Schott, G.: Übersicht der Meeresticfen in einer Weltkarte,
Im Caspi-See sind in dankenswerter Weise die wichtigsten Tiefen-
messungen verzeichnet; vielleicht ist es tunlich, auch bei einigen anderen
Seen, z. B. dem Ladoga-See usw. solche Zahlen anzubringen, soweit es der
Maßstab erlaubt. Daß das‘ Ochotskische Meer dringend weiterer Ablotung
bedarf, erheilt aus den wenigen für den südlichen Teil nunmehr vorliegenden
Zahlen. Höchst interessant sind die im Bereiche des sogenannten »Carolinen-
Grabens« bisher enthüllten Bodenformen des Weltmeeres, insbesondere die in
der Nähe der größten aller Meerestiefen mit 9636 m östlich von der Marianen-
Insel Guam. Das Charakteristische ist‘ nämlich, daß auf die ebenso tiefe wie
schmale Rinne, .die der Ostseite der Inseln Guam, Tinian, Saipan usw, in
Nord-Süd-Richtung angelagert ist, eine Reihe von deutlich markierten Er-
hebungen oder Rücken in WSW—ONO-Richtung folgt; diese Rücken zeigen
stellenweise solch erhebliches Aufragen aus der Tiefsee, daß nur 1977 m, ja
1260 m und 1317 m Wasser über ihnen steht. Man gewinnt den Eindruck,
als ob zwischen zwei Horsten (dem westlichen, von den Inseln selbst
repräsentierten Horst und dem östlichen, von den unterseeischen Rücken
cepräsentierten Horst) eine mächtige Grabenversenkung vorhanden sei, In
diesem ganzen Gebiet sind übrigens schon neuere Lotungen, die die Monaco-
Karte noch nicht benutzen konnte, angestellt worden, so z. B. von dem
englischen Kabelleger »Colonia«, von dem deutschen Kabelleger »Stephan« und
von dem im Dienste der deutsch-niederländischen Telegraphengesellschaft zu
Köln tätig gewesenen niederländischen Vermessungsfahrzeug »Edi«, Sobald
alle diese Messungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt sein werden,
wird ein noch klareres Bild als bisher von den Bodenformen des Stillen
Ozeans im Osten von den Philippinen gegeben werden können; auch von dem
»Planet«, dem neuen Vermessungsfahrzeug der deutschen Marine, erwartet
die Wissenschaft grade für diese Gegend Fortschritte unserer Erkenntnis,
Im südlichen Stillen Ozean bedarf’ ein Punkt der Aufklärung; er
betrifft die Gegend zwischen der Südinsel Neuseelands und der Chatham-Insel.
Hier fällt dem Beschauer ‚der Monaco-Karte ein bis zu 6309 m hinabreichendes
Tiefbecken auf, während nach anderen Karten die Chatham-Insel mit Neuseeland
auf einem gemeinsamen, noch nicht 1000 m tiefen Plateau liegt. Hier liegt
wohl ein Irrtum der Monaco-Karte vor. Alle Seekarten geben für zwei unter
rund 43° 50 S-Br. zwischen 178° und 179° O-Lg. gelegene Lotstellen über-
einstimmend 345 und 319 Faden an, die Monaco-Karte aber 6309 m
(= 3450 Faden) bzw. 5834 m (= 3190 Faden): die Entstehung des Irrtums ist
also offensichtlich. Das Tief zwischen Chatham-Insel und Neuseeland existiert
nicht, eine Tatsache, die für die morphologische Stellung der Chatham-Insel
von erheblicher Bedeutung ist. Dr. G. Schott.
07
Über das neue Modell des Fluidkompasses von Magnaghi.
Nebst Bemerkungen zur Theorie der teilweise auf Nadelinduktion beruhenden
Quadrantalkorrektoren.
Von Dr. H. Meldau, Oberlehrer an der Seefahrtschule in Bremen.
In den Heften vom August/September und Oktober des Jahrganges 1905
der »Rivista Marittima« sind in einer Arbeit von Augusto Santi eine Reihe
von Verbesserungen am Kompaß von Magnaghi beschrieben, über die im
folgenden referiert werden soll. ,
Es dürfte angezeigt sein, einige allgemeine Bemerkungen über den in
Frage stehenden Kompaß voranzuschicken.!)
Der vom Hydrographischen Amte der Königl. italienischen Marine
nach Plänen des Vize-Admirals G, B. Magnaghi konstruierte Fluidkompaß
y Unter Zugrundelegung von »La Bussola a Liquido della R. Marina ete.« Genova 1898,