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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906. 
den obersten 20 cm der Wasserschicht passierte; dann war in den obersten 
Schichten in allen drei Röhren gleich viel Gas enthalten; in die mittleren 
und tieferen Schichten war nur in der ersten Röhre, in den beiden folgenden 
aber keine Spur Gas eingedrungen. Wurde destilliertes Wasser verwendet, so 
war ein solcher Unterschied der Röhren nicht vorhanden, 
Eine vollkommen befriedigende und ausreichende Erklärung dieser 
Erscheinungen ist bis jetzt nicht möglich. Vielleicht treffen folgende Aus- 
führungen des Verfassers zu: Es entstehen in der Flüssigkeit, in welcher Gas 
absorbiert wird, Strömungen, die von feinen Staubteilchen oder anderen 
Kondensationskernen, die etwa auch elektrischer Natur sein könnten, ausgehen, 
Diese Staubteilchen werden wie das Gas absorbiert und bewirken Dichtigkeits- 
differenzen in der Flüssigkeit, die sich auszugleichen suchen; dies ist aber 
nur möglich, wenn die schwereren Teilchen der Gravitation folgend nach 
unten wandern können, 
Der Unterschied zwischen See- und destilliertem Wasser ließe sich etwa 
dadurch erklären, daß die Salzmolekel die Staubteilchen weit heftiger ab- 
sorbieren als die Wassermolekel, so daß bereits in der ersten Röhre bei See- 
wasser alle zugeführten Staubteilchen absorbiert werden; in die folgenden 
Röhren tritt dann ein vollkommen reiner Gasstrom ein; das Fehlen der 
Staubteilchen bewirkt, daß in diesen Röhren kein nach unten gerichteter 
Strom entsteht, also unten auch kein Gas nachweisbar ist. Bei destilliertem 
Wasser erfolgt die Absorption der Staubteilchen nicht so stark, infolgedessen 
gelangen solche auch in die folgenden Röhren, mithin setzt dort der Strom 
nach unten hin in allen Röhren ein und führt in allen in gleicher Weise Gas- 
molekel auch in die tieferen Schichten. Da der benutzte Gasstrom durch 
Glaswolle von gröberen Teilchen befreit war, so folgt, daß die hier an- 
genommenen »Staubteilchen« jedenfalls äußerst feine Partikeln sein müssen, 
Mag die angegebene Erklärung nun richtig oder falsch sein, eines ist sicher, 
daß nämlich die hier beschriebenen Erscheinungen beim Gasaustausch in See- 
(und wohl auch im Fluß-) Wasser wichtiger sind, als die Erscheinungen der 
Diffusion. Carl Forch, Darmstadt, 
5; Leuchtende Rettungsboje. Unter diesem Namen hat Herr Korvetten- 
kapitän a. D. Meller einen Schwimmkörper konstruiert, der in zwei Größen, 
als »Heckboje«, zum Fallenlassen vom Heck aus, und als »Wurfboje« hergestellt 
wird. Der Vorzug gegenüber den gewöhnlichen Bojen besteht hauptsächlich 
in der Anbringung eines Lichtes an der Boje selbst, das mindestens einen 
Meter über der Meeresoberfläche brennt und bei »Mann über Bord« daher 
nicht bloß von dem hochbordigen Schiffe, sondern auch von der im niedrigen 
Boote sitzenden heranrudernden Rettungsmannschaft gesehen werden und 
ihnen direkt als Leitmarke zur Unfallstelle dienen kann. Das war bisher 
nicht möglich, das einfache Holmlicht brannte unmittelbar auf dem Wasser, 
und bei bewegter See konnte es von der Bootsmannschaft, selbst auf wenige 
Schiffslängen, nicht gesehen werden, auch war es getrennt von der Boje, so 
daß der über Bord Gefallene, selbst als guter Schwimmer, die Boje noch 
keineswegs hatte, wenn er an das Licht herankam, ja in Gefahr geriet, an 
Händen und Gesicht verbrannt zu werden. Alle diese Nachteile hat Herr 
Korvettenkapitän Meller dadurch behoben, daß er das Holmlicht mit der 
Rettungsboje verband, und zwar die Füllung desselben unten an einer durch 
Gewichte in kardanischer Aufhängung stets vertikal gehaltenen eisernen Röhre 
anbrachte. Das Gefäß mit der Füllung des Lichtes wird beim Überbordwerfen 
selbsttätig geöffnet, von dem eindringenden Wasser entzündet und tritt erst 
am oberen Ende der Röhre als helle Flamme aus. Der Verunglückte sieht in 
der Nacht auch bei bewegter See das hohe Licht, kann darauf zuschwimmen, 
direkt danach greifen und sich an der Boje festhalten, ohne verbrannt zu 
werden. Bei Schiffsunfällen soll die Leuchtboje auch dazu dienen, die Um- 
gebung einer Unfallstelle zu beleuchten, um Rettungsarbeiten zu ermöglichen, 
was in der Dunkelheit nicht möglich ist. 
Die Verwirklichung dieser Idee scheint nach den vorliegenden Berichten 
von Seeleuten, die praktischen Versuchen auf der Alster mit der kleinen
	        
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