Wegemann, G.: Rückblick auf die Gezeitenliteratur seit Ende 1904, 491
überwiegt erheblich, sie erreicht z. B. den vierfachen Betrag der S,-Tide, zwischen
44 und 68 N. Von dem beiden Komponenten ist die Nordkomponente die
stärkere, ausgenommen Terschellingerbank. .Die übrigen Partialtiden sind daneben
verschwindend. In der Horizontalebene stellen sich alle als Drehströme dar,
nach links, d; h. von N nach O, drehend, Die Bahnen der Wasserteilchen in
dieser Projektionsebene sind Ellipsen, deren Eigenschaften der Verfasser ableitet
und. tabellarisch zusammenstellt. Im folgenden Kapitel wird die harmonische
Analyse der vertikalen Bewegungskomponente behandelt, welch letztere bisher
fast ausschließlich beobachtet und analysiert ist. Als Material sind die regel-
mäßigen Lotungen von. den Feuerschiffen benutzt, und zwar für alle Stationen
5jährige Reihen, Die Werte von. M„, S, und M, zeigen, abgesehen von den
Amplituden von Terschellingerbank, eine gute Übereinstimmung. Die probeweise
berechneten Werte für K, können dagegen nur als Näherungswerte angesehen
werden, so daß von den Konstanten K, und T ganz abgesehen ist. Eliminiert
man aus der Gezeitenbewegung älle periodischen Bewegungen, so bleibt ein un-
periodischer Rest, die fortschreitende Bewegung des Meerwassers oder die Strom-
versetzung des Wasserteilchens, dessen Bewegung analysiert ist, übrig. Sie ist eine
Folge meteorologischer Ursachen (Wind usw.) und bewirkt an den holländischen
Küsten ein Überwiegen des Flutstroms an Stärke. Der Verfasser schließt aus
seinen Ergebnissen, daß in der südlichen Nordsee gleichwie in der nördlichen
ein Stromkreis im entgegengesetzten Sinne des Uhrzeigers vorhanden ist, während
auf einer Zone zwischen Texel und Südschottland unbeständige Strömungen
herrschen, Tatsachen, die auch durch Treibkörper bestätigt werden (s. 0: S. 487).
Im Schlußkapitel werden die drei räumlichen Bewegungskomponenten der Gezeiten,
in einheitlichem Maß ausgedrückt, zusammengestellt. Daraus erhellt, daß die
Vertikale gewöhnlich unter der Bezeichnung »Gezeitenbewegung« verstandene
Komponente verschwindend ist, im Vergleich zu den andern, z. B. für Terschellinger-
hank, ist sie für M, 86cm gegen 513100 cm und 83900 cm für die beiden
Horizontalkomponenten. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Alter
der Flut für die Feuerschiffe nur 1*/, Tage beträgt gegen 2°/, Tage für die
Küstenorte, wofür der Verfasser nur Vermutungen ‚anzugeben weiß. Mit dieser
Betrachtung über die Beziehung zwischen der M,- und M,-Flut schließt die Ab-
handlung. Auf 2 Tabellen am Schluß sind die einzelnen Horizontalkomponenten
für Schouwenbank sowie die resultierende für Spring- und taube Flut für vier
der Feuerschiffe dargestellt. ;
Der 3. Teil bringt Tabellen zur Vorausberechnung der Gezeitenströmungen
für die genannten Feuerschiffe, Vergleiche, die auch auf 3‘ Tafeln graphisch
ausgeführt sind, zwischen berechneten und beobachteten Werten zeigen z. T. eine
befriedigende Übereinstimmung. Aus allem gewinnt man aber den Eindruck, daß
die als einfach und gut bekannt geltenden Tiden der Nordsee noch weit davon
entfernt sind, völlig erklärt zu sein. Indes werden solche Untersuchungen hier
bei dem starken Übergewicht der Halbtagstiden mehr von theoretischem: als
praktischem Interesse sein. Trotzdem möchte man wünschen, daß solche Unter-
suchungen fortgesetzt werden, indem den Kapitänen aller Feuerschiffe zur Pflicht
gemacht wird, regelmäßige Beobachtungen über Stromrichtung und -stärke sowie
über Tiefe vorzunehmen, In weniger bekannten Gewässern werden derartige Beob-
achtungen dagegen von großem Nutzen sein. In diesem Sinne werden schon seit
Jahren von der Kanadischen Regierung Untersuchungen in den Gewässern um
Neufundland angestellt im Abstande von 4 bis 30 Sm von der Küste, Die letzten
Berichte des Department of Marine and Fisheries*)°) sind im XXI. Jahrgange
dieser Zeitschrift (1905)?) *) einer Besprechung unterzogen, So daß hier eine bloße
ı W. Bell Dawson: The Currents on the south-eastern coasts of Newfoundland and the
amount of indraught into the larger bays on the South coast. Ottawa 1904, nr
. 2) Referat darüber in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, Heft IV; S. 145 bis 150. Dr. L. Mecking:
Die Strömungen an den südlichen und südöstlichen Küsten von Neufundland.
. 3) W. Bell Dawson: The Currents at the entrance of the bay of Fundy and on the steam-
ships routes in its approaches of Southern Nova Scotia. Ottawa 1905.
4) Referat darüber in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, Heft X, S. 454 bis 457. Dr. L. Mecking:
Die Strömungen am Eingang der Fundrv-Bal.