Wettbewerb-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1905—1906. 367
eine Sachverständigen-Kommission zusammenberufen, um die zuletzt erwähnten
Chronometer einer Inaugenscheinnahme zu unterziehen. Die Kommission bestand
aus folgenden Herren:
Chronometerfabrikant E. Bröcking-Hamburg,
F. Dencker-Hamburg,
J. E. W. Sackmann-ÄAltona,
Direktor der Uhrmacherschule Prof, L. Strasser in Glashütte i./Sa.
sowie aus dem Direktor und den Beamten der Abteilung IV der Deutschen See-
warte. Nach sorgfältiger Durchsicht der Instrumente gaben die Mitglieder der
Kommission die Überzeugung zu Protokoll, daß kein Grund vorhanden sei, den
deutschen Ursprung der einzelnen Teile der Chronometer in Zweifel zu ziehen.
Die Instrumente wurden demgemäß mit der Anwartschaft auf Prämiierung in
die Prüfung eingestellt.
{n gleicher Weise wie bei den früheren Prüfungen wurden die Chronometer
während der Untersuchungszeit an jedem zweiten Tage um 10 Uhr mit den Normal-
uhren der Abteilung IV der Deutschen Seewarte auf chronographischem Wege
verglichen, *
Zur Herstellung einer unabhängigen Kontrolle wurde außerdem an jedem
Dekadentage eine zweite Vergleichung der zu prüfenden Chronometer in unmittel-
barem Anschluß an die erste vorgenommen. —- Die regelmäßigen zweitägigen
Uhrvergleichungen sowie die Zeitbestimmungen wurden durch den Hilfsarbeiter
Herrn Kuno Heuer ausgeführt; an den Rechnungen beteiligte sich außerdem der
zur Deutschen Seewarte kommandierte Vermessungssteuermann Herr E. Mowitz.
Während der beiden ersten Dekaden der Prüfungszeit (1905 November 13
bis Dezember 3) wurden die Instrumente allmählich bis auf 30°C. erwärmt.
Alsdann wurden dekadenweise die Temperaturen
30° 25° 20° 15° 10° 5° 5° 10° 15° 20° 25° 30°
möglichst innegehalten, und zwar wurden beim Übergange von Dekade zu Dekade
stets allmähliche Temperatur-Veränderungen vorgenommen, Während der beiden
letzten Dekaden der Prüfung (1906 April 2 bis April 22) wurde die Temperatur
von 30°C. bis auf Zimmertemperatur nach und nach vermindert. Es ist während
der vorliegenden Prüfung durchweg gelungen, die beabsichtigten Mitteltemperaturen
innerhalb einiger Zehnteile des Grades herzustellen; nur während der 6. und
7. Dekade konnte wegen der milden Witterung die vorgeschriebene Temperatur
von 5° nicht erreicht werden.
Gleichzeitig mit den Chronometern wurden die Thermochronometer (nicht
kompensierte Chronometer) Eppner Nr. 20 und Tiede Nr. 108 verglichen, und
es sind die mittleren täglichen Gänge derselben am Fuße der Tabelle angegeben.
Unter den Rubriken, welche diese in Sekunden ausgedrückten Werte ‚enthalten,
folgen alsdann die aus den täglichen Ablesungen der meteorologischen Instrumente
gebildeten Mitteltemperaturen sowie die Extreme der während der betreffenden
Dekade beobachteten mittleren Tagestemperaturen, In der letzten Reihe sind schließ-
lich die Mittelwerte der an den Koppeschen Haarhygrometern abgelesenen relativen
Feuchtigkeiten im Inneren des Prüfungsapparates angegeben,
Die Ableitung der für die Güte der Chronometer maßgebenden Zahlen sowie
die Einteilung in Klassen wurde auf Grund der Bestimmungen ausgeführt, welche
in der von der Deutschen Seewarte erlassenen Aufforderung zur Beteiligung an
der 29. Wettbewerb-Prüfung enthalten sind. Diese Bestimmungen lauten:
»Nach beendigter Prüfung werden sämtliche Chronometer, soweit sie sich
überhaupt als brauchbar für die nautische Praxis erweisen, in vier Klassen ein-
geordnet, für welche die Höchstbeträge der später zu erklärenden Gütezahlen
folgendermaßen festgesetzt worden sind:
Klasse I IT III IV
A\+2B+C 2.505°k 5.005ek 6.5080 10.008°k
B 0.755ek 1.205ek 1,605ek 2,5050
74 0.010sek (0. 0155sek 0.09258sek 0.050sek