accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

427 
+ 
des Phasenunterschiedes zum :großen Teil ausgleichen. .Dazu- kommt, daß sie 
wegen der inneren Reibung allmählich ‚verzehrt werden. * . 
Die unter. (3) und (4) abgeleiteten Resultate können unter den gemachten 
Vorbehalten folgenderweise . zusammengefaßt : werden: Die Bewegung des 
Wassers kann immer-:äls in bezug auf die tatsächlich wirkenden 
Kräfte stationär betrachtet werden, . Zwar muß daran. erinnert werden, 
daß unter die wirkenden Kräfte auch ‚die innere Reibung im Wasser gerechnet 
werden muß; ünd. da_ sich diese mit der Bewegung selbst ändert, so wird die 
Interpretation. des Satzes ziemlich, kompliziert.‘ Die innere Reibung im Meere 
wird aber nur in der Weise das Eintreten der stationären Bewegung verspäten 
können, daß die in einer Wasserschicht entstandene Bewegung sich allmählich 
den übrigen Schichten mitteilt, Es wird im folgenden (in der Theorie der Trift- 
ströme) klar werden, daß .diese Wirkung sehr beschränkt ist und daß die dadurch 
entstandenen Stromgeschwindigkeiten in wenigen Tagen ihre endliche Größe er- 
reichen. Wir können daher den oben gegebenen Satz sogleich in folgender 
Form ‚aussprechen: Die aus den tatsächlichen Dichtigkeits- und Niveau- 
unterschieden im Meere sowie den tatsächlich herrschenden Winden 
berechnete stationäre Bewegung ist immer, bis auf unwichtige peri- 
odische oder quasi-periodische Schwingungen,!l) die wirkliche Be- 
wegüng des Wassers, a . 
Wenn wir aber die Ursachskette weiter rückwärts als bis zu den wirken- 
den Kräften — z, B, bis zu dem Zuflusse von Süßwasser, der Sonnenwärme oder 
dem Winde (als Ursache von Windstau) — verfolgen, so ist es einleuchtend, 
daß wir eine bedeutende Verzögerung in dem Eintreten des stationären Bewe- 
zungszustandes erwarten müssen. Auch werden wir finden, daß. die oben be- 
sprochenen kreisförmigen Bewegungen mittelbar von Bedeutung sein können, 
indem sie auf die Niveauunterschiede zurückwirken. Kurz kann der Bewegungs- 
zustand des Meeres in folgender Weise charakterisiert werden: die Bewegungen 
sind stationär, hängen aber von mit der Zeit sich ändernden Parametern ab. 
5. Es wurde oben unter (1) erwähnt, daß die gesamte Bewegungsenergie 
des Meeres durch die Erdrotation nicht beeinflußt wird. Dabei wurde die wirk- 
liche Bewegung (relativ zur Erde) genau in Betracht gezogen — also auch die 
oben besprochenen kreisförmigen Bewegungen. Wenn wir die kreisförmigen 
Bewegungen außer Betracht lassen und nur an die Meeresströmungen 
in eigentlichem Sinne denken, so folgt also, daß die gesamte Bewe:- 
gungsenergie durch die Erdrotation vermindert wird, V . 
Die- innere. Reibung des Wassers hat wie bekannt die Wirkung, die Ge- 
schwindigkeitsunterschiede und auch die gesamte Bewegungsenergie im Meere 
abzuschwächen. Es.wäre aber sehr unrichtig, sich vorzustellen, daß ihre Be- 
deutung sich auf diese Wirkung beschränkte. Vielmehr ist die Reibung für die 
Meereszirkulation in der wichtigsten Bedeutung des Wortes — nämlich insofern 
sie die Ausgleichung der Temperatur und Salzgehaltsdifferenzen vermittelt — 
überhaupt eine notwendige Bedingung. Insofern die Triftströme in Betracht 
kommen, ist dies einleuchtend, da ja dieselben durch die Reibung allein getrieben 
werden. Die Behauptung ist aber auch für die Konvektionsströme, die auf den 
Dichtigkeitsdifferenzen im Meere beruhen, gültig. Dies soll unten begründet 
werden. . 
. Die primäre Wirkung einer ungleichmäßigen Verteilung des spezifischen 
Gewichtes (der Temperatur und des Salzgehaltes) im Meere ist die, daß das leichte 
Wasser sich über das schwere Wasser ausbreitet, während das letztere in der 
entgegengesetzten Richtung unter dem ersteren fließt. Dabei wird die potentielle 
Energie des Wassers vermindert, während seine Bewegungsenergie zunimmt. 
Wenn nun keine Energie durch die Reibung in Wärme übergeführt würde, :so 
müßte in einem dem Verlust an potentieller Energie genau entsprechenden Maße 
die Geschwindigkeit des Wassers und mithin die durch die Erdrotation hervor- 
. Ekman, V, Wi: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen, - 
... 1) Da die Periode dieser Schwingungen 12 Pendelstunden ist, so ist es im allgemeinen zwecklos, 
Veränderungen von kürzerer Dauer im Winde usw. zu berücksichtigen, ‘sondern: man. nimmt, wenn 
nötig, Mittelwerte über 12 Pendelstunden oder längere Zeit.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.