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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1906, 
Infolge der Gleichung (2, a) kann auch x aus D berechnet werden,!) und 
man kann insofern D anstatt u als ein Maß der inneren Reibung gebrauchen. 
Dies ist vorteilhaft, weil die Formeln die wir anzuwenden haben, dadurch eine 
besonders einfache und unmittelbar verständliche Form annehmen. Der Umstand, 
daß D mit der geographischen Breite veränderlich ist, bedeutet keinen besonderen 
Nachteil, denn auch % ist nicht als eine im ganzen Ozean konstante Größe zu 
betrachten. Seiner mithin verallgemeinerten Bedeutung gemäß, wollen wir D 
die Reibungstiefe nennen; wenn irgend eine horizontale Wasserschicht von 
einer benachbarten Schicht durch Reibung beeinflußt wird, so drückt D die Tiefe 
aus, bis zu welcher die Wirkung der Reibung in beträchtlichem Grade in die 
erstere Schicht eindringt. Wir werden im folgenden nur ausnahmsweise den 
Reibungskoeffizienten u, in der Regel aber die Reibungstiefe D, als Ausdruck 
für die Reibung benutzen. 
Aus Gleichung (1) folgt, daß die von einem bestimmten Winde erregte 
Stromgeschwindigkeit im allgemeinen mit der geographischen Breite # veränder- 
lich ist, nämlich wie D, also umgekehrt wie Ysing. Es ist daher unzulässig, 
Beobachtungen über die stromerregende Wirkung des Windes auf niedrigen 
Breiten unmittelbar auf höhere Breiten anzuwenden und umgekehrt. Wenn also 
Mohn und Krümmel aus Beobachtungen in den Gegenden des Guineastromes 
die Stromgeschwindigkeit zu 4.7 °% der Windgeschwindigkeit ermittelt haben, 
Nansen aber aus Beobachtungen während seiner Polarfahrt zu nur 1,9%, so 
sind diese Resultate nicht unbedingt als miteinander in Widerspruch zu be- 
trachten, auch wenn in beiden Fällen der Wind die einzige bewegende Kraft ist. 
Dagegen ist infolge der Theorie die Ablenkung des Oberflächenstromes 
von der Windrichtung auf allen Breiten dieselbe, nämlich 45°. Dies Resultat 
scheint überraschend; man sollte ja erwarten, daß die ablenkende Wirkung der 
Erdrotation nahe dem Äquator geringer sei als auf höheren Breiten.?) Der 
scheinbare Widerspruch ist aber leicht erklärt. Die auf eine gewisse Wasser- 
menge ausgeübte Ablenkungskraft ist nämlich einerseits dem Sinus der Breite, 
anderseits aber der Masse und der Geschwindigkeit des Wassers proportional; 
und da jede der beiden letztgenannten Größen yYsing umgekehrt proportional 
ist (Gleichungen 1 und 2b), so fällt sin g aus dem Produkte fort. 
Wir werden im folgenden finden, daß durch die Einwirkung der Kontinente 
usw. die absolute Größe der Ablenkungswinkel, nicht aber ihre Unabhängigkeit 
von der geographischen Breite, beträchtlich modifiziert wird. Nur innerhalb 
eines schmalen Gürtels auf beiden Seiten des Äquators wird, wie es schon an- 
gedeutet wurde, die Annahme stationärer Bewegung unzulässig, es findet hier 
der Übergang zwischen Ablenkung 45° nach rechts und Ablenkung 45° nach 
links statt. 
Betrachten wir nun eine vertikal herausgeschnittene Wassersäule, die von 
zwei Horizontalebenen in den Tiefen d, und d, begrenzt ist. Die Bewegungs- 
richtung des Schwerpunktes dieser Wassersäule nennen wir die mittlere 
‘) Der wirkliche Wert des Reibungskoeffizienten « ist z, B. für Meereswasser von 10° € gleich 
0.014 €. G. 8. (siehe Fußnote S. 430 O0. Krümmel und E. Ruppin L._e.). Wenn dieser Wert von u 
angenommen wird, so findet man aus Gleichung 2b D == 44 cm in den Polargegenden und D = 70 cm 
unter den Tropen; das Wasser würde also in beziehentlich nur 22 und 35 cm Tiefe senkrecht zum Ober- 
flächenstrome fließen. Dieses Resultat ist mit all unserer Erfahrung ganz unvereinbar. Die Überein- 
stimmung wird nicht besser durch Berücksichtigung der Druckgradienten (Abschnitte IV—V). Es ist 
also entschieden, daß der wirkliche Reibungskoeffizient für die Fortpflanzung der Triftimpulse von 
der Meeresoberfläche in die Tiefe nicht maßgebend sein kann, daß vielmehr viel größere virtuelle 
Werte von z hierfür angenommen werden müssen, falls man die Hydrodynamik auf die Meeres- 
Strömungen im gewöhnlichen Sinne des Wortes, mit Vernachlässigung der unregelmäßigen Wirbel, 
anwenden will. 
?) Prof. Krümmel hat schon 1887 (Boguslawski und Krümmel, Ozeanographie) darauf auf- 
merksam gemacht, daß im Atlantischen Ozeane der Strom regelmäßig von der Windrichtung abgelenkt 
ist — auf der nördlichen Hemisphäre nach rechts, auf der südlichen nach links —, daß aber der Ab- 
lenkungswinkel von der geographischen Breite unabhängig ist, jedenfalls nicht mit derselben wächst. 
Er zog zu der Zeit daraus die Schlußfolge, daß die Ursache der beobachteten Ablenkung nicht in der 
Erdrotation, sondern wesentlich in anderen Umständen zu suchen sei. Später (Dr. O. Krümmel: »Der 
Ozean« zweite Auflage) hat er in der erwähnten Ablenkung eine Wirkung der Erdrotation anerkannt,
	        
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