Reinicke, G.: Die Eisverhältnisse in den schwed. und russisch, Gewässern, Winter 1905/06. 469
Quarken wurden die ersten Häfen Anfang Mai zugänglich; die Wiedereröffnung
schritt hier aber so langsam nach Norden fort, daß die nördlichen Häfen erst
in der dritten Maiwoche als zugänglich angesehen werden konnten. ;
Die finnischen Häfen am Nordbotten sind durchschnittlich etwa eine
Woche früher unzugänglich geworden und etwa eine Woche länger unzugänglich
geblieben als die auf der entsprechenden Breite liegenden schwedischen Häfen.
Für die Schiffahrt besonders schwierig sind die Eisverhältnisse auf See
im südlichen Nordbotten von Mitte März bis gegen Ende April und im nörd-
lichen Nordbotten bis in die erste Dekade des Juni hinein gewesen.
Im östlichen Finnischen Meerbusen ist die Schiffahrt bis Mitte Dezember,
im westlichen bis Mitte Februar offen gewesen. Die Wiedereröffnung vollzog
sich im westlichen Finnischen Meerbusen in der zweiten Aprilhälfte, östlich von
Hochland erst Ende April. Hier ist das Eis noch in der ersten Dekade des Mai
der Schiffahrt hinderlich gewesen.
Im Rigaschen Meerbusen ist die Schiffahrt den ganzen Winter durch zwar
möglich, von Ende März bis Mitte April aber äußerst erschwert und gefährlich
gewesen. en
Die schwedischen. Häfen an der mittleren Ostsee sind nicht ganz ge-
schlossen, die Schiffahrt ist von Mitte Januar bis. Mitte März aber sehr er-
schwert gewesen. .
Im allgemeinen hat demnach die Schiffahrt im Winter 1905/06 ähnlich
wie im Winter 1903/04 verhältnismäßig spät aufgehört und spät wieder an-
gefangen oder, mit anderen Worten, das Gebiet der nördlichen Ostsee hat einen
späten Winter gehabt. ;
Zwar erschien bei nordöstlichen Winden, die zu einer weiter südlich ost-
wärts ziehenden Depression gehörten, die Isotherme von 0° (8% Vm.) schon am
3. Okt. als Vorbote herannahenden Frostwetters über dem Nordbotten, aber erst
als am 18, Okt. wieder eine Depression weiter südlich entlang zog, trat mit den
dazu gehörigen Nordostwinden entschiedeneres Frostwetter ein, das vom 22, bis
26. Okt, während welcher Zeit ein Hochdruckgebiet über der skandinavischen
Halbinsel lagerte, streng wurde, Trotzdem aber nun der Luftdruck zunächst
ziemlich hoch blieb, wich diese Frostperiode doch wieder milderem Wetter, es
wurde sogar auffallend milde, bis am 10. Nov. wieder ein sehr ausgebildetes
Hochdruckgebiet über der skandinavischen Halbinsel erschienen war und dann
so starker Frost eintrat, daß die Schiffahrt, wie wir gesehen haben, am 15. Nov.
im nördlichen Nordbotten ihr Ende fand;
Noch einmal trat im November, am 22,, mit harten südwestlichen Winden
mildes Wetter ein, das der Schiffahrt da zugute kommen konnte, wo die Eis-
bildung noch nicht zu weit fortgeschritten war, im Finnischen Meerbusen, wo
das Eis gebrochen und weitere Eisbildung unterbrochen wurde, und im Nord-
botten, wo der Westwind das noch durch Dampfer gebrochene Eis an der
schwedischen Küste in die See hinaustreiben konnte. Hier herrschte auch vom
11. bis .13..Dez. wieder sehr mildes Wetter bei schweren westlichen Stürmen,
durch die es möglich geworden sein wird, daß noch ein Dampfer am 15. Dez.
Lulea erreichte, und daß dort selbst noch später Fahrten unternommen werdeh
konnten, ‘
Nach dem 20. Dez, trat auch beim Vorüberziehen von Depressionen mit
den dazu gehörigen Südwestwinden Frostwetter und bei Windstille starke Kälte
ein. Haparanda hatte am Jahresschluß bei Windstille — 30° und Hernösand — 17°C.
Weiter südlich stellten sich mit westlichen Winden im Januar wieder
Temperaturen von über 0° ein; die Folge davon war, daß Gefle bis zum 15. Jan.
offen gehalten werden ‘konnte, und auch die Häfen am westlichen Finnischen
Meerbusen noch zugänglich blieben. Dazu mögen die stürmischen südwest-
lichen Winde vom 26. bis 29, Jan. noch besonders ‚beigetragen haben, indem
sie eine Menge relativ warmen Wassers von Süden her an die Nordseite des
Finnischen Meerbusens drängten. Jedoch auch hier trat, nachdem die erste
Hälfte des Februar strenge Kälte gebracht hatte, in der zweiten Hälfte dieses
Monats der Sehluß der Schiffahrt ein.