430 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1906,
Tangenten für verschiedene Werte von t konstruiert. Aus dem Verhältnis v/y
wird © berechnet und dann aus z/t die Reibungskonstante u gefunden (oder man
nimmt Werte von t an, berechnet daraus Werte von v/y und sueht mit einem
Transporteur die entsprechenden Punkte auf den Kurven auf, wodurch t und
dann u gefunden wird). In dieser Weise sind folgende Zahlen gefunden:
Tabelle II. Geschichtetes Wasser. Tabelle III. Homogenes Wasser,
ee
380 0.077 0.1 0.0155 115 0.077 u. 0.051
660 | 0214 | 02 0.018 135 0.214 0.2 0.081
780 | 0313 03 0.023 160 0.313 03 0.11
180 | 0.4838 0.47 0.15
220 | 05365 0.735 0.20
Den wahren Wert von u nehmen wir aus einer Abhandlung von O, Krümmel
und E, Ruppin.!) Den Verhältnissen bei den beschriebenen Experimenten ent-
spricht am nächsten Salzgehalt == 10°, Temperatur = 15° (Zimmertemperatur);
man findet hieraus für den Reibungskoeffizient
= 0.013,
Das Experiment mit geschichtetem Wasser gab also anfangs einen Wert von wu,
der nur wenig größer als der wirkliche Reibungskoeffizient ist (0.0155 anstatt
0.013).°) Die für längere Zeiträume berechneten Werte sind größer, was offen-
bar damit zusammenhängt, daß die Wirbel allmählich zur Entwicklung gelangen.
So wird nach 780 Sekunden u == 0.023 berechnet. Die Geschwindigkeit, mit
welcher der virtuelle Wert von u zunimmt, ist in Wirklichkeit noch größer als
durch diese Zahlen angedeutet wird, denn diese sind als Mittelwerte für die
ganze nach dem Anfang des Experimentes verflossene Zeit berechnet.
Wenden wir uns jetzt zu dem Experimente in homogenem Wasser, so
finden wir, daß auch hier die Reibung anfangs verhältnismäßig klein ist und
dann allmählich — mit der Intensität der Wirbelbewegung — wächst. Anderseits
sieht man, daß die Reibung überaus viel größer ist als wenn das Wasser
geschichtet ist. Zum Beispiel war in homogenem Wasser u= 0.2 schon in
den ersten 220 Sekunden, während das Experiment in geschichtetem Wasser
noch nach 780 Sekunden nur u= 0.023 ergab. Im Meere selbst ist die von
der Wirbelbewegung verursachte Reibung maßgebend, und die dem wirklichen
Reibungskoeffizienten entsprechende Reibung kann ganz außer Betracht gelassen
werden. Um der Größe, die uns am nächsten interessiert, zu entsprechen, müssen
die oben ermittelten Werte von u daher beide um 0.013 vermindert werden,
wodurch der Unterschied als noch größer sich ergibt.
Obwohl es auch keineswegs gestattet ist, das Resultat dieser Vergleichung
unmittelbar auf die Theorie der Meeresströmungen anzuwenden, so läßt es uns
doch mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß die Reibung kleiner ist
in den Oberflächenschichten längs der Küsten, wo die Dichtigkeits-
unterschiede groß sind, als im offenen Ozean. (Fortsetzung folgt.)
1) O Krümmel und E, Ruppin: »Über die innere Reibung des Seewassers«, Wissenschaft-
liche Meeresuntersuchungen, herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung: der deutschen Meere
in Kiel und der Biologischen Anstalt auf Helgoland, Abteilung Kiel. Neue Folge, Band 9.
?) Da ich bei weitem nicht eine so nahe Übereinstimmung erwartet hatte, so hatte ich es für
unnötig gehalten, die Temperatur beim Experimente zu messen. Der Wert u = 0.013 ist daher nur
als eine Schätzung zu betrachten. Die oben angeführten Experimente sind im allgemeinen als vor-
läufige anzusehen.