392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1906.
stimmt; die im selben Jahre an der finnischen Küste dieses Meerbusens ge-
schöpften Wasserproben hat H. Struve‘) analysiert.
X. Tiefen- und Größenverhältnisse.
Tiefenverhältnisse. Der Bottnische Meerbusen zerfällt in zwei größere Teile,
die Bottnische Wiek und die Bottnische See, die durch engere und seichtere
Gebiete voneinander und von der eigentlichen Ostsee getrennt sind,
Die Bottnische Wiek (siehe die Tiefenkarte, Tafel 29) ist von ziemlich
regelmäßiger Bodenbeschaffenheit, der zentrale Teil von etwa 70 bis 100 m Tiefe
mit einzelnen noch tieferen Mulden.
In der Bottnischen See verläuft ein über 100 m tiefes Gebiet sichelförmig,
von Süden aus zuerst der finnischen Küste sich nähernd, bis hinüber zu der
schwedischen Küste bei Ängermanland, in deren Nähe auch die tiefste Mulde der
See, das Hernösandstief, gelegen ist. Der mittlere westliche Teil ist seichter;
hier finden sich Bänke mit einer Wassertiefe von etwa 20 m, die durch ihre Lage
an Gotland und die um diese Insel herum gelegenen Bänke erinnern.
Der seichtere Nördliche Quark bildet zwischen der Bottnischen Wiek und
der Bottnischen See eine Schwelle, deren größte Tiefe auf der finnischen Seite
etwa 25 m, auf der schwedischen etwa 30 m beträgt.
Das Schärenmeer und das Älandsmeer trennen die Bottnische See von der
eigentlichen Ostsee. Die Tiefenverhältnisse des Schärenmeeres sind sehr unregel-
mäßig und können auf der beigefügten Tiefenkarte nur schematisch dargestellt
werden. Zwischen den unzähligen Schären verlaufen unzählige Rinnen von 20
bis 30 m Tiefe, die in den nördlichen und südlichen Teilen bis über 50 m tief
werden. Zwischen dem nördlichen Teil des Älandsmeeres und der Bottnischen
See gibt es keine Schwelle. Die Meeresenge, der Südliche Quark, besitzt im
Gegenteil die zweittiefste Mulde der ganzen Ostsee, das ÄAlandstief von vollen
300 m, und da, wo der Quark sonst am seichtesten ist, dringt eine über 200 m
tiefe Rinne als Fortsetzung des Älandstiefs nach Norden durch, um, allmählich
seichter werdend, in dem 70m tiefen südlichsten Teil der Bottnischen See
plötzlich aufzuhören.
Das Älandsmeer wird durch eine über die Insel Flötjan (59° 48,5’ N-Br.,
19° 47' O-Lg.) gehende Schwelle von 70 bis 80 m in zwei tiefere Gebiete geteilt.
Das südliche, kleinere Gebiet trennt eine nördlich von Bogskär gelegene Bank
zwischen Föglöudde (59° 48’ N-Br., 20° 37’ O-Lg.) und Svenska Björn (59° 35’ N-Br.,
19° 48’ O-Lg.) vom Tiefenbecken der Ostsee. Die Bank hat eine Tiefe von ungefähr
35 m; in dem sehr unebenen steinigen Boden kommen Vertiefungen vor, die
vielleicht in diesem Rinnen bilden können, Auf der finnischen Seite auf etwa
59° 40’ N-Br. und 20° 30’ O-Lg. zieht wahrscheinlich eine Rinne von über 50 m
Tiefe durch die Bank, Und noch mehr nach Osten, nach dem Schärenmeer,
äindet sich eine andere solche Rinne, von welcher ein Zweig wahrscheinlich zum
Älandsmeer führt.
Größenverhältnisse. Nach den Angaben von Ackermann”) ist das Areal
der Bottnischen Wiek 36500 qkm und das der Bottnischen See 66900 gkın.
Ihre mittleren Tiefen können ungefähr zu respektive 50 und 75 m geschätzt
werden. In runder Zahl enthalten sie also respektive 1800 und 5000 ckm Wasser
oder zusammen 6800 ckm Wasser,
Der Niederschlag auf der Oberfläche der Bottnischen Wiek beläuft sich
auf etwa 250 mm, derjenige auf der Oberfläche der Bottnischen See auf etwa
350 mm. Für die Verdunstung muß !/, abgerechnet werden, Bei gleichartigen
Berechnungen hat Krümmel*) die Zahl !/, für die Ostsee angewandt. Die
durch das kältere Klima bedingte Abnahme ist nicht größer als der Unterschied,
welcher bei Berechnung der Verdunstung auf dem Lande konstatiert worden ist.
-) H. Struve: Über den Salzgehalt der Ostsee. Mem. de Vacad. imp. des se. de St. Pbg.
VII ser., Tome VIII, No. 6. St. Petersburg 1864.
7) C. Ackermann: Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee. Hamburg 1883.
Bay O. Krümmel: Die deutschen Meere im Rahmen der internationalen Meeresforschung.
rlin 1904.