158
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1916.
der aerologischen Forschung genau vertraut machen und an ihrer Vervoll-
kommnung selbst mitarbeiten zu können, und bot ihm die Möglichkeit, sich auf
Grund eigener Beobachtungen an dem Ausbau dieses neuen Teiles der Meteoro-
logie besonders erfolgreich zu beteiligen.
Als die Deutsche Meteorologische Gesellschaft im November 1883 in Ham-
burg gegründet wurde, wählte sie Köppen zu ihrem Redakteur; als solcher ist
er 1884 und 1885 alleiniger Schriftleiter der Meteorologischen Zeitschrift dieser
Gesellschaft gewesen und hat nach deren Verschmelzung mit der Österreichischen
Meteorologischen Zeitschrift die Schriftleitung mit Prof. Dr. Hann von 1886 bis
1891 geteilt. In den Jahren 1892/93 war Köppen vorübergehend auch Schrift-
leiter der »Annalen der Hydrographie usw.«
Als langjähriges Mitglied verschiedener Kommissionen des internationalen
meteorologischen Komitees hat Köppen wiederholt Gelegenheit gehabt, an dem
Ausbau des internationalen Zusammenarbeitens erfolgreich mitzuwirken.
In welchem Grade Köppen die ihm an der Seewarte gebotene, für wissen-
schaftliches Forschen geschaffene Stellung für die Förderung der Wissenschaft
und die unmittelbaren Aufgaben des Instituts ausgenutzt hat, läßt die am Schluß
angefügte Zusammenstellung seiner Arbeiten erkennen; gewährt die dargebotene
Gliederung des Stoffes bereits einen Einblick in die große Vielseitigkeit des be-
arbeiteten Gebietes, so würde dieser Eindruck noch ein weit größerer gewesen
sein, wenn nicht hier eine Fortlassung der zahlreichen kleineren Aufsätze geboten
gewesen wäre, in denen er, dem Bedürfnis des Tages entsprechend, seine Meinung
klärend, ergänzend und berichtigend zu Gehör zu bringen pflegt. Daß Köppen
neben diesem Schaffen noch die Muße gefunden hat, auf gänzlich verschiedenen
Gebieten nebenher tätig zu sein (u.a. Rechtschreibung geographischer Namen,
Esperanto, Kalenderreform) ist bekannt.
Ursprünglich auf klimatisches Forschen gerichtet, wandte sich Köppen
im Dienst der Seewarte zunächst besonders den Aufgaben des Wetterdienstes
(Erforschung der barometrischen Maxima und Minima auf Grundlage der Er-
fahrung wie auch theoretisch, Studium der Gewitterstürme und der Böen usw.)
und der maritimen Meteorologie und späterhin der aerologischen Forschung zu.
Eine Besprechung und Würdigung der Arbeiten würde hier zu weit führen, doch
ist den Lesern bekannt, wie Köppens Arbeiten sich durch ihren Aufbau und
eine umfassende Verwertung der Literatur auszuzeichnen pflegen und nicht selten
die Gelegenheit bieten, neue praktische, schnell zum Ziel führende, durch ihre
Einfachheit überraschende (Stichproben) Methoden der Untersuchung kennen zu
lernen. Es möge hier eingefügt werden, daß diese, durch ein vortreffliches
Gedächtnis unterstützte umfassende Beherrschung der gesamten Fachliteratur
nicht allein unserem zu Erteilung von Auskunft und Rat stets bereiten Jubilar
bei seinen eigenen Arbeiten große Vorteile bietet, sondern auch von seiner Um-
gebung stets besonders geschätzt worden ist.
Besonders bekannt sind von den Köppenschen Arbeiten seine (mit Espy
1840 — übereinstimmende) Erklärung der täglichen Periode der Richtung
und Stärke der Winde (1879), seine Untersuchungen über das Verhältnis der
Windstärke (nach Beaufort) zur Windgeschwindigkeit m/sec (1879, 1898), über
die Bewegung der Minima in ihrer Abhängigkeit von er Verteilung von Druck
und Temperatur und der Zugstraßen (1882, 1914), über Gewitter und Böen
(1882, 1886, 1887, 1896, 1914), der mit Hildebrandsson und Neumayer heraus-
gegebene Wolkenatlas (1890) und seine Klassifikation der Klimate auf Grundlage
der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse (nicht aber des Vorkommens ge-
wisser Pflanzen, -das nur nebenbei herangezogen wurde) (1901). Die selbständig
erschienenen Veröffentlichungen, zum Teil Abdrucke aus Zeitschriften, sind in
das Verzeichnis der Schriften mit eingereiht, aber dort durch fetten Druck her-
vorgehoben worden.
Möchten unserem hochgeschätzten Jubilar noch viele Jahre in bester
Gesundheit zu weiterem wissenschaftlichen Schaffen und zu anregendem Umgang
mit seinen zahlreichen Freunden beschieden sein!
Prof. Dr. Großmann, Deutsche Seewarte.