Wegemann, G.: Rückblick auf die Gezeitenliteratur seit Ende 1904, 498
man hier nicht weiter kommen. Die Konstruktion..der Flutstundenlinien von
Harris (s. oben S. 486) für die südliche Adria dürfte falsch sein, da sie auf die
Tiefenverhältnisse keine Rücksicht nimmt. Unter Berücksichtigung dieser lassen
die Gezeiten der Adria sich auch wohl. ohne Zuhilfenahme eines eigenen, selbst-
ständigen Systems stehender Wellen als Fortsetzung der des. Ionischen Meeres
erklären. Die Störungen an den einzelnen Orten lassen sich dagegen ohne ein
solches kaum begreifen. Hierfür wäre-aber. die Kenntnis der harmonischen Kon-
stanten mehrerer Orte notwendig, z. B. Venedig, Pola, Ragusa, Ankona und Otranto
für die Adria. Deshalb wäre es auch sehr wünschenswert, wenn das österreichische
sowie das italienische. Beobachtungsmaterial in diesem Sinne verarbeitet. würde.
Die Hafenzeit. hat hier keinen Wert, theoretisch nicht, wo die S,- und K,-Tide
verhältnismäßig groß sein werden neben der M,-Tide (!/, bis ?/, von M,), praktisch
nicht, weil die Amplitude zu gering ist, um bei der Schiffahrt in. Rücksicht ge-
zogen werden zu müssen. Noch ‚viel wünschenswerter wie die._Kenntnis der
harmonischen Konstanten für die Orte an der Adria ist die für andere Orte der
italienischen Küste,‘ z. B. Messina, Reggio, CC. Pelero,. Porto Mauricio, Genua,
P. Ferrajo, Cagliari und Maddalena, falls unsere Kenntnis von dem Wesen der
Gezeiten des: Mittelmeeres Fortschritte machen soll. . . .
Im XXIV. Bande der »Mitteilungen des Militärgeographischen Instituts« 1905
ist von demselben Verfasser eine Abhandlung‘) über die Lage und die. Schwan-
kungen des Mittelwassers der Adria erschienen, die hier auch erwähnt zu werden
verdient. Es wird zunächst festgestellt, daß die Höhe des Mittelwassers bei Ragusa
auf Grund 26 monatlicher Beobachtungen um 2 cm tiefer liegt. als im Vorjahre
aus 12 monatlichen Aufzeichnungen berechnet. Für die Ausgangshöhenmarke- bei
Triest, die 1875 nach. einjährigen Beobachtungen festgelegt wurde, beträgt diese
Differenz sogar 9 cm, um welchen Betrag das Mittelwasser höher liegt, wie. die
Berechnung aus achtjährigen Beobachtungen ergeben hat. Daher beziehen sich
die österreichischen Nivellementsangaben nicht auf das wahre Mittelwasser der
Adria, sondern auf eine Fläche, die 9. cm tiefer liegt, . Die Flutmesserangaben
von Ragusa und Pola sind übrigens ein glänzendes Zeugnis für die Genauigkeit
des österreichischen Nivellements, indem der aus den Flutmesserangaben von Pola
gewonnene Wert um 2.07 cm größer, der von Ragusa nur um 0.16 em kleiner
als der durch das Nivellement gefundene ist, Werte, die noch im Bereich
des mittleren ‚Fehlers liegen. Um die Ursachen der. starken . unperiodischen
Schwankungen des Adriaspiegels zu erforschen, hat der Verfasser auf den küsten-
ferneren. Felseninseln Pelagosa, der südlichsten dalmatinischen, und St. Andrea,
westlich von Lissa, je 2 Monate Gezeitenmesser aufgestellt, deren stündliche An-
gaben gleich denen. von Ragusa für das. Jahr 1904 als Anhang beigegeben sind.
Wenn diese Reihen ’auch nur kurz sind, so sind sie doch höchst wertvoll, wo wir
bis jetzt. immer. noch sehr wenige Beobachtungsreihen der Gezeiten aus der Mitte
von Meeresteilen besitzen. Darum verdienten sie wohl eine eingehende Ver-
arbeitung und Diskussion. Wo diese Gezeiten zu manchen Zeiten.in ausgeprägten
Eintagsfluten ausarten, dürfte die Kenntnis der harmonischen Konstanten von
großem. theoretischen Interesse sein. Auch sekundäre Wellen. von. 8.8 cm Höhe
and bis zu einer Dauer von !/, Stunde wurden ab und zu registriert (s. oben
S. 488). Als Hauptursache der groBen Schwankungen des Meeresspiegels in kurzen
Zeiträumen ist nach. Sterneck die Luftdruckverteilung über dem ganzen Mittel-
meer anzusehen. An einigen evidenten Beispielen erläutert der Verfasser. diese
Tatsache, In zweiter Linie erst kommen lokaler Luftdruck, Wind und. Regen in
Frage, obwohl der Wind manchmal von erheblichem Einfluß sein kann, Sa
v. Sternecks Arbeiten über die Gezeiten der Adria sind zweifellos höchst
wertwoll. Indes werden Betrachtungen,*) die sich lediglich auf die Hafenzeiten
stützen, kaum völlig zum Ziele führen, wie z, B. auch‘ die Abhandlung Magrinis
über die Gezeiten an den italienischen Küsten, die als Auszug zu dem Anhang zur
‘) R. v. Sterneck: Kontrolle des Nivellements durch die Flutmesserangaben und‘ Schwan-
kungen des Meeresspiegels der Adria. »Mitteilungen des k. k. Mülitärgeogr. Instituts«, XXIV, Bd.
Wien 1905. ; . - N
2 Maegrini: La marea sulle coste italiana Rivista maritima: VIII—IX. 1905, -