Oberflächenströmungen im Kattegat, Sund und in der westlichen Ostsee. 383
östlichen, finden wir mit 71%, und 69%, eine ziemliche Übereinstimmung der
Stromrichtung bei Gabelsflach und bei Bülk; zur selben Zeit aber, wo Gabels-
flach westliche Stromresultanten gehabt hat, haben dagegen bei Bülk die quer-
und entgegengesetzt laufenden überwogen. Zur Erklärung des mittleren Teiles
der Tabelle mögen deren hauptsächlichste Angaben in Worten ausgedrückt
werden; es wird aber ausdrücklich dazu bemerkt, daß die Angaben auf einer
sehr geringen Anzahl von Beobachtungen beruhen und nicht als durchaus sicher,
sondern nur in Ermangelung von Besserem als Anhaltspunkte gelten können,
1. Ein Schiff, das bei Gabelsflach nordöstlichen Strom hatte, wird bei
Bülk wahrscheinlich auch nordöstlichen, etwas mehr nach Norden setzenden
Strom haben, Gerade entgegen laufender Strom ist aber nicht ausgeschlossen.
2, Ein Schiff, das bei Gabelsflach südöstlichen Strom hatte, wird bei Bülk
wahrscheinlich auch südöstlichen, meistens etwas Östlicher setzenden Strom
haben; auch nordöstlich setzender Strom bei Bülk ist nicht ausgeschlossen, wenn
bei Gabelsflach südöstlicher Strom war.‘
3. Ein Schiff, das bei Gabelsflach südwestlichen Strom hatte, wird bei
Bülk wahrscheinlich viel südlicher setzenden Strom finden. Entgegenlaufender
nordöstlicher Strom ist aber nicht selten; am seltensten ist mitlaufender.
4. Ein Schiff, das bei Gabelsflach nordwestlichen Strom hatte, wird bei
Bülk wahrscheinlich südwestlichen, möglicherweise jedoch auch nordwestlichen,
meistens aber mehr nach links setzenden Strom finden. Entgegenlaufender
südöstlicher Strom kann vorkommen,
Die Stärke der Strömungen war, wie schon vorn erwähnt worden ist, bei
Bülk-Feuerschiff iin allgemeinen geringer als bei Gabelsflach. Die untersten
Reihen der Tabelle VI zeigen, daß 61°, der gleichzeitigen Stromresultanten
kleiner “als bei .Gabelsflach waren, 31°, waren größer und 8° , stimmten mit
denen von Gabelsflach überein.
Die größeren Werte der Stromresultanten bei Bülk entfallen hauptsächlich
auf südwestliche Strömungen, die bei Gabelsflach keinen hohen Wert erreicht
haben. Die nordwestlichen Stromresultanten haben dagegen ihrer Häufigkeit
entsprechend — indem die am häufigsten vorkommenden Strömungen auch die
stärksten (und umgekehrt) zu sein pflegen — bei Gabelsflach die größten, bei
Bülk die kleinsten Höchstwerte erreicht.
VIII. Die Strömung im Großen Belt nach Beobachtungen
von $S. M. S. »Arkona«.
‘Hierzu eine Stromskizze und die synopt. Wetterkarten vom 13., 14. und 15, März 1906, Taf. 28.)
{m Anschluß an die vorstehende Arbeit über die Strömungen bei den
Feuerschiffen im Kattegat und in der westlichen Ostsee mögen noch einige,
einen besonderen Fall darstellende Strombeobachtungen besprochen werden, die
von S. M. S. »Arkona« stammen. Die Beobachtungen haben besonderen Wert,
weil sie, zum Teil unter außergewöhnlichen Verhältnissen angestellt, nicht nur
zeigen, daß unter besonderen Umständen auch starke Strömungen gegen. den
Wind vorkommen können, sondern auch, weil das Schiff bei der Stärke der
Strömungen Gelegenheit gehabt hat, ihren Verlauf in der tiefen Rinne entlang
zu beobachten und damit wichtige Fingerzeige zu geben.
S. M. S. »Arkona« hatte
i. am 5. März 1906 zwischen 4 und 5% nachmittags zwischen Guiben-
Lecht-Tm. und Hatter Barn starke Stromkabbelung und weiter nördlich süd-
westlichen Strom von 3.5 Sm Geschwindigkeit in der Stunde,
Die Wetterlage war etwa folgende: Der Luftdruck nahm von Süden nach
Norden ziemlich gleichmäßig ab, über Finnland lag eine nicht besonders tiefe
Depression und über der westlichen Nordsee und der südlichen Ostsee herrschten
mäßige bis frische Westwinde. Unter diesen Umständen ist der in die Ostsee ein-
laufende Strom, dessen Richtung SW der tiefen Rinne folgt, durchaus erklärlich,
umsomehr. als schon am Tage vorher stürmische SW- und W-Winde im Skagerrak