XI. Ozeanographische Arbeiten S.M. S. »Planet« im Nordatlantischen Ozean. 355
A. Ozeanographische Ausrüstung.
s Die Erfahrungen, welche bis jetzt mit den einzelnen Maschinen (Lot-
maschinen und Heißtrommel) gemacht sind, lassen sich dahin zusammenfassen,
daß die Sigsbee-Lotmaschine sicherer arbeitet als die Lucas-Lotmaschine; aller
Verlust an Draht und Instrumenten, welcher bislang erfolgt ist, fand bei Benutzung
der Lucas-Maschine statt. Letztere hat allerdings den Vorteil, daß sie durch den
elektrischen Antrieb ein schnelleres Arbeiten ermöglicht und handlicher ist;
anderseits liegt der Draht besser auf der größeren Trommel der Sigsbeemaschine,
auch ist die Beanspruchung des Drahtes auf Zug bei dieser Maschine. leichter
festzustellen wie bei der Lucasmaschine. An Bord wird zur Zeit nur: mit der
Sigsbeemaschine gearbeitet. Die ozeanographische Heißtrommel hat den Fehler,
daß sie nur ein relativ langsames Arbeiten gestattet; beim Fieren und Hieven
der Litze beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit für 100 m: 70 Sekunden,
Über die Instrumente, mit denen die Lotungen und Serienbestimmungen
ausgeführt werden, liegen bis jetzt folgende Erfahrungen vor. Bei Tiefen bis
zu 5000 m sind unter Benutzung der Sigsbee-Lotspindeln und Belastungs-
gewichten von 25 kg mit der Sigsbee-Lotmaschine stets gute Grundberührungen
erzielt worden. Die Bachmannschen Schlammröhren haben beim Heraufkommen
fast stets eine Grundprobe geliefert. — Die längste betrug etwa 55 cm. — Die
Konservierung der Schlammproben erfolgt durch Trocknen und wenn möglich
in einer Glasröhre; die Glasröhren dürfen nicht zu eng sein um die beim Trocknen
gebogene und oft durch das Herausdrücken etwas geschwollene Probe aufzu-
nehmen. Auf flachem Grunde hat die Monaco-Grundzange sich gut bewährt, sie
förderte in der Nähe der Kap Verdischen Inseln große Mengen von korallinen
Kalkalgen und Globigerinensand; nach mehrmaligem Gebrauch brach jedoch die
Schraube, um welche sich der Sperrhebel dreht, welcher die beiden Zangenteile
auseinander hält, so daß der Hebel verloren ging. Die Reparatur konnte mit
Bordmitteln erfolgen. Die Maximum-Minimum-Thermometer von Negretti und
Zambra, welche mit dem Lot am Vorläufer heruntergegeben wurden, haben
ebenfalls gut funktioniert; bei den Sigsbee-Schöpfern hat die Schraube, welche
ein Öffnen der Ventile beim Hieven verhindert, im Anfang mehrfach versagt,
da die Flügel, welche das Hinunterdrehen der Schraube beim Beginn des Hievens
veranlassen, beim Fieren dieselbe fest nach oben angezogen hatten, so daß nachher
der Wasserdruck nicht wirksam genug war. Durch Hochschrauben der Flügel
und Niederschrauben der Schraube um einen Gang wurde dem UÜbelstand ab-
geholfen.
Bei den Temperatur-, Salz- und Gasgehaltsbestimmungen in der obersten
1000 Meterschicht wurde zur Entnahme der Wasserproben meist der von Zwickert
in Kiel nach Angaben Professor Krümmels konstruierte Wasserschöpfer benutzt,
da der Pettersson-Nansen-Schöpfer zu wenig Wasser lieferte. Da ersterer
durch Fallgewicht ausgelöst wird, mußte der Thermometer-Kipprahmen (Modell
des Instituts für Meereskunde, Berlin), welcher zur Kontrolle des Thermometers
beim Krümmel-Zwickert-Schöpfer mit hinuntergegeben wurde, unten angehängt
werden; außerdem kam an den Thermometerrahmen noch ein Gewicht. Diese
Belastung hat die Aufhängevorrichtung des Schöpfers nicht vertragen, es ergab
sich einerseits durch die Vergleiche des dem Schöpfer beigegebenen Thermometers
und der im Rahmen befindlichen Thermometer, anderseits durch direkte Versuche,
daß der Schöpfer zuweilen auslöste, ehe das Fallgewicht heruntergelassen war.
Dadurch, daß in Zukunft nur der leichte Rahmen der englischen Kippthermometer
unten an den Schöpfer gehängt und die Enden der Federn, welche die Auf-
hängung des Schöpfers sichern, mehr gebogen wurden, wurde ein exaktes
Funktionieren gesichert. Die Thermometer, welche zu diesen Serienbestimmungen
benutzt wurden, sind von C. Richter in Berlin geliefert; sie sind versehen mit
Schutzvorrichtungen gegen Nachfließen des Quecksilbers und ergeben bei gleich;
zeitiger Benutzung mehrerer Exemplare in gleichen Tiefen recht gute Überein-
stimmung. Leider hat sich jedoch gezeigt, daß bei einzelnen Instrumenten die
obere Kuppe des Umhüllungsrohres ohne jede sichtbare äußere Veranlassung
glatt, kreisförmig abspringt; bei der Benutzung der Thermometer im Krümmel-