Witting, R. J.: Der Bottnische Meerbusen,
397
müssen wir bei dieser Gelegenheit verzichten, nur das allen Gemeinsame soll
erörtert werden.
Der größere Salzgehalt auf der finnischen Seite macht sich gegen den
geringeren auf der schwedischen geltend. Im Schärenmeer finden wir oft eine
große Fläche mit Wasser von einem Salzgehalt über 6%, während im Älands-
meer immer niedrigere Salzgehalte. vorherrschen, im allgemeinen etwa 5.5%00.
Südlich von Äland auf 59° 30’ N-Br. und 20° O-Lg. kommt gew Öhnlich eine Aus-
buchtung der Isohalinen vor. Die Isohaline 5.5%9 verläuft von Äland. erst
ungefähr nach Norden, wendet sich allmählich mehr nach Osten und erreicht
erst nahe am Nördlichen Quark die finnische Küste; sie grenzt also an der
finnischen Seite ein Gebiet mit höherem Salzgehalt ab. Die 5%0g Isohaline
verläuft bogenförmig, der schwedischen Küste nahe folgend, ist aber zuweilen
abgebrochen. (Hier mag hervorgehoben werden, daß der Teil der Bottnischen
See. von der schwedischen. Küste bis 61° 30’ N-Br., 19° 30’ O-Lg.. und 62° 30’
N-Br., 19° 30’ O-Lg. bei den finnischen Terminfahrten nicht befahren wird.)
Im Nördlichen Quark sind die Isohalinen stark zusammengedrängt, am stärksten
im November und Mai. Sie folgen der schwedischen Küste, beschreiben durch
den Quark einen Bogen und hören meistens noch im Quark an der finnischen
Küste auf; die Isohaline für 3.5%09 folgt aber. meistens der finnischen Küste bis
in die Bottnische Wiek hinein,
Auch die Isothermen zeigen eine ähnliche Orientierung; im November
tritt diese am deutlichsten hervor. Die Temperatur nimmt von Süden gegen
Norden aber auch von Westen gegen Osten ab. Im Mai ist der Zustand ein
gleicher. Im August sind die Temperaturverhältnisse unregelmäßig, jedoch
kann man auf der finnischen Seite niedrige Werte konstatieren.
Auf die an den Isothermen manchmal vorkommende Ausbuchtung nach Westen
(z.B. im November 1903) in mehr als 63°N-Br. mag die Aufmerksamkeit gelenkt werden.
. ‘In den tiefen. Schichten bestehen. quer über dem Meere ähnliche Unter-
schiede, In den oberen. Schichten wechseln Salzgehalt und Temperatur ungefähr
wie an der Oberfläche. Auf den Querschnitten verlaufen die die Oberfläche
schneidenden .Isohalinen in der Regel sinkend von Osten gegen Westen... Auch
die tiefer gelegenen Isohalinen sinken im allgemeinen in ihrem Verlaufe gegen
Westen. In den tiefsten Schichten des Älandsmeeres und der südlichen Bott-
nischen See ist der Salzgehalt sehr oft höher als am Boden des seichten Schären-
meeres; jedoch nicht immer, so herrschte im August 1903 im Schärenmeer auf
etwa 40m derselbe Salzgehalt wie im nördlichen Bassin des Älandsmeeres auf
270 m. Im Nördlichen Quark sind die salzreichsten Schichten im allgemeinen
in der Mitte gelegen.
Die Temperaturverteilung in den tiefsten Schichten schließt sich im all-
gemeinen diesen Regeln nicht an. Die Temperatur in diesen Schichten kann
speziell im November gegen Osten wachsen, ist aber quer über das Meeresgebiet
meistens gleich oder unregelmäßig wechselnd.
Eine jährliche Periode im Salzgehalt der Küstengebiete bis 30 bis 50 km
ins Meer ‘hinein kann in den zweijährigen Beobachtungen 1903—4 bemerkt
werden, Maximum und Minimum treten hier in den oberen und in den
tieferen Schichten beinahe gleichzeitig ein.
Die ganze finnische Küste entlang vom Schärenmeer nach Norden be-
steht eine Periode mit einem Minimum im Salzgehalt sowohl in den Ober-
flächen- als auch in den Tiefenschichten wahrscheinlich im August, mit
einem Maximum wahrscheinlich im Februarquartal. . Längs der schwedischen
Küste treten Minimum und Maximum in den Oberflächenschichten zu
denselben Zeiten auf, in den August- und Februarquartalen, in den Tiefen-
schichten vielleicht etwas verspätet im August bis November und
Februar bis Mai. An der nordwestlichen Küste der Bottnischen See, wo kein
eigentliches Randgebiet vorkommt, ist die Periode ungefähr dieselbe, wie in den
Übergangsgebieten. Im Schärenmeer tritt das Minimum an der Oberfläche
im Mai bis August beinahe gleichzeitig mit dem Maximum am Boden, im
August auf, — was eine Verschärfung der Salzgehaltsdifferenzen bedeutet, im
Winter ist dagegen eine Ausgleichung bemerkbar, vielleicht mit etwas früher
eintretendem Bodenminimum als Oberflächenmaximum.