XIV. Biologisch-bakteriologische Arbeiten S. M. S. »Planet«, 363
Im Oberflächenfang, der lebend untersucht wurde, fand sich viel Trichodes-
mium, Peridineen, Ceratien, Tintinnen, Radiolarien, besonders Akanthometriden,
Copepoden, Pteropoden und zahlreiche Nauplien, Im Guinea-Stromgebiet, Station 16,
am 5. März 1906, 82V. auf 4° 3’ N-Br., 6°.18’ W-Lg., wurde ausgerechnet auf
1 cbm gefangen: ;
von 200 bis 100 m 0.165 ccm
>» 100 » 5 » 0.42 »
5 » 0> 525 »
Bei der sofort vorgenommenen Untersuchung des Oberflächenfanges fanden
sich zahlreiche Copelaten, viele Copepoden mit Eiersäcken, Radiolarien, Globigerinen
ebenfalls reichlich, ein Pteropod, kleine Quallen, Sagitten, zahlreiche Cystoflagellaten,
ein Nereide, Trichodesmium, Chaetoceras, Ceratien, Thallosiothrix, Peridineen
und Nauplien. In Appendiculariengehäusen wurden Coccolithophoriden gefunden,
Auf Station 27, am 21. März 1906, 54 N. auf 17° 22’ S-Br., 0° 13’ W-Lg., wurde
pro cbm gefangen:
von 200 bis 100 m 0.026 ccm ;
» 100 >» 5 » 0.06 «
5 >» 0« 1.05 >»
Die Untersuchung des Oberflächenfanges ergab mehrere kolonienbildende
Radiolarien, Globigerinen, einzelne Copelaten, unter den Copepoden besonders
Calaniden, Thallasiothrix, Siphonophoren und Nauplien. Im Hafen von Freetown
fanden sich außerordentlich große Mengen von Diatomeen (Rhizosolenia-, Istmia-
arten), so daß Material zur chemischen Analyse gewonnen werden konnte,
Zu bakteriologischen Arbeiten steht ein elektrisch geheizter Sterili-
sationsapparat und ein einfacher, auf offenem Herdfeuer aufstellbarer Dampf-
sterilisator zur Verfügung. Letzterer ist zur Reserve mitgenommen. Zur Trocken-
sterilisation von Glassachen dient ein gußeiserner innen mit Asbest belegter Topf,
welcher auf dem Herdfeuer stark erhitzt werden kann. Als Brutschrank wird
ein einfacher aus Zinkblech selbstgefertigter Wandschrank verwandt. Ein kleiner
Schlingertisch zum Plattengießen vervollständigt das einfache Instrumentarium,
Außer den üblichen Petrischalen sind zum Züchten von Bakterien auf erstarrenden
Nährböden niedrige, etwa 5 cm hohe Erlmayerkolben mitgenommen. Dieselben
werden mit einer kleinen Petrischale geschlossen und verkehrt aufgestellt. Die
Nährbodenschicht ist auf diese Weise gut vor Kondenswasser geschützt. Die
Kolben sind aber bei stärkeren Schiffsbewegungen zu wenig stabil. Nach Fischers
Anweisung wird hauptsächlich Seewasserfisch — (zu gleichen Teilen) Bouillon-
Agar — (2%) Gelatine (10%) als fester Nährboden verwandt, Allwöchentlich
etwa werden Impfungen vorgenommen, meistens je zwei Schalen gegossen mit
Nährboden, dem 5 ccm, zwei, dem 2 ccm und zwei, dem 1 ccm Oberflächenwasser
beigemengt ist. Fast immer werden aber gleichzeitig zur Züchtung insbesondere
denitrifizierender Bakterienarten Nährlösungen mit Oberflächenwasser beschickt,
welche nach Angabe von Baur und Gran hergestellt oder doch nur unwesentlich
modifiziert sind. Diese Nährlösungen werden mindestens drei Wochen lang
beobachtet, auf Bakterienwachstum überhaupt, Nitritbildung und Denitrifikation
untersucht mittels angesäuerter Jodkalistärkekleisterlösung und mittels Diphenyl-
aminsulfat-Lösung am 1., 2, 4., 7., 14. und 21. Tage. Nach Abschluß dieser
Untersuchungen werden die Röhrchen, in denen Keimwachstum zu bemerken ist,
aufbewahrt zur späteren Feststellung der Keimarten und weiterer physiologischer
Merkmale derselben. .
So wurde am 21. Februar 1906, 5h 30min N, in 9° 28’ N-Br., 19° 26’ W-Lg., im
Nordäquatorialstrom bei sehr geringem Seegang und einer Wassertemperatur
von 26.7° Seewasser-Fischbouillon-Agar 2 °/, beschickt für je eine Petrischale mit
5 ccm, ferner zwei mit 2 ccm und zwei mit 1 ccm Oberflächenwasser., Eine siebente
Schale wurde ohne Seewasserzugabe zur Feststellung der Keimfreiheit des Nähr-
bodens selbst gegossen. Die Lufttemperatur betrug durchschnittlich 25° C. Nach
48 Stunden wurden die ersten Kolonien in den beiden mit 5 ccm und in einer
mit 2 ccm beschickten Schale beobachtet. Es fanden sich auf den beiden ersten
Schalen 36 bzw. 50 ungleichmäßig über die ganze Oberfläche verteilte Kolonien.