364 Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1906.
in der mit 2 ccm geimpften nur 19 getrennte Kolonien. Eine Öffnung der
Schalen wurde erst vorgenommen, wenn die Kolonien ineinander zu wachsen
ärohten. Bis dahin erfolgte die Beobachtung unter schwacher Vergrößerung mit
einer Lupe. Die Beschreibung der einzelnen Kolonien und ihrer Keime kann erst
später erfolgen, schon deshalb, weil eine Züchtung auf anderen Nährböden, als
so schwer schmelzbaren, in den Tropen unausführbar ist.
Bei einer zwei Tage früher vorgenommenen Züchtung in Granscher und
Baurscher Nährlösung, allerdings aus größeren Mengen Seewassers, fand sich
in fast allen Röhrchen Bakterienwachstum, darunter vielfach Keime, welche Stick-
stoff zu zerstören vermochten, Es ergab dieser Impfversuch, wie auch sonst oft
bestätigt wurde, daß entweder peptonhaltige Nährlösungen zur schnellen Züchtung
verschiedener stickstoffzerstörender Keimarten geeigneter sind als die von Gran
angegebene Nährlösung oder, daß die von Baur und Feitel beschriebenen
Gruppen von Meeresbakterien oder verwandte Arten allgemeiner verbreitet sind
als die von Gran beschriebenen, Auch dies läßt sich erst später nach Isolierung
der verschiedenen Arten mittels des Plattenverfahrens weiter verfolgen.
Die Stickstoffuntersuchungen werden nach der von Dr. Raben in
Kiel ausgearbeiteten Methode, welche im wesentlichen in den »Wissenschaftlichen
Meeresuntersuchungen« — herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung
der deutschen Meere — veröffentlicht sind, ausgeführt, Als Wärmequelle zu den
Destillationen steht ein elektrischer Heizapparat zur Verfügung. Zum Abdestillieren
des im Wasser fertig vorhandenen Ammoniaks wird ein Petroleum-Gaskocher
benutzt. Da das vom Trinkwasser-Destillierapparat an Bord gelieferte Wasser
noch minimale Spuren von Ammoniak aufweist, so wird der Bedarf von völlig
einwandfreiem destillierten Wasser mit einem kleinen von der Firma Lauten-
schläger gelieferten Destillierapparat selbst hergestellt. Die größte Schwierigkeit
bietet die exakte Reinigung der vielen Gläser und Kolben, welche zu diesen
Untersuchungen nötig sind. Der geräumige, durch große Seitenfenster erleuchtete
Zeichensaal ist für das kalorimetrische Verfahren sehr geeignet, An der der
Sonne abgewandten Seite findet sich immer ein Arbeitsplatz mit zerstreutem,
längere Zeit gleichbleibendem Licht, Die Untersuchungen, welche jede Woche
etwa 1 mal vorgenommen werden, finden, wenn angängig, an denselben Tagen
statt, an denen Impfversuche zum Nachweis denitrifizierender Bakterienarten
gemacht werden.
Am 28, Januar 1906, 2b N. wurde in 11° 31’ W-Lg., 41° 19’ N-Br. Ober-
flächenwasser von 14° Temperatur mittels obenerwähnter Methode untersucht,
Es fand sich, ausgerechnet auf 1 Liter Wasser:
0.0073 mg Ammoniak,
0.0404 » Nitrit + Nitrat,
0.045 » Gesamtstickstoffbetrag,
An sechs verschiedenen Stellen im Atlantischen Ozean wurden außer dem
Oberflächenwasser Wasserproben aus je 400 und 800 m Tiefe der Untersuchung
unterworfen; 2 mal auch Wasser aus 3000 m Tiefe. Diese Proben mußten zum
Teil nach Zusatz von 1 g Sublimat, also in vergiftetem Zustande, untersucht
werden. Die Methode ist in diesem Falle etwas modifiziert (ebenfalls von
Dr. Raben angegeben).
Am 5. März 1906, 6b 30m N, in 6°13’ W-Lg., 473’ N-Br. wurde Wasser aus
800 m Tiefe, Temperatur 5.5° C., untersucht.
Es fand sich pro Liter:
Ammoniak , . 0.0.0.0.
Nitrit + Nitrat . ;
Gesamtstickstoff. ... . ..
In 400 m Tiefe, Wassertemperatur 8.57, fand
Ammoniakmenge . . .. ;
Nitrit + Nitrat. ..
Gesamtstickstoffmenge