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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

190 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1906. 
Probleme bringen. In der Nordsee ist aber die praktisch allein bedeutsame M,- 
Tide zu diesem Zweck ganz ungeeignet, da sie im Vergleich mit der Meerestiefe 
nicht als klein angesehen werden kann, Ferner ist die Kenntnis der Partialtiden 
zum Verständnis der an der holländischen Küste als »Agger« bekannten Er- 
scheinung notwendig. Auch für die Frage, ob die Trockenlegung der Zuiderzee 
auf die Gezeiten an der holländischen Küste von Einfluß ist, werden sich Anhalts- 
punkte gewinnen lassen. Als Beobachtungsmaterial standen 18 jährige Reihen von 
Aufzeichnungen zur Verfügung, gemacht viermal täglich, um 2, 8, 14 und 20 Uhr, 
Da das Verfahren der harmonischen Analyse nach Darwin zu zeitraubend und 
kostspielig ist, so ist eine andere einfachere Methode angewendet, die der Ver- 
fasser kurz andeutet. Die gefundenen Werte der harmonischen Konstanten für 
die’ einzelnen Jahre zeigen eine gute Übereinstimmung. Die Amplitude ist auf 
zehntel Millimeter berechnet, die Kappazahl auf zehntel Grade; die ersteren 
überschreiten mit einer Ausnahme 5 cm nicht. Die letzeren zeigen eine gute 
Übereinstimmung mit den theoretisch zu erwartenden, ausgenommen x von T für 
Katwyk. Außerdem schließen sie sich alle an die für Hoek van Holland, Ymuiden 
und Helder früher nach der Darwinschen Methode berechneten an, Der jähr- 
liche Gang der Meeresspiegelschwankungen, dargestellt aus den Monatsmitteln, 
zeigt eine Gleichartigkeit in der Veränderungstendenz, so daß die graphischen 
Darstellungen große Übereinstimmung zeigen. Da, nach Ansicht des Verfassers, 
der Wind als Hauptursache dieser unperiodischen Schwankungen anzusehen ist, 
so hat er zum Nachweis die Monatsmittel der Windrichtung- und -stärke für 
Vlissingen und Helder zusammengestellt. Der Vergleich zeigt, daß eine wesent- 
liche Übereinstimmung nicht vorhanden ist, Dieses negative Ergebnis dürfte 
wohl darin seinen Grund haben, daß die 10jährigen Windbeobachtungen be- 
nachbarter Orte und die 18jährigen Gezeitenbeobachtungen keine vergleichbaren 
Werte sind, daß ferner nicht der lokale Wind, sondern das über der Nordsee 
liegende Luftdruck- und Windsystem heranzuziehen ist und daß auch andere 
Ursachen stark mitspielen, wie Wasserstand der holländischen Flüsse, Nieder- 
schläge und Meeresströmungen. Von Interesse ist endlich, daß eine periodische 
halbjährliche, also astronomische Gezeit nicht nachzuweisen ist, wogegen eine 
bisher unbekannte vierteljährliche periodische gefunden wurde, Eine Verarbeitung 
der gefundenen Werte in dem vom Verfasser angegebenen Sinne erfolgt zum 
Schlusse nicht, da er zu diesem Zweck vermutlich die Konstanten von noch mehr 
Orten bestimmen will. 
Der zweite und wichtigste Teil der Stokschen Abhandlungen betrifft die Ver- 
arbeitungen der Gezeitenbeobachtungen auf den Feuerschiffen von Nord Hinder, 
Schouwenbank, Maas, Haaks, Terschellingerbank nach dem Vorgange von M. Phaff. 
Der Zweck der Arbeit ist, eine Grundlage für eine vollständige und genaue Be- 
schreibung der Gezeiten an der holländischen Küste zu gewinnen, durch Ableitung 
möglichst einfacher Formeln und der darin enthaltenen Konstanten. Es wird 
sodann gezeigt, daß die Genauigkeit der Ergebnisse scheinbar eine befriedigende 
ist, doch nur relativ genommen. Die absolute Genauigkeit hängt dagegen von 
der Genauigkeit ab, mit der andere Werte sich bestimmen lassen, auf die sich die 
Beobachtungen beziehen, z. B. die Deviation der Kompasse, die magnetischen Ab- 
weichungen u. a. Sehr wertvoll wird die Untersuchung dadurch, daß die An- 
wendung der harmonischen Analyse nicht auf die vertikale Bewegungskomponente 
beschränkt geblieben ist, wie dies bisher fast ausschließlich geschehen ist, sondern 
daß auch eine Analyse der horizontalen Gezeitenkomponenten vorgenommen 
wurde. Hierdurch ist eigentlich erst eine vollständige, eindeutige Beschreibung 
des Phänomens möglich. Im 1. Kapitel ist die harmonische Analyse der horizontalen 
Gezeitenkomponenten für die ersten vier der genannten Orte aus 2jährigen Beob- 
achtungsreihen für die Partialtiden M,, S, und M,, für Nord Hinder aus 5Jährigen 
Reihen auch K,, P,, K,, T, S, und S, behandelt, Als Koordinatenachsen der 
horizontalen Bewegungskomponenten sind die N- und O-Richtung gewählt. Die 
Amplituden sind in N ausgedrückt, die Kappazahlen wie gewöhnlich in Graden, 
Die Werte der verschiedenen Jahre zeigen gute Übereinstimmung. Die M,-Tide
	        
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