184 — Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1906.
Wirkung haben muß, je nachdem die Bewegung in seitlicher Richtung einen
größeren oder kleineren Widerstand oder sogar ein absolutes Hindernis erfährt.
Dasselbe wird der Fall sein, wenn z. B. die Abflußmenge des Wassers in einer
gewissen Richtung gegeben ist. In jedem einzelnen Falle ist es notwendig, die
verschiedenen Grenzbedingungen sorgfältig zu untersuchen,
Es mag hier auf die mögliche Anwendung der obigen Resultate in der Meteorologie bei-
läufig hingewiesen werden, Die Druckgradienten, welche die Bewegungsursache der Winde sind, sind
nämlich wesentlich von der in diesem Abschnitte vorausgesetzten Art, besonders im Gebiete der Passate
und Monsune, wo auch die Bedingungen für stationäre Bewegung wohl annäherungsweise erfüllt sind.
Infolge Fig. 9 sollte dann die Windrichtung (auf der nördlichen Hemisphäre) an der Erdoberfläche 45°
— und mit wachsender Höhe allmählich mehr bis zu 90° — nach rechts vom Druckgradienten ab-
gelenkt werden. Dieses Resultat stimmt im großen und ganzen mit der Erfahrung gut überein, und
zwar ist hier die Reibungstiefe (die Höhe, in welcher der Äblenkungswinkel 90° ist) sehr groß,
Der Ablenkungswinkel an der Erdoberfläche ist aber im allgemeinen größer, als die "Theorie ihn
fordert (Siehe J. Hann Meteorologie, zweite Auflage 8. 558 bis 559). Der Unterschied hat wahrscheinlich
seine Erklärung in einem Umstande, der vielleicht auch in bezug auf die Stauströme im Meere berück-
sichtigt werden sollte, obgleich die Daten, die dazu notwendig sind, bis jetzt fehlen. Die Luftwirbel
mit horizontalen Achsen, welche die wesentliche Ursache der Reibung sind, können nämlich in der
Nähe der Erdoberfläche nicht in so großem Maßstabe wie höher in der Atmosphäre erregt werden,
weil die Erdoberfläche die vertikale Bewegung verhindert. Der virtuelle Reibungskoeffizient wird
dadurch in den niedrigsten Luftschichten erheblich vermindert, und die oberen Schichten bewegen sich,
als ob die Luft nicht an der Erdoberfläche haftete, sondern mit einer endlichen Geschwindigkeit über
dieselbe flösse. Die Reibung gegen den
Erdboden ist dieser Geschwindigkeit gleich-
gerichtet. Von den untersten Schichten (viel-
leicht nur den ersten Dezimetern) abgesehen,
könnte also die Bewegung verhältnismäßig
genau durch ein der Fig. 9 ähnliches Dia-
gramm dargestellt werden, indem man vom
Endpunkte der Kurve Fig. 3 oder 4 eine
Tangente zieht und einen gewissen Punkt
auf dieser Tangente als Ausgangspunkt für
die Geschwindigkeitspfeile wählt (Fig. 12).
Je ebener der Erdboden, um so länger muß
die Tangente OA gewählt werden, und um
so größer wird mithin der Ablenkungswinkel YOA, und zwar sind Ablenkungswinkel von 40° oder 43°
bis 90° möglich. Dies stimmt gut mit den in Hanns Meteorologie gegebenen Zahlenwerten, welche
zwar zwischen 28° und 77° liegen, Ablenkungswinkel unter 40° scheinen in der Tat reine Ausnahmen
zu sein und können vielleicht dadurch erklärt werden, daß die Bedingungen für stationäre Bewegung
nicht erfüllt waren. [Fortsetzung folgt.]
Rückblick auf die Gezeitenliteratur seit Ende 1904.
Von Dr. 6. Wegemann, Rendsburg.
Als das wichtigste Erzeugnis auf dem Gebiete der Gezeitenliteratur der
letzten Zeit muß der als Anhang 5 zum Bericht des Department of commerce and
labor der Vereinigten Staaten von Nordamerika für 1904 herausgegebene Band IV B
des »Manual of Tides« von R. A. Harris angesehen werden. Da die früher er-
schienenen Bände dieses Handbuchs der Gezeiten in den »Annalen der Hydro-
graphie usw.« keine Besprechung erfahren haben, ihrer auch sonst keine Erwähnung
getan ist, so sei zunächst ein kurzer Hinweis!) darauf gestattet. Daß gerade von
R. A, Harris: Manual of tides.
I, [ntroduction and historical treatment of the subject, Report for 1897, Appendix No. 8.
3. 321—469,
Zldal observation, equilibrium theory and the harmonic analysis. Report for 1897,
Appendix No. 9. S. 471—575. 15 Tabellen,
Some connections between harmonic and nonharmonic quantities including applications
to the reduction and predietion of tides, Report for 1894. Appendix No. 7. S.125—187.
35 Tabellen.
A. Outlines of tidal theory. Report for 1900. Appendix No. 7. 8. 53353—698.
+ Tabellen und 39 Karten.
B. Cotidal lines of the world. Report for 1904. Appendix No. 5. S, 313—400.
41 Karten. Coast and gveodetiec survey. Washington.
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