Ebert-Aufsess: Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 30, August 1905 usw. 403
weil an Bord eines in Fahrt begriffenen Schiffes verhältnismäßig leicht die
wichtige Frage entschieden werden könnte, ob in der Tat das verspritzende
Seewasser einen Überschuß an + Ionen in die Atmosphäre bringt und von
welcher Art diese Ionen sind.!)
6. Am Verfinsterungstage begannen wir die Ionenzählungen nach 11 Uhr
vormittags. und setzten dieselben bis nach 4 Uhr nachmittags ununterbrochen
fort. Der Apparat stand dabei auf einem eigens für diesen Zweck vor einem
Fenster der oben erwähnten Terrasse errichteten Holzbocke unter einem Sonnen-
segel, das Aspirations-Psychrometer hing mitten in dem weit geöffneten Fenster;
der ganze dahinter liegende Raum war mit der Außenluft gut durchventiliert.
In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse zusammengestellt, zugleich
mit Lufttemperatur t, Dunstdruck e, absoluter und relativer Feuchtigkeit f
bzw. F, welch’ letztere Daten mittels eines Assmannschen Aspirationspsychro-
meters von Fuess in Steglitz zu den dahinter stehenden Zeiten ermittelt wurden;
die Zeiten sind mittlere. Greenwicher Zeiten; die Windstärken wurden nach der
sechsstufigen Landskala geschätzt.
Beobachtungszeit
3
Er:
=
I!
Zeit
Bemerkungen
ı1lh 23min bis 11h 32min V,
11 34min « 11 43min «
11h 47min « 11h 56min «
—1240 x
71240 25,8] 18.81 17.7| 73
—1380| 25,8| 17.8! 17.2| 71
27,71 17.7] 17.01 63
Beginn der Verfinsterung:
hı Amin bie 19h 15mi ,
a LE 16,863 [120 15min N,
12h 27min <. 12h 38min « 1090| 27.8/ 17,3/ 16.6/ 61.5[12b 30min
(2h 40min « 12h 49min « —1210|27,2| 19.0| 18.21 70 |12b 45min
ih min « 1h]ılmin « |+1210| 27.01 18,7] 18.0 70 | 1% 00min
Vor der Totalität (vor 1h 22min):
ib 13min bis 1b 27min N. |-— 970|26.2| 18.1| 17.6] 71 | 1% 15min N, | Totalität: 1b 22min-1h 25min,
Nach der Totalität (nach 1% 25min);
ih 29min bis 1l 40min N, ]+4-1270| 25.8| 17,6] 17.0 70 { 1b 30min N,
Ih 42min « 1l 52min « | —1270|25.6! 17.0| 16.4/ 69 | 1b 45min
1h 56min « 2h 16min « |41270|26.2| 18.1| 17.6| 71 | 2b 15min
Dh ]8min « 2h 27min « |-—1290126,51 17.6l 17.1|68 } 2b 30min
FA
Sonne verschwindet hinter einer
großen Haufwolke.
Wind flaut allmählich ab
(Stärke 1 bis 0).
Ende der Verfinsterung: 2h 40min;
3h 10min bis 3h 20min N, 1 940|27.4| 19.3| 18.5| 70 |
3h 22min « 3h 31min « 1180| 27.0] 19.5| 18.8] 73
3h 33min « 3h 42min 970
3b 44min « 3b 53min :20 |
3h 5BAmin 4lhı O04min « +1120127.0| 19.1| 18.4] 71 |
3b 15min N, ]
3h. 30min «
Sonne kommt immer klarer aus
den Wolken heraus.
| Windstille tritt ein.
Die Werte für die Ionendichten n gruppieren sich ziemlich dicht um die
Mittelwerte 1170 für die positiven, 1200 für die negativen Ionen, sie liegen also
höher als die auf dem freien Meere inmitten des Golfe du Lion sowohl vor wie
nach dem Verfinsterungstage gefundenen Zahlen. Auffallend ist, daß‘ hier die
Zahl der negativen Ionen diejenigen der + Ionen überwog, wenn auch nur um
sehr wenig. Bemerkt sei, daß am Tage der Sonnenfinsternis am Beobachtungs-
orte sehr niedrige luftelektrische Spannungsdifferenzen (von den Herren Elster
und Geitel) registriert wurden,
Was den Einfluß der Verfinsterung selbst auf den elektrischen Zustand
der Atmosphäre betrifft, so tritt trotz der gerade für diese Art von Beobachtungen
besonders ungünstigen Witterungsbedingungen doch das eine zutage, daß sich
während der Verfinsterung die Zahl der von dem Apparate angezeigten
negativen Ionen merklich vermindert hat. Vergleicht man die Zahl 970,
1) Dem Aspiralionsapparate wird eine Hilfsvorrichtung beigegeben, mit welcher auch die »Be-
weglichkeit« der Ionen bestimmt werden kann, eine Größe, welche vornehmlich den Charakter
aner Ionenart bestimmt. -