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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
erfahren. Zunächst vergleicht der Verfasser die Einwirkung des Windes auf die verschiedenen Eisarten 
mit derjenigen der Strömung und stellt auf Grund theoretischer Berechnungen zwei Gesetze auf, deren 
Richtigkeit dam an der Hand des reichen empirischen Materials erwiesen wird. Es folgt eine systematische 
Darstellung der Strömungsverhältnisse im Bereiche der Baffin-Bai und des Arktischen Archipels bis 
etwa 80° N-Br. und 120° W-Lg. auf Grund der KEistriftphänomene unter Mitberücksichtigung von 
\Wassertemperaturen. Aus einer zitierten Schilderung von Kane ersieht man, wie schwierig ein solcher 
Versuch ist: nach Kane sind nämlich drei Horizontalstromschichten zu unterscheiden; das Feldeis ist 
vor allem dem Einfluß der obersten dünnen Schicht ausgesetzt, der von jedem Winde beeinflußten 
Oberflächentrift, die indes nicht identisch ist mit dem relativ konstanten Oberflächenstrom, der in 
tiefere Schichten hinabreicht; der Einwirkung beider Strömungen und oft wohl auch noch derjenigen 
der Unterströme sind die Eisberge ausgesetzt. Sich nach den Triften beider Eisarten ein Oberflächen- 
strombild zu konstruieren, mag also gewagt erscheinen; jedenfalls hat der Verfasser die vielfach =ver- 
worrene und unstete Strömungen « kennzeichnenden Triftangaben mit großem Fleiß gesondert und gibt 
auf einer Karte ein Strombild wieder. das den wahren Verhältnissen ziemlich entsprechen dürfte, zumal 
es verschiedene bisher noch unklare Phänomene — z. B. die Herkunft des »Nordwasserss — in un- 
gezwungener Weise erklärt. 
Den Hauptwert möchte Referent auf die weiteren Ausführungen legen, welche zeigen, wie sich 
die Witterungsverhältnisse »vorwiegend in den Variationen der Kistrift, den Verschiedenheiten in 
Menge, Verteilung usw.‘ von Jahr zu Jahr wiederspiegeln«. Bei der Sommer witterung des voraus- 
gehenden Jahres, deren Charakter durch Lage. Ausdehnung und Intensität des ostgrönländischen Hoch- 
druckgebietes einerseits und des Baftin-Bai-Minimums andrerseits bestimmt ist, liegt die Hauptentscheidung 
dafür, ob ein an Bergeis reiches oder armes Jahr bei Neufundland zu erwarten ist, Herbst- und Winter- 
wetter wirken hierauf nur modifizierend, sind dagegen für die Meereismenge ausschlaggebend, Kine 
Anleitung zur Vorhersage der Eisverhältnisse bei Neufundland schließt diesen Hauptteil der Abhandlung, 
Beigefügt ist der Arbeit eine Anzahl von Tafeln und Karten, die die Temperatur-, Witterungs- 
und Stromverhältnisse darstellen und in sehr anschaulicher Weise auch die Kisverhältnisse in den 
einzelnen Jahren wiedergeben, Castens 
Rühl, Dr. Alfred: Beiträge zur Kenntnis der morphologischen Wirksamkeit 
der Meeresströmungen (Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde 
und des Geographischen Instituts, Heft 8). 8° 44 S. Berlin 1906. 
E. S. Mittler & Sohn. 2 Mk. 
Ferdinand v. Richthofen, der große Meister der Erdkunde, der als Geologe begonnen, hat 
in seinen letzten Lebensjahren sich vielfach mit ozeanologischen Problemen befaßt. Für den Schöpfer 
des Instituts für Meereskunde, den Förderer deutscher ozeanographischer Forschung, ist cs selbst- 
verständlich und dankbar anzuerkennen, daß er nicht nur selbst schuf, sondern auch andere zur Arbeit 
auf diesem Gebiete anregte, So ist es kein Zufall, daß gerade von den letzten Dissertationen, die unter 
Richthofen entstanden sind, mehrere in den Bereich der physischen Meereskunde fallen. Auch die als 
Heft 8 der Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde vorliegenden Beiträge zur Kenntnis 
der morphologischen Wirksamkeit der Meeresströmungen von Rühl sind der vollständige Abdruck 
einer vorher im. Auszug erschienenen Dissertation. 
Richthofen selbst hat seine Ansicht über die transportierende und ablagernde Tätigkeit der 
Meeresströmungen an verschiedenen Stellen seines Führers für Forschungsreisende ausführlich dargelegt. 
Er tritt entschieden dafür ein, daß den Meeresströmungen eine hochbedeutsame Rolle bei der Bildung 
ler Schwemmlandküsten zukommt. Penck, Lapparent u. a. pflichten ihm bei. Gegenteiliger Meinung 
sind von deutschen Forschern vor allem Krümmel und Philippson, dem der seitliche Transport 
durch die ziekzackförmigen Bewegungen der Wellen die Ursache der Sedimentverschleppung ist. Unter 
Berücksichtigung einer ausgedehnten Literatur, die auch für eine kurze geschichtliche Entwicklung der 
behandelten Frage benutzt wird, lassen theoretische Betrachtungen Rühl sich für die erstere Ansicht 
entscheiden, wenngleich er auch eine Tätigkeit der Wellen nebenher nicht leugnet. Das Ergebnis 
wendet er dann auf die Lagunenbildung bei Venedig an und zeigt, daß in diesem Falle allein Meeres- 
strömungen in Betracht kommen. 
Gewissermaßen eine Arbeit für sich bildet die 12 Seiten umfassende Literaturübersicht, die eine 
wohl erschöpfende Zusammenstellung aller den Gegenstand behandelnden Arbeiten bietet, (ierade bei 
der Exaktheit des Verzeichnisses dürfte es aber nicht vorkommen, daß Werke im Verzeichnis und unter 
dem Text einen verschiedenen Titel erhalten. In Anmerkung 5 auf Seite 27 muß es richtig: Richter, 
die Gletscher der Ostalpen, heißen. Über die Berechtigung, im Deutschen der Rhone, dem Französischen 
entsprechend, das männliche Geschlecht beizulegen, kann man verschiedener Meinung sein. 
Rudolf Lütgens,. 
L. Ugueto, Director del Observatorio Cagigal: Methodo gräfico analitico para 
Ja predicciön de las occultaciones en vista de la determinaciön de las 
longitudes. 8° 948. Caracas 1905. Herrera Irigoyen & Ca. 
Verfasser hat Tafeln zur Vorausberechnung von Sternbedeckungen und Finsternissen für den 
Breitenparallel 10° 30 & berechnet und zeigt deren Anwendung an einigen Beispielen. Tafel B gibt 
den Mondhalbmesser als Funktion von Stundenwinkel und Abweichung; Tafel C' gibt mit dem Argument: 
Stundenwinkel, genäherte Zeiten des Ein- und Austritts; Tafel D gibt die Berichtigung dieser Zeiten 
für Mondbewegung. Den Hauptinhalt der Broschüre bilden die Tafeln M und N. Tafel M gibt mit 
dem Argument: Stundenwinkel die Parallaxe des Mondes in gerader Aufsteigung. Die Formel zur
	        
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