Witting, R. J.: Der Bottnische Meerbusen.
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So hat das Komitee!) für Untersuchung der Ursachen zu den Überschwemmungen
in Finnland in den Jahren 1898 bis 1899 aus zehnjährigen Beobachtungen für
das südliche Finnland die Zahl ?/; erhalten, während die entsprechende Zahl für
Norddeutschland */, ist.
Rechnen wir mit den oben erwähnten Zahlen, so erhalten wir für die
direkte Zufuhr von Niederschlagswasser die Werte 7 ckm für die Bottnische Wiek
und 19 ckm für die Bottnische See, also 26 ckm für beide zusammen.
Das Landgebiet, von welchem der Bottnische Busen Niederschlagwasser
aufnimmt, beträgt 448 000 qkm.) Der Niederschlag auf diesem Gebiet beläuft
sich auf etwa 450 mm, etwas weniger auf der finnischen, etwas mehr auf der
schwedischen Seite. Die durch Verdunstung verursachte Abnahme des Nieder-
schlagswassers auf dessen Wege zum Meere kann zu */, geschätzt werden, also
zu einem etwas kleineren Betrage, als der, welcher für das südliche Finnland
gilt. Die den Bottnischen Seen von den Flüssen jährlich zugeführte Wassermenge
beliefe sich also auf 135 ckm, und wenn die eben erwähnten 26 ckm hier zu-
gefügt werden, erhalten wir als Wert für die ganze jährliche Süßwasserzufuhr
161 ckm,. in runder Zahl 160 ckm oder etwa !/„„ der ganzen Wassermenge der
Bottnischen See.
II. Salzgehalt und Temperatur. Deren Verteilung und jährlicher Gang.
Die beigefügten Diagramme (Tafel 30) sind Schnitte, geführt durch den
Bottnischen Meerbusen, in dessen Längenrichtung von Torneä bis zur nördlichen
Ostsee, und stellen die Verhältnisse im August und im November 1903 und im
Mai 1904 dar..
Da aber. die Längenrichtung die dominierende Dimension des Bottnischen
Busens ist, können die Verhältnisse einfachheitshalber ‘ zuerst so beschrieben
werden, als ob die Wasserversetzung im Schnitte, also im Diagrammplane vor
sich ginge. Was bei dieser Generalisation verloren geht — das Schärenmeer
wird z. B. außer acht gelassen — kann später leicht hervorgehoben werden,
Die Salzgehaltsverteilung. Untersuchen wir die Salzgehaltsverteilung, so
sehen wir, daß die Isohalinen im großen Ganzen ungefähr denselben Verlauf
haben. Nachdem sie die der Oberfläche entsprechende Linie geschnitten haben,
ziehen sie sich nach Norden hin, während sie erst schneller und später langsamer
gegen die Bodenkontur sinken; um schließlich, sich wieder schneller senkend, den
Boden zu erreichen. . Mit anderen Worten: die Wasserschichten ordnen sich
keilförmig übereinander mit von Norden gegen Süden und von der Oberfläche
zum Boden zunehmendem Salzgehalte.
Ohne uns weiter bei dem Gange der Isohalinen aufzuhalten, konstatieren
wir, daß das Wasser der Bottnischen Wiek einen Salzgehalt unter 4.5°%., hat,
wobei Wasser von 3.5 bis 4%, die mächtigste Schicht bildet, während in der
Bottnischen See 4 bis 6.6%,, Wasser vorkommt und die mächtigste Schicht aus
5.5 bis 6°%, Wasser gebildet ist.
Die Erklärung der Salzgehaltsverteilung ist sehr einfach. Das salzigere
und dadurch schwerere Ostseewasser sucht sich den Boden entlang einwärts in
den Bottnischen Busen zu ergießen, während sich das leichtere und salzärmere
Oberflächenwasser auswärts gegen die Ostsee bewegt. Durch eine beständige
Zumischung von den unterliegenden Schichten nimmt der Salzgehalt des ur-
sprünglich. süßen Oberflächenwassers während der Bewegung gen Süden immer
mehr zu (einige Orte ausgenommen, an welchen die Wirkung der Zufuhr von
süßem oder relativ salzarmem Wasser ebenso groß oder größer als die Wirkung
der Zumischung ist), während der Salzgehalt der Bodenschichten durch ent-
sprechende Zumischung" abnimmt. ;
Überall, wo Schwellen oder Meeresengen die Wasserversetzung beein-
trächtigen, werden größere Salzgehaltsdifferenzen in allen Schichten hervorgerufen,
wie an den Bänken zwischen der Ostsee und dem Älandsmeere, zwischen den
1) Überschwemmungen in Finnland in den Jahren 1898—99. Übers. eines amtl. Berichtes.
Fennia, 19. Helsingfors 1903.
?) Nach einer von Prof. Dr. J. E. Rosberg mitgeteilten Angabe.