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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 479 
Zweitens wurde vorausgesetzt, daß ein stationärer Bewegungszustand 
erreicht ist. Es wurde oben S. 427 hervorgehoben, daß diese Annahme im allge- 
meinen bei den Meeresströmungen als erfüllt angesehen werden kann, doch mit 
einem Vorbehalte wegen des Einflusses der Reibung. Da die Reibung im vor- 
liegenden Falle die ganze Rolle spielt, so war daher eine besondere Untersuchung 
über die Entstehung des reinen Triftstromes wünschenswert. Die mathematische 
Lösung dieser Aufgabe verdanken wir Dr. I. Fredholm. (Siehe die englische 
Abhandlung.) ; 
Es sei vorausgesetzt, daß sich das Wasser anfänglich in Ruhe. befindet, 
und daß plötzlich ein in Richtung und Stärke stetiger Wind zu wehen beginnt. 
Die Geschwindigkeit jeder Wasserschicht wird dann nach Dr. Fredholms Lösung 
eine Art von Schwingungen um ihre endliche Größe und Richtung vollführen, 
in solcher Weise, daß die Spitze eines Pfeiles, der in jedem Augenblicke die 
Stromgeschwindigkeit nach Größe und Richtung darstellt, eine Spirallinie be- 
schreibt. Fig. 5—8 zeigen solche Spirallinien für das Oberflächenwasser (z = 0) 
"Fig. 5. z=0. Fig. 6. z = 05D. 
—A—HAH—H—H—H— 
FF " 
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. 
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Fig. 7. z=D. 
Fig. 8. 
z=2D. 
1 FE 
GR 
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NZ 
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7 
sowie für die Tiefen z=0.5D, z=D und z=2D, und zwar ist die Y-Achse 
in die Bewegungsrichtung des Windes gelegt. Jede Windung einer Spirale 
wird in 12 Pendelstunden (vgl. S. 425) beschrieben. Da es sich im allge- 
meinen nur um die mittlere Bewegung im Etmale handelt, so können 
wir daher die Entwicklung des stationären Bewegungszustandes als 
praktisch genommen augenblicklich ansehen, nicht nur außerhalb der 
Wendekreise, wo das Zeitintervall 12 Pendelstunden kleiner als ein Tag ist, 
sondern auch — wegen der Regelmäßigkeit der Passat- und Monsunwinde — 
innerhalb ihrer Grenzen, Nur innerhalb einer schmalen Zone auf beiden Seiten 
des Äquators werden überhaupt keine stationären Triftströme existieren können. 
Auf 15’ Breite wird z. B. das erste Viertel einer Windung des Diagramms Fig. 5 
erst nach 229 mal 3 Stunden Sternzeit (beinahe einen Monat) vollendet und das 
Wasser wird dann — auch mit einer sehr kleinen meridionalen Bewegungs- 
komponente — schon längst diese Breiten verlassen haben, 
Anderseits können die soeben erwähnten quasi-periodischen Schwingungen 
der Triftströme ihr eigenes Interesse und ihre eigene Bedeutung haben. Be- 
sonders ist zu bemerken, daß ihre Periode in hohen Breiten derjenigen der Ge- 
zeitenströmungen ähnlich ist — auf 74° Breite ganz gleich, auf höheren Breiten ein 
wenig kürzer, auf niedrigeren länger als diese. Es mag daher notwendig sein,
	        
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