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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906.
Kleinere Mitteilungen.
1. Zum Absuchen nach Untiefen bei der Küstenvermessung. Der
Umstand, daß es an den nordamerikanischen Küsten viele Strecken gibt, welche
für tiefgehende Schiffe reichlich Wasser aufweisen, trotzdem aber für die
Navigierung. Gefahren bieten, da einzelne spitze Felsen, Korallenriffe und andere
Untiefen von kleiner räumlicher Ausdehnung einen charakteristischen Zug
dieser Küstengewässer bilden, hat U. S. Coast and Geodetic Survey veranlaßt, ein be-
sonderes Verfahren zum Absuchen nach solchen Untiefen in Anwendung zu bringen,
Es ist klar, daß auch das engste Netz von Lotlinien und das sorgfältigste
Loten ein Gebiet nicht so zu decken vermögen, daß das Bestehen unaufgefundener
Untiefen als ausgeschlossen gelten kann. Berücksichtigt man ferner, daß die auf
ein sehr eingehendes Abloten verwendete Zeit meistens in keinem Verhältnis
zur erreichten allgemeinen Genauigkeit zu stehen pflegt und die Vermessungs-
arbeiten dabei nur sehr langsam fortschreiten, so wird verständlich, daß schon
vielfach Methoden versucht wurden, um das Ziel schneller zu erreichen,
Da das von der U. S. Coast and Geodetic Survey angewandte Verfahren
von allgemeinem Interesse ist und auch nicht ausgeschlossen erscheint, daß
es gelegentlich von einem Kauffarteischiffe mit primitiven Hilfsmitteln, wie sie
sich an Bord eines jeden Schiffes bieten, mit gutem Erfolg angewandt werden
kann, um eine vermutete Untiefe oder dergl. aufzufinden, die bisher in der Karte
nicht angegeben war, deren Kenntnis aber von besonderem Interesse ist, soll
in nachstehendem dieses Verfahren, welches eine Modifikation eines schon von
dem französischen Hydrographischen Amte benutzten!) darstellt, kurz be-
schrieben werden,
Eine 305 m lange Schleppe aus galvanisiertem Stahldraht von 6 mm
Durchmesser wird durch drei größere Bojen, von welchen eine an jedem Ende
und eine in der Mitte angebracht wird, in der geforderten Wassertiefe getragen.
In Zwischenräumen von je 30.5 m dienen kleinere Spierenbojen dem gleichen
Zwecke. Die Bojereeps, aus demselben Material wie die Schleppleine hergestellt,
sind mit dieser und den Bojen durch Wirbelschäkel verbunden, In die Schlepp-
leine selbst sind, um ein Kinkenwerfen zu vermeiden, in Abständen von 15 zu
15 m ebenfalls Wirbelschäkel eingeschaltet. An die unteren Enden der an den
großen Bojen befestigten Bojereeps sind zwei Eisenkugeln von je 29 kg Gewicht
als Sinker angebracht, während die Reeps der kleinen Bojen 4 kg schwere Blei-
ljote tragen. Die kleinen Bojen sind mit Flaggenstock und einer Flagge ver-
sehen und um den Topp des Flaggenstricks ist ein Pfund Plattenblei gelegt,
damit diese Bojen leicht umfallen können, wenn die Schleppe an einem Wider-
stande hakt. Das Umfallen einer oder mehrerer kleiner Bojen soll also das
Vorhandensein einer Untiefe markieren.
Bei Benutzung dieses Apparates fanden 3 Dampfbarkassen Verwendung,
von welchen eine mit 15m Leine die mittlere, die beiden anderen mit 7,5 m
Leine die Endbojen schleppten. Der zu steuernde Kurs und die Fahrt, welche
ietztere in der Regel 1.5 bis 2 Sm betrug, wurden vom Mittelboot durch beständige
Winkelmessungen, die sofort in eine Bootsarbeitskarte eingetragen wurden,
kontrolliert. Die beiden Endboote hatten ebenfalls in gleichen Intervallen
Winkel zu messen, welche jedoch in die endgültige Arbeitskarte eingetragen
wurden, um damit das abgesuchte Gebiet zu bezeichnen.
Ein weiteres Dampfboot, welches mit Spierentonnen, Ankern usw. zur
eventuellen sofortigen Kennzeichnung einer aufgefundenen Untiefe ausgerüstet
war, folgte und beteiligte sich an dem Beobachten der Bojen.
Bei einer Fahrt von 1,5 bis 2Sm wurden die beiden Endboote auf einen
Zug von 57 kg beansprucht. Dieser Zug stellt die Spannung dar, die erforderlich
ist, um die eine Hälfte des Systems in einer möglichst gestreckten Kurve zu
halten und gleichzeitig mit der bestimmten Fahrt vorauszubringen. Der Winkel
zwischen der Bootsschleppleine und dem Kurse des ganzen Systems stimmt
überein mit der Diagonale eines Parallelogramms der Kräfte, bei welchem die
1) Vgl, »Ann. d. Hrdr. usw... 19083. 8. 397 u. fH.