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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, E.: Die geplante dauernde Organisation ‚der Polarforschung. usw. 387 
So würde durch die Gründung der Vereinigung . der Polarforschung ein 
fester, einheitlicher Plan gegeben werden. Der von vornherein auf eine längere 
Reihe von Jahren gesicherte Bestand der Vereinigung würde einerseits die stetige 
Weiterentwicklung der Polarforschung auf Grund ‘der. neu gewonnenen Er- 
fahrungen sichern, anderseits die Aufnahme von Untersuchungen ermöglichen, 
die nicht durch einmalige Expeditionen, sondern nur durch mehrjährige 
Beobachtungen ihre Ausführung finden können. 
Ganz besonders dieser letztere Gesichtspunkt erscheint aber von hohem 
Werte; denn ein Teil der bei der Polarforschung in Betracht kommenden Wissen- 
schaftszweige, der von derselben auch Grundlagen für die Erklärung allgemeinerer 
terrestrischer Vorgänge erwartet, wie die Meteorologie, Ozeanographie, Seismologie, 
die Lehre vom Erdmagnetismus, den Erdströmen, der atmosphärischen Elektrizität 
und den Polarlichtern, verlangt auf dem heutigen Stande auch die Kenntnis der 
Veränderungen der Erscheinungen nach Art und Größe, nach Zeit und Ort, 
Als wichtig muß es ferner bezeichnet werden, daß unter den Aufgaben. der 
geplanten Vereinigung auch die Untersuchungen und Veröffentlichungen der 
Polarexpeditionen aufgenommen sind, Es wird nicht allein dadurch .die:not- 
wendige Einheitlichkeit der Veröffentlichungen und eine die Erkenntnis in höherem 
Grade fördernde, zusammenfassende Bearbeitung. unter allgemeineren Gesichts‘ 
punkten gesichert, sondern auch der Umfang und Wert der Ergebnisse. deutlich 
vor Augen geführt. Das letztere ist aber unentbehrlich, um das notwendige 
Interesse an der Polarforschung und den mit ihr verknüpften Problemen in den 
zur wissenschaftlichen Ausnutzung berufenen und den für die materielle Unter- 
stützung maßgebenden Kreisen dauernd zu erhalten, So ist es wohl zu bedauern, 
daß die Internationale Polar-Kommission, welche die Polarforschung der Jahre 
1882/83 organisierte, mit der Organisation der Expeditionen ihre Aufgabe als 
beendet ansah und nicht in die zusammenfassende Bearbeitung der Beobachtungs- 
resultate eintrat. Die Veröffentlichungen der Beobachtungen dieser Jahre haben 
allerdings vielfach bei einzelnen Untersuchungen bedeutsame Verwendung gefunden, 
aber der Wert dieses damaligen großen Unternehmens ist für die größere All- 
gemeinheit nirgends hervorgetreten und nur einem sehr. kleinen Kreise bewußt 
geblieben. 
Zu welchen Erfolgen aber eine international geregelte Forschung zu führen 
vermag, das zeigt in neuester Zeit das Beispiel des ständigen Internationalen 
Zentral-Ausschusses für die Meeresforschung. Dabei sind die Aufgaben dieser 
Kommission doch eng begrenzt. Wieviel mehr ist daher von internationaler Ver- 
ginbarung und einer internationalen Vereinigung unter Hinzuziehung aller dabei in 
Betracht kommenden Faktoren für die Erforschung der Polargebiete zu erwarten, 
welche Forschung fast alle Gebiete der Naturwissenschaften umfaßt! Die ganz 
besonderen Veranstaltungen, welche die äußeren Umstände für alle diese Zweige 
der Polarforschung gemeinsam verlangen und die zwischen einzelnen hierbei in 
Betracht kommenden Arbeitsgebieten bestehenden Beziehungen fordern geradezu 
das Zusammenfassen aller Kräfte und Mittel, um eine möglichst rationelle Aus- 
nutzung derselben zu erzielen. 
Wird über die Zweckmäßigkeit eines solchen internationalen Vorgehens in 
der Polarforschung in den dabei interessierten Kreisen auch Einmütigkeit sicher 
sein, so werden in bezug auf die praktische Ausführung die Ansichten weit aus- 
einander gehen, Zwar ist der Gedanke, als Hauptziel möglichst hohe Breiten zu 
erreichen, nicht mehr maßgebend, aber immerhin erfordern die verschiedenen 
Fragen zum Teil auseinander gehende Maßnahmen, für die von den diesbezüglichen 
Vertretern lebhaft eingetreten werden wird. Auch eine berechtigte, zu baldigsten 
äußeren Erfolgen drängende Energie wird in den Diskussionen zur Außerung 
gelangen. In der Abwägung dieser Gegensätze für das gemeinsame Vorgehen 
wird der Kongreß und später vielleicht die Vereinigung den schwierigsten Teil 
ihrer Aufgaben finden. . 
. Über die praktische Ausführung der systematischen Polarforschung sind 
nach dem Kongreß von Mons denn auch bereits zwei Schriften erschienen, Die 
erste von Henryk Arctowski, Projet d’une exploration systematique des regions
	        
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