Reuter, W.: Die Bestimmung des Unterschiedes der wahren u, der scheinbaren Monddistanz usw. 431
Die Bestimmung des Unterschiedes der wahren und der, scheinbaren
Monddistanz durch Zeichnung. N
Von W. Reuter, Leer, Arbden wu Bu 08 8
(Hierzu Tafel 32.)
Die Berechnung der wahren Monddistanz aus der scheinbaren ist die
nautisch-astronomische Aufgabe, welche nächst dem sogenannten Zwei-Höhen-
Problem die zahlreichsten Lösungen gefunden hat. Es würde zu weit führen,
auch nur eine Übersicht der bekannten Lösungen zu geben. Das Ziel aller
ist die Vereinfachung der Rechnung bei einem möglichst übersichtlichen
Rechnungsschema. Gegenwärtig gibt man wohl allgemein den sogenannten
indirekten Methoden .den Vorzug, durch welche nicht unmittelbar die wahre
Distanz, sondern der Unterschied der wahren ‚und scheinbaren Distanz ge-
funden wird. ‚In folgendem will ich eine Methode bekannt geben, wie man
die Berichtigung der scheinbaren Distanz auf die wahre durch Zeichnung
finden kann. Ob dieselbe schon von anderer Seite gefunden und veröffentlicht
wurde, ist mir nicht bekannt. Ich selbst bin durch eine mir vor längerer
Zeit gemachte Mitteilung des Direktors Schreiber: darauf geführt worden.
Diese lautete folgendermaßen: 8
Hat man die scheinbare Distanz
nebst den scheinbaren Höhen ‚und. die
Horizontalparallaxe des Mondes; so findet
man die an die ‚scheinbare Distanz
anzubringende Berichtigung ‘folgender-
maßen: Man beschreibt mit der Sehne
von 60° einen Kreis (Fig: 1), zieht den
Halbmesser. CM ‚und trägt‘ die schein-
bare Distanz gleich MS von M aus in
den Kreis ein, Von M aus ‚wird dann
die scheinbare. Zenitdistanz des Mondes
Ma = Ma’ nach beiden Seiten abgetragen,
ebenso die scheinbare Zenitdistanz des
anderen Gestirns .Sb = Sb‘. von $S aus.
Darauf. zieht man die Sehnen a a’. und
b b’, -mißt den Abstand ihres Schnitt-
punktes D. vom. Halbmesser CM.. Ist
DE dieser : Abstand, so mißt. man den-
selben auf der Sehnenskale in Graden und Zehnteln. Das Produkt dieser Zahl
und der Horizontalparallaxe des Mondes, dividiert durch 62, wenn D rechts
vom Halbmesser C M, durch 53, wenn D links vom Halbmesser CM liegt, ist
die Berichtigung, welche an die scheinbare Distanz anzubringen ist, um die
wahre zu erhalten. Diese Berichtigung muß subtrahiert werden, wenn D rechts
von CM und addiert werden, wenn D links von CM liegt. ;
Die Quelle, aus der diese Vorschrift stammt, habe ich leider, trotz
eifrigen Suchens, nicht auffinden können. Es liegt aber auf der Hand, daß
die so ermittelte wahre Distanz nur eine rohe Annäherung sein kann, da
weder die Parallaxe des anderen Gestirns (wenn dies: die Sonne oder -ein
Planet: ist), noch die Wirkung der Strahlenbrechung berücksichtigt ist. Ferner
sind die Divisoren 62 und 53 rätselhaft; woher dieser Unterschied stammt,
und warum mit rechts und links der Wert des Divisors sich ‚ändert, habe ich
nicht ermitteln können. Dabei fand ich aber auf dem angedeuteten Wege eine
Methode, die Berichtigungen der scheinbaren Distanz zur wahren so genau zu:
bestimmen, wie es durch Zeichnung möglich ist.
Im sphärischen Dreieck Z MS (Fig. 2) sei Z- das Zenit; M der scheinbare
Mondort und S der scheinbare Ort des anderen Gestirns, also MS die scheinbare
Distanz. Beim Monde überwiegt die Wirkung: der Parallaxe stets die der
Strahlenbrechung, bei der Sonne und den vier in Betracht kommenden Planeten