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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Wegemann, G.: Rückblick auf die Gezeitenliteratur seit Ende 1904, 489 
es sich um Meeresgebiete handelt, deren Kenntnis bisher noch mangelhaft war. 
Zudem bürgen die Ausbildung der Gelehrten sowohl wie auch die aufgewendeten 
Mittel für den Erfolg. 
Hier an dieser Stelle bei Besprechung der umfassenderen oder theoretischen 
Abhandlungen, betreffend die Gezeiten, mag auch eine kleine Schrift aus einem 
verwandten Gebiete Erwähnung finden, enthaltend eine neue Theorie atmosphärischer 
Gezeitenbewegung und deren Anwendung auf die Gestaltung der Witterung in 
den nördlichen Breiten.) Der Verfasser. sucht die schon oft verneinte Frage, 
ob die Stellung der Gestirne. von Einfluß auf die Witterung sei, von :anderen 
Gesichtspunkten aus zu behandeln, wie es bisher z. B. von Falb geschehen. Da 
eine streng mathematische Theorie der atmosphärischen Gezeiten im Augenblick 
noch nicht aufzustellen ist, so gibt der Verfasser nur eine allgemein gehaltene 
Darstellung der Gezeitenbewegung der Lufthülle in unseren Breiten sowie der 
Methoden zur Verarbeitung des Beobachtungsmaterials. Das Problem der atmo- 
sphärischen Gezeiten ist ungleich verwickelter und schwieriger als das der 
Meeresgezeiten, da die Luftmassen leichter beweglich und die anderen die Er- 
scheinung störenden Wirkungen zahlreicher und stärker sind wie bei den letzteren; 
Es werden deshalb sehr lange Beobachtungsreihen nötig sein, um diese zu 
eliminieren. Ob die erhaltenen Resultate schließlich ausreichen werden, um als 
Grundlage für eine Vorausbestimmung der.Witterung auf längere Zeit dienen 
zu können, bleibt doch fraglich. Trotzdem aber muß das Unternehmen vom 
wissenschaftlichen Standpunkte aus begrüßt werden, Jedenfalls ist der von 
Prof. Möller eingeschlagene Weg der. richtige, der zur Lösung der Frage 
nach Wechselbeziehung zwischen Witterung und Stellung der Gestirne führen 
kann. Schon aus 8jährigen .Beobachtungsreihen wurden mancherlei neue An- 
schauungen gewonnen, Es ist zu wünschen, daß die hier gegebene Anregung 
dazu führt, daß solche Untersuchungen in den Arbeitsplan der meteorologischen 
Institute aufgenommen werden, 
Unter den Spezialabhandlungen über die Gezeiten einzelner Meeresgebiete 
wäre an erster Stelle der von der Deutschen Seewarte®) herausgegebene Atlas der 
Gezeiten und Gezeitenströme für das Gebiet der Nordsee und der Britischen Ge- 
wässer zu nennen, der vornehmlich für die praktische Schiffahrt bestimmt ist. 
Er ist hervorgegangen aus der Kartenbeilage zu den »Ann, d. Hydr. usw.« 1904, 
Heft I, »Vierteljahrskarte für die Nord- und Ostsee«,, Da der genannte Atlas 
bereits in dieser Zeitschrift eine Besprechung erfahren hat (Jahrg. 1905, Heft VI 
S. 283), so glaube ich hier darauf verzichten zu dürfen, Das Werk. zu loben 
wird überflüssig sein, da seine Güte für sich selbst spricht, Trägt man sich in 
jede Karte die zugehörigen Flut- und Ebbestundenlinien ein, also z. B. auf Karte I, 
Hochwasser von Dover alle Linien 11® Greenw. Zeit für die Flut, 5% für die Ebbe, 
so erhält man eine Vorstellung von den Wellensystemen der genannten Meeresteile. 
Mehr theoretisches Interesse beanspruchen drei holländische Abhandlungen 
(in französicher Sprache abgefaßt),*) betreffend die Gezeiten an der niederländischen 
Küste. Die 1. der drei Abhandlungen des Verfassers enthält eine genaue Berechnung 
der Partialtiden S,, T,, Kı, P, Ko, S2, Sy und S, aus 18jährigen Beobachtungsreihen 
für die Orte Katwyk (Nordsee), Harlingen (Friesland). und Urk (Zuiderzee), Diese 
Untersuchung hat den Zweck festzustellen: Mit welcher Genauigkeit lassen sich 
die harmonischen Konstanten der Tiden. von kleiner Amplitude bestimmen, eine 
für die Geophysik. wie Hydrodynamik gleich wichtige Frage. Bei der Unsicherheit 
über die Art der Fortbewegung, der Reflexion sehr langer Wellen an gebogenen 
Küsten kann nach Ansicht des Verfassers nur eine genaue Kenntnis der Konstanten 
der Tiden von geringer Amplitude Licht in: diese theoretisch so schwierigen 
1) Prof. M. Möller: Flut und Witterung. Braunschweig 1905, 1.Mk. 
2) Kaiserl. Marine, Deutsche Seewarte: Atlas der Gezeiten und Gezeitenströme für das Gebiet 
der Nordsee und der Britischen Gewässer. 2 5S. Text. 12 Tafeln 45:50cm. Hamburg 1905, 
3) Van der Stok: Etudes des phe&nom&nes de mare sur les cötes nEerlandaises. . Koninklijk 
nederlandsch meteorologisch Instituut, No. 90. 
1. Analyse des mouvements p&riodiques et apfriodiques du niveau de la mer. 1904. Utrecht. 
IT. Resultats d’observations ‚faites a bord des bateauxphares neerlandais. 1905. 
IIX, Tables des couranis. 1905. 
Ann dA. Hrdr. usw... 1906. Heft X
	        
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