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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
geben. Die Arbeit soll vielmehr zeigen, daß (und zwar in Übereinstimmung mit 
den aufgestellten theoretischen Formeln) stets und immer die Möglichkeit des 
Einflusses der elektrischen Anlagen vorhanden ist und daß die Größe dieses 
Einflusses unter Umständen sehr erheblich sein kann, und zwar, ohne daß be- 
sonders komplizierte Voraussetzungen dabei zu machen sind. Bei der immer 
mehr zunehmenden Größe der elektrischen Anlagen an Bord (die neueren Schnell- 
dampfer wie »Kronprinz Wilhelm«, »Deutschland« usw. haben Anlagen von mehr 
als 300 KW. Leistung, also Anlagen, die gleich groß oder größer sind als die 
Elektrizitätswerke mancher Städte von 20 000 bis 25 000 Einwohnern), scheint es 
unerläßlich, diesen Einflüssen immer mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. 
Wenn Herr Meldau sagt, daß bei Anwendung von Gleichstrom nur die 
besten Erfahrungen gemacht worden sind, so ist das so aufzufassen, daß die 
Schwierigkeiten dieses Systems bisher immer überwunden werden konnten, Wenn 
man aber z. B. die viel weniger Gewicht und Raum beanspruchenden Dampf- 
turbinen mit 2000 bis 3000 Umläufen in der Minute zum Antriebe der Dynamos 
verwenden will, so macht der Kommutator der Gleichstromdynamos in bezug auf 
funkenfreien Gang wesentliche Schwierigkeiten. Hier ist wie auch noch in ver- 
schiedenen anderen Beziehungen der Drehstrom der geeignetere (s. C. Arldt, 
Über die bei elektrischen Anlagen an Bord von Schiffen zu verwendende Stromart, 
»Schiffbau«, V. Jahrgang 1904, Heft 18, 19, 22, 23, 24). 
Ferner ist auch bei den besten Anlagen ein Schiffsschluß möglich und 
kann unter Umständen sehr zu beachtende Kompaßablenkungen bewirken. Über 
einen derartigen Schiffsschluß hat Unterzeichneter in der »Elektrotechnischen 
Zeitschrift« 1906, S. 397, berichtet. Derartige Fälle sind auch gegenwärtig selbst 
bei der jetzt besseren Verlegungsweise der Leitungen. nicht ausgeschlossen, die 
Wahrscheinlichkeit steigt vielmehr mit der Größe der Anlagen. 
Es steht also bei Gleichstromanlagen der Schiffsführer einer 
unzweifelhaft und dauernd sicheren Schiffssteuerung stets ungewiß 
gegenüber. Wirksame Abhilfe kann hier nur die Anwendung von Drehstrom 
bzw. Wechselstrom schaffen. 
Gerade auf die stete Möglichkeit derartiger Umstände hinzuweisen, ist der 
Hauptzweck der Arbeit. Durch Drehstrom oder Wechselstrom würde auch der 
von Herrn Meldau mit Recht als sehr unangenehm bezeichnete Umstand weg- 
fallen, nach welchem die vom Schiffsschluß herrührenden Flächenströme in eisernen 
Decks einen remanenten Magnetismus zurücklassen, der noch längere oder kürzere 
Zeit nachwirkt, wie denn überhaupt durch die letztgenannten Stromarten jeglicher 
kontrollierbare oder nichtkontrollierbare Einfluß der elektrischen Anlagen an 
Bord auf den Kompaß beseitigt würde. 
Berlin. Mai 1906. 
Dr.-Ing. C. Arldt. 
3. Kompaßstörungen durch elektrische Anlagen. Der von mir S. 247 und 
248 des gegenwärtigen Jahrganges dieser Zeitschrift besprochene Aufsatz des 
Herrn Dr. Ing. C. Arldt über Störungen des Schiffskompasses durch elektrische 
Ströme (»Elektrotechnische Zeitschrift« 1906, S. 70 und 91) hat im Heft 16 der 
»Elektrotechnischen Zeitschrift« (S. 396 und 397) zu einer Polemik zwischen den 
Herren Berndt und Arldt Veranlassung gegeben, die mir einige Bemerkungen 
von nautischer Seite zur Klarstellung der tatsächlichen Verhältnisse wünschens- 
wert erscheinen lassen. 
Die Herren Berndt und Arldt streiten zunächst auf Grund theoretischer 
Erwägungen über die Größenordnung der Kompaßablenkungen, die bei Verwendung 
von Gleichstrom mit einpoligem Leiternetz an Bord zu erwarten sind, Es erscheint 
müßig, diese Frage theoretisch entscheiden zu wollen; denn einerseits fehlen für 
eine solche Entscheidung schlechterdings die Grundlagen, andrerseits ist die Frage 
durch die Praxis längst entschieden, und zwar dahin, daß durch Gleichstrom- 
anlagen unter Umständen in der Tat Kompaßstörungen höchst unan- 
genehmer Art hervorgerufen werden. 
Die Klagen über solche Störungen waren naturgemäß in den ersten Jahr- 
zehnten nach der Einführung elektrischer Beleuchtung (etwa 1883) und elektrischer
	        
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