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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

494 ; Annalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, Oktober 1906. 
italienischen Übersetzung von G. H, Darwin: »The tides« von demselben Verfasser 
anzusehen ist.!) Diese interessante Abhandlung ist als Ergänzung des Dar winschen 
Werkes gedacht unter besonderer Berücksichtigung der italienischen Arbeiten auf 
dem Gebiete der Gezeiten und verwandter Erscheinungen. Das 1. Kapitel enthält 
eine Beschreibung der Organisation und Instrumente der mareographischen Beob- 
achtungen an den italienischen Küsten.) Das folgende Kapitel behandelt die See- 
spiegelschwankungen mit besonderer Berücksichtigung des Garda-, Bolsenasees und 
des Sees von S. Croce. Der nächste Abschnitt ist der Darstellung der sekundären 
Gezeitenwellen (s. oben S, 488 u. 493) gewidmet, wobei viele Beispiele aus dem italie- 
nischen Beobachtungsmaterial beigebracht sind, Der sich daran schließende histo- 
rische Überblick ergänzt den bei Darwin und Harris (s. oben S. 484 u, 485) ge- 
gebenen, besonders bezüglich des Mittelalters, Am umfangreichsten ist das 5. Kapitel 
ausgefallen, die italienische Seismologie behandelnd, dieses Spezialgebiet der italie- 
nischen Naturforscher, worin der Verfasser mit berechtigtem Stolze eine höchst 
instruktive und interessante Darstellung dieses jungen Forschungsgebietes gibt, 
Nach einer kurzen Betrachtung über die langsamen Bewegungen des Erdbodens 
schließt der Anhang mit einem Abschnitt über die Veränderlichkeit der geo- 
graphischen Breite und der Bewegung des Nordpols der Erde ab. Der Gedanke 
des Verfassers, der in diesem Anhange zum Ausdruck gekommen ist, muß als ein 
recht glücklicher bezeichnet werden. Diese fast durchweg gemeinverständliche Ab- 
handlung ist eine ausgezeichnete Ergänzung des klassischen Werkes von Darwin, 
besonders in den Kapiteln, die für die Italiener von Interesse sind. 
Erwähnt mag hier auch eine Abhandlung de Marchis werden, welche die 
Gezeitenströmungen in der Lagune von Venedig berührt.°) 
Eine ausführliche Geschichte der Gezeitentheorien des Altertums und 
Mittelalters verdanken wir Roberto Almagia.*) Ausgestattet mit dem nötigen 
philologischen Rüstzeug als guter Kenner der naturhistorischen Literatur des 
klassischen Ältertums und des Mittelalters, hat der Verfasser mit Bienenfleiß 
alles zusammengetragen, was über das besagte Thema in der Literatur der 
genannten Zeitabschnitte verstreut ist. Neben den Quellen ist aber auch die 
einschlägige neuere Literatur über den Gegenstand fleißig herangezogen worden, 
Einige wichtige Abhandlungen sind allerdings nicht benutzt, z. B. Harris, 
Manual of tides. Part. I. Doch wird der Wert der Abhandlungen dadurch nicht 
herabgesetzt. Einen praktischen Gewinn für den jetzigen Stand der Gezeiten- 
theorie wird man sich überhaupt nicht davon versprechen dürfen, wie denn 
auch der Verfasser sich in gleicher Weise an den Historiker wie den Natur- 
wissenschaftler wendet, 
Über die Nutzbarmachung der Gezeitenkraft liegt ein Aufsatz von 
J. Saunders®) vor, worin er eine Idee des französischen Ingenieurs D&ecoeur 
verwertet. Der Erfinder schlägt vor, zwei Bassins, statt des einen der bisherigen 
Systeme, einzurichten, einen Hoch- und Niedrigwasserbehälter. Die Turbinen der 
zwischen beiden zu errichtenden Kraftstation sind während des Ebbens durch 
das Gefälle aus dem Hochwasserreservoir zu treiben, während des Flutens durch 
das Gefälle in das andere. Der Verfasser weist an drei Beispielen an der englischen 
Küste — Chichester am Kanal, Menaistraße und Severnmündung — die Ausführ- 
barkeit und die Rentabilität nach. Das erste Projekt würde im Durchschnitt etwa 
8000 Pferdekräfte im Zehnstundentag liefern. Die Einheit zu 90 Mk. jährlich 
bewertet, würde sich das Anlagekapital mit 12°%, verzinsen. Der gleiche Wert ergibt 
sich für das Werk in der Menaistraße mit 14 500 Pferdekräften und einem Her- 
! Magrini: Su Alcuni Studi geofisici specialmente italiani. Appendice de Traduttore. 
Appendice alla traduzione del libro di G. H. Darwin: »La marea«. Torino 1905. 
2) Siehe dazu auch eine Spezialabhandlung des Verfassers in der »Rivista Marittima« 1905. 
Magrini: Il servizio mareografico in Italia. 
3) L. de Marchi: La morfologia lagunare a il regime stazionario de Marea. Atti del Reale 
Instituto Veneto discienze, lettere ed arti. 1905. Bd. LXIV (64), Teil II. 
*‘) Roberto Almagia: La dottrina della marea nell’ antichita classica € nel medio evo. 
Reale Accademia dei Linci. Bd. CCCII. 1905. Rom. 140 8. 
5) J. Saunders: Utilization of Tidal Power. Scientific American Supplement No. 1550. 
8. 24832924835. 16. IX. 1905.
	        
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