Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen,
481
unter dem. Einflusse eines Druckgradienten q gsiny bewegt, wo g die Schwere-
beschleunigung ist. . Das Meer sei von gleichförmiger Tiefe d und unbegrenzter
Ausdehnung, Wenn das Wasser reibungslos wäre, so müßte die auf jedes Wasser-
partikelchen wirkende Ablenkungskraft dem Druckgradienten das Gleichgewicht
halten, damit die Bewegung stationär sei. Die Geschwindigkeit des Wassers
würde also in allen Tiefen vom Boden bis zur Oberfläche gleich und senkrecht
zu dem Druckgradienten gerichtet sein (nach rechts auf der nördlichen Hemi-
sphäre). Man findet leicht, daß ihre absolute Größe
—_ gSsny
Ua
sein würde,
Die Einwirkung der inneren Reibung auf diese Bewegung ist nun leicht
ersichtlich. Wir wollen für einen Augenblick annehmen, daß das Wasser ursprüng-
lich in Ruhe und von keinem Druckgradienten beeinflußt sei, daß aber der
Meeresboden selbst mit der konstanten Geschwindigkeit U, (aber in entgegen-
gesetzter Richtung) sich bewege. Ferner wollen wir der Einfachheit halber an-
nehmen, daß die Meerestiefe größer als die Reibungstiefe ist, Durch die Reibung
wird dann ein Bodenstrom entstehen, der einem reinen Triftstrome genau ähnlich
ist, nur mit dem Unterschiede, daß oben und unten vertauscht sind, und daß
die Geschwindigkeit U, nicht aber der am Boden ausgeübte Tangentialdruck
von Anfang an gegeben ist. Wird nun dem ganzen Systeme außer dieser Bewegung
noch dazu die oben gefundene Geschwindigkeit U, = g sin y/2 w sin g gegeben —
wodurch der Boden wieder bewegungslos wird —, so werden dadurch keine neuen
Reibungskräfte auftreten, nur eine konstante Zulage zur Ablenkungskraft, welcher
vom Druckgradienten q gsiny genau das Gleichgewicht gehalten wird. Die so
zusammengesetzte Bewegung ist also die von uns gesuchte Bewegung.
Um dieselbe graphisch zu veranschaulichen, genügt es, Fig. 3 so zu drehen,
daß die längste Pfeilspitze senkrecht nach links vom Druckgradienten zeigt, Die
Geschwindigkeitspfeile müssen dann von dieser Pfeilspitze aus zu den übrigen
Pfeilspitzen gezogen werden, und zwar beziehen sich dieselben auf die Höhen
0.1 D, 0.2 D usw. über dem Meeresboden, Fie. 9
In dieser Weise ist Fig. 9 konstruiert, Bu
und zwar ist OY die Richtung des Druck-
gradienten. Die Stromrichtung zunächst
über dem Boden ist also 45° nach rechts
vom Druckgradienten abgelenkt. (Aus
dem quadratischen Reibungsgesetze
würde ein Ablenkungswinkel von 90°
— 49.1° = 40.9° folgen). In größerem
Abstande als D vom Meeresboden und bis
an die Oberfläche herrscht eine gleichförmige Geschwindigkeit senkrecht zum Druck-
gradienten. Wir können also einen Bodenstrom und einen gleichförmigen
Tiefenstrom unterscheiden, von denen der erstere bis zur Höhe D über dem
Meeresboden zu rechnen ist. Die einzige Folge einer Veränderung der Meeres-
tiefe wird eine entsprechende Zu- oder Abnahme der Tiefe des gleichförmigen
Tiefenstromes,
U,
Die Strommenge Sy in der Gradientrichtung OY ist also von der
Meerestiefe unabhängig. Sie ist offenbar gleich der Strommenge in einem reinen
Triftstrome, dessen Oberflächengeschwindigkeit V, gleich U,.sin 45° ist, also
infolge (3, b)
DD .
Sy = zZ
EA
Die Strommenge in der Richtung OX ist dagegen gleich U, d — U, D/2 z und
verhält sich also zur Strommenge in der Gradientrichtung wie (2 x d/D — 1) : 1.
Im Falle, daß d kleiner als D ist, läßt sich die Bewegung nicht ohne
mathematische Entwicklungen berechnen, . Für dieselben mag. auf die englische
Abhandlung verwiesen werden, Man findet, daß, je kleiner das Verhältnis d/D ist,