst freien Platz zu
geschehen., Am geeignetsten dazu erwies sich die Back. Der Wind wurde nach
Möglichkeit ausgedampft. Zunächst wurden die Ballons durch einen Schlauch
mit. der‘ Fülltülle der Wasserstofflasche — deren Füllung zuvor durch ein
Manometer festgestellt wurde — verbunden, doch wurde im Laufe der Zeit zu
dem einfacheren Verfahren übergegangen, den Füllansatz der Ballons unmittelbar
auf die Fülltülle aufzusetzen und dort abzubinden. Während des Füllens werden
die Fesselungsschnüre eingebunden und dann an diesen der Ballon derart ge-
fesselt, daß der Füllansatz entlastet wird. Es ist zu empfehlen, die Ballons
— beide gleichzeitig — zunächst soweit zu füllen, daß sie Kugelgestalt an-
genommen haben, Dann kann man ein angenähertes Urteil über ihre Größe ge-
winnen — die nie ganZ gleich ist, es kommen recht beträchtliche Unterschiede
vor — und danach den Ballon bestimmen, der platzen soll, also stärker auf-
zublasen ist. Man wird dazu im allgemeinen den kleiner erscheinenden Ballon
wählen. Aus der vorher angestellten Überlegung, wie groß die Aufsteige-
geschwindigkeit sein soll, wählt man unter Anrechnung der zu hebenden Ge-
wichte des Instruments, der Schnüre und des Schwimmers den Grad des Auftriebs.
Als ungefähres Maß kann gelten, daß der zum Platzen bestimmte Ballon 1 kg
mehr Auftrieb hat als der andere. Das ist die untere Grenze, volle Sicherheit
gibt bei der ungleichmäßigen Beschaffenheit des Hüllenmaterials selbst dieser
Unterschied in der Füllung nicht dafür, daß der vorher bestimmte Ballon zuerst
platzt. — Daher ist es auch nahezu ausgeschlossen, aus dem Grad der Füllung
einen Schluß auf die. mutmaßliche Steighöhe zu ziehen bzw. diese Steighöhe durch
das Maß der Füllung zu begrenzen. Und das ist Vorbedingung für den Erfolg.
Hier an Bord sind fünf Aufstiege mißglückt, weil entweder der Aufstieg zu lange
dauerte, so daß der bis dahin wolkenlose Himmel sich bezog, oder weil der
Ballon in den großen nicht beabsichtigten Höhen so starke Windgeschwindig-
keiten traf, daß die Geschwindigkeit des Schiffs zum Verfolgen zu klein war.
Aus alledem geht die unbedingte Notwendigkeit hervor, eine Vorrichtung zu
schaffen, die in ungefähr bestimmbarer Höhe einen Ballon zur Entleerung bringt
oder ihn abwirft.