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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906, 
Das beschriebene Verfahren hat sich unter allen Verhältnissen bewährt. 
Die Nebendrachen werden, wenn die Verhältnisse es irgend zulassen, so 
rechtzeitig hochgelassen, daß sie bereits stehen, wenn sie angesetzt werden sollen. 
Der Aufstieg geht so mit der geringst möglichen Verzögerung von statten. Dies 
Verfahren hat den weiteren Vorteil, daß man so rechtzeitig ein Urteil über gutes 
Fliegen des Drachens gewinnt, daß erforderlichenfalls ein Niederholen und Hin- 
trimmen ohne Zeitverlust erfolgen kann. 
Bei stark arbeitendem Schiff treten sehr starke Spannungsdifferenzen auf, 
so lange der letzte Drache wenig Draht hat. Später wirkt die Bucht des Drahtes 
federnd, Man hat daher zuerst nach Ansetzen eines neuen Drachens möglichst 
schnell auszulassen. Im allgemeinen sind Stampfbewegungen gefährlicher als 
Schlingerbewegungen, wie das ja erklärlich. N 
Kursänderungen wirken erst nach geraumer Zeit auf Änderung der 
Spannung; man ändert daher am besten von Strich zu Strich, um zu plötzliche 
Spannungsänderungen zu vermeiden. Sind die oberen Drachen nicht zu sehen, 
so geben die Spannungen auf verschiedenen Kursen einen rohen Anhalt für den 
oben herrschenden Wind, 
3. Einholen. Durch die Einholgeschwindigkeit konnte — besonders in 
letzter Zeit unter Ausnutzung der gewonnenen Erfahrung — die Aufstiegshöhe 
beträchtlich vergrößert werden. Nur dadurch ist es im Passat gelungen, in die 
über der nur niedrigen Passatzone lagernde Mischungsschicht mit Stille oder 
ganz schwachem Wind vorzudringen. Es wurden zu dem Zweck — wenn, wie 
das im Passat der Fall war, die Verhältnisse oben beurteilt werden konnten — 
oben viele Drachen angesetzt, dann wurde so viel Draht ausgelassen, daß etwa 
2 km zum Einholen zur Verfügung standen, bis der nächste Drache kam, durch 
höchste Fahrt des Schiffes das Gespann bei gestoppter Winde so hoch wie 
möglich gebracht und dann unter Beibehaltung der Fahrt so schnell eingeholt, 
daß der Druck sich an der zulässigen Höchstgrenze hielt. Solange der Draht 
nur geringen Abgangswinkel hatte, war der Erfolg gut, bei wachsendem Winkel 
wird naturgemäß bei gleichbleibender Einholgeschwindigkeit die als »Winde 
wirkende Horizontalkomponente kleiner, damit auch die Wirkung auf Steigen. 
Da nun die Höchstgeschwindigkeit des Einholens im Verein mit der Höchst- 
geschwindigkeit des Schiffes — die auch bei glatter See nicht höher als 4 m/sek. 
angesetzt werden kann — gerade genügt, um die Drachen in Windstille höher 
zu bringen, so ist einzusehen, daß durch das schnelle Kürzerwerden des Drahtes 
zum Heben der Drachen ein ungleich stärkeres Wachsen des Abgangswinkels 
erforderlich wird, und daß so dem Höherbringen bald dadurch ein Ende gesetzt 
wird, daß der Abgangswinkel sich nicht mehr steigert. Je höher die Schiffs- 
geschwindigkeit, um so weniger braucht die Einholgeschwindigkeit in Anspruch 
genommen zu werden, um so günstiger also sind die Aussichten. Jede See- 
meile Geschwindigkeit mehr ist in diesem Falle von größtem Wert. 
Zum letzten Niederholen der Drachen an der Nebenleine konnte oft der 
erwähnte Knebelungsring entbehrt werden. 
4. Havarien, Havarien waren in der letzten Zeit sehr selten, und das 
muß wohl nicht zum wenigsten dem guten Material zugeschrieben werden. Ein 
Brechen des Drahts hat im allgemeinen nur geringe Verluste an Draht zur Folge 
gehabt, niemals den des Instruments, mit Ausnahme der Uhr (siehe unten). Stehen 
noch mehr als ein Drache — wie das wohl beim Brechen des Drahts stets der 
Fall ist —, so verankert der unterste Drache das ganze System derart, daß es 
nur mit geringer Fahrt leewärts treibt. Man fischt dann den im Wasser 
treibenden Drachen mit einem Draggen, schließt den Draht neu an und kann 
dann weiter einholen, 
Anmerkung. Es muß nach den an Bord gemachten Erfahrungen der 
Ansicht entgegengetreten werden — die bei Bemessung der Instrumentenzahl 
für die »Planet«-Ausrüstung maßgebend war —, als seien bei Drachenaufstiegen 
über dem Wasser bei voller Bewegungsfreiheit des Schiffes beträchtlich größere 
Materialverluste — vor allem an Instrumenten — zu erwarten, als bei Aufstiegen 
an Land. Man wird daher bei anderen Ausrüstungen besser tun. als Drachen- 
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