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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen ‚Ostsee, 385 
gewordenen westlichen Winde nicht mehr imstande gewesen sein, in der 
östlichen Ostsee die. Wassermengen festzuhalten, deren Aufstau daselbst durch 
die vorhergegangenen nordwestlichen Stürme veranlaßt worden war, - Hierzu 
kommt, daß am 15. März der Wind über der mittleren Ostsee mit ziemlicher 
Stärke (Wisby: hatte um 8% V’NNW 8) 'aus’ hoch nördlichen Richtungen wehte, 
also das Wasser aus der nördlichen Ostsee südwärts trieb und damit den gegen 
den schwachen Wind nach Westen hin wieder abfließenden Wassermengen der 
südlichen Ostsee Nachdruck gab. 
Dürfte somit der .-von $. M.S. »Arkona« am 15, März im Großen Belt 
beobachtete Strom durch die Wetterlage und besonders durch das vorher- 
gegangene Weiter zu erklären sein, so wird man diesen gegen die gerade 
herrschende Windrichtung laufenden starken Strom doch ebenso zu den Aus- 
nahmen rechnen. müssen, wie die schweren Stürme vom 13. und 14. März, :Immer- 
hin wird für die Praxis aber die Lehre daraus zu ziehen sein, daß man nach 
schweren Nordweststürmen . oder allgemein nach Umständen, die das Wasser in 
der Ostsee aufgestaut haben, auf Strömungen gefaßt sein muß, die das Wasser 
nach Westen und Nordwesten durch die Belte hinaus zurück führen, vielleicht 
gegen gerade herrschende westliche Winde. Wahrscheinlich können auch um- 
gekehrte Ausnahmefälle eintreten. Denn wie die Strombeobachtungen der Feuer- 
schiffe Gjedser Riff und Fehmarnbelt zu dem Ergebnis führen, daß dort nach 
östlichen, mit dem Vorübergange eines südlich entlang ziehenden Minimums ver- 
bundenen Stürmen Oststrom eintreten kann, auch wenn der Wind noch östlich 
ist, so wird wahrscheinlich auch im Belt nach der Ostsee laufender Strom trotz 
östlichen Windes eintreten können, wenn der Wasserstand in der Ostsee durch 
die vorhergehenden Winde sehr niedrig geworden ist. 
. Die Betrachtung des Verlaufs der von der Ostsee durch den Belt in das 
Kattegat laufenden Strömung in der beigegebenen Skizze zeigt, daß die Strömung 
im großen und ganzen den fiefen Rinnen folgt. Eine geringe Überlegung zeigt 
aber auch, daß die Wirkung eines so vielfach gewundenen Stromes auf ein dort 
navigierendes Schiff ganz außerordentlich verschieden sein muß, je nachdem das 
Schiff mehr an der einen oder der anderen Seite des Fahrwassers ist. Erwägt 
man ferner, daß bei einer sich zwischen Untiefen und Landvorsprüngen durch- 
windenden Strömung an vielen Stellen Neerströmungen, Stromwirbel, seitlich 
ab- oder zufließender Strom usw. aus rein zufälligen Ursachen und in beständigem 
Wechsel entstehen oder verschwinden müssen, so ist vielleicht die dringlichste 
in den gewundenen Pfeilen der Stromskizze enthaltene Mahnung die, nie, auch 
nicht für kurze Zeit, eine Kontrolle des Schiffsortes in jenen Gewässern außer 
acht zu lassen. 
Die geplante dauernde Organisation der Polarforschung. 
Internationaler Kongreß zu Brüssel 1906. 
Die Erfolge, welche die internationale Kooperation der letzten Südpolar- 
expeditionen gezeitigt hat, haben die Erkenntnis befestigt, daß die Erforschung 
der Polargebiete am zweckmäßigsten und sichersten durch gemeinsame Arbeit 
und nach einheitlichem Plane zum Ziele zu führen sein wird, Diese Erkenntnis 
ist durch die Wünsche der Polarforscher, die im September 1905 auf dem Welt- 
wirtschaftskongreß von Mons versammelt waren, zum Ausdruck gebracht. ‘ Um 
dies zur Tat werden zu lassen, wurde auf diesem Kongreß einstimmig folgender 
Beschluß gefaßt: 
»In Erwägung, daß es zweckmäßig. erscheint, eine internationale Vereinigung 
zur Erforschung der Polarregionen zu gründen, die zum Ziele hätte: . 
L. zu einem internationalen Einverständnisse über verschiedene strittige 
Fragen der Polargeographie zu gelangen; 
mit vereinten Kräften den Versuch zu unternehmen, die Erdpole zu er- 
reichen; . 
Ann. d. Hydr. usw... 1906. Heft VIII 
)
	        
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