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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
Als Schutz und Unterlage für den Pendelapparat dient ein eiserner Kessel, 
dessen Inneres leicht zugänglich ist, und der vor dem Herablassen wasserdicht 
verschlossen wird. Er ist an einem Gestell mit drei Beinen kardanisch auf- 
gehängt, so daß er stets dieselbe Lage zur Lotlinie einnimmt. Das Ganze wird 
mittels eines hinreichend starken, an dem Gestell befestigten Kabels und einer Heiß- 
trommel von einem Schiffe aus auf den Meeresboden herabgefiert, wo es durch die 
drei Beine des Gestells eine feste Aufstellung findet. Damit der Kessel infolge der 
Tiefseeströmungen nicht in eine schiefe Lage kommt, kann er von einem an den 
drei Beinen befestigten, oben und unten offenen Blechmantel umgeben werden, 
Zur Erkennung und Feststellung einer etwaigen Neigung des Kessels könnte ein 
Apparat im Innern angebracht werden, ähnlich dem Nansenschen Tiefsee- 
Strömungsmesser, 
Die Wandungen des Kessels müssen so stark gemacht werden, daß sie dem 
größten zu erwartenden Druck (etwa 1000 Atmosphären) standhalten, was sich 
bei einer kugelförmigen Gestalt des Gefäßes wohl leicht ermöglichen lassen wird, 
da ein lichter Durchmesser der Kugel. von !/, bis ?/, m genügt. Neben dem Heiß- 
kabel und in geeigneten Abständen an ihm befestigt, führt ein isolierter Leitungs- 
draht vom Schiff aus in das Innere des Pendelkessels, zum Austausch elektrischer 
Signale, deren Rückleitung durch das Wasser und das Kabel bewirkt wird. 
In dem Kessel sind zwei einander gegenüberliegende Konsolen auf einer 
Säule oder an einem Querbalken angebracht, die die Achatlager tragen, auf 
denen zwei Sternecksche Halbsekundenpendel schwingen. Während des Herab- 
fierens sind die Pendel arretiert, um die Schneiden vor Beschädigungen. zu 
schützen. Die Arretierung wird durch ein Uhrwerk langsam gelöst, das durch 
einen vom Schiff aus herabgesandten elektrischen Stromstoß in Gang gesetzt 
wird, nachdem der Apparat auf dem Meeresboden angekommen ist, Dasselbe 
Uhrwerk erteilt auch dem einen Pendel den notwendigen Anstoß durch Umlegen 
der bekannten Nase und schaltet eine Glühlampe ein, die durch eine unter dem 
Kessel angebrachte Akkumulatorenbatterie gespeist wird. 
Gegenüber der Lampe ist eine empfindliche Selenzelle angebracht, die in 
den nach dem Schiff heraufführenden Stromkreis eingeschaltet ist. Zwischen 
Lampe und Selenzelle schwingt ein mit dem Sterneckschen Pendel fest ver- 
bundener Schirm mit einem kleinen Ausschnitt hin und her, so daß bei jedem 
Durchgang des Pendels durch die Ruhelage ein Lichtblitz auf die Selenzelle fällt. 
Die dadurch hervorgerufene Widerstandsänderung im Stromkreis wird dazu 
benutzt, an Bord des Schiffes mittels eines geeigneten Apparates, etwa wie bei 
den Beobachtungen von Wulf und Lucas,') ein Signal zu geben, das also jedes- 
mal in dem Augenblick erfolgt, in dem das Pendel durch die Ruhelage geht. 
Nach den Versuchen von Ruhmer geht die Widerstandsänderung der 
Selenzelle so schnell von statten, daß sie auf die einzelnen, durch die Schwingungen 
der menschlichen Stimme hervorgerufenen Intensitätsänderungen des Lichtes an- 
spricht und daher zum Telephonieren mittels Lichtstrahles gebraucht werden 
kann. Daher wird auch die Signalisierung der Pendelschwingungen nach dem 
Schiff mit einer so großen Genauigkeit erfolgen, daß die Fehler weit unter 0.015°* 
bleiben. Zur Ableitung der Schwingungsdauer selbst werden, wie bei den Land- 
beobachtungen, die Koinzidenzen dieser Signale mit den Schlägen eines guten 
Schiffschronometers beobachtet. Wenn man den täglichen Gang dieses Chrono- 
meters bis auf 0.1°°% oder 0,2°% genau kennt, und das Pendel mehrere Stunden 
lang schwingen läßt, was durch Verdünnung der Luft im Kessel leicht zu 
erreichen ist, so wird die erzielte Genauigkeit der bei Feldbeobachtungen üblichen 
nicht allzu sehr nachstehen. 
Die Bestimmung des Chronometerganges in der eben angeführten Genauigkeit 
ist jetzt mit Hilfe der Wellentelegraphie auch an Bord eines Schiffes möglich. 
Freilich wird das Anwendungsbereich der Methode dadurch so lange beschränkt 
bleiben, bis an den Küsten aller Ozeane solche Riesenstationen, wie in Poldhu 
. 1) Zwei Beobachtungen mittels Selenzellen bei der totalen Sonnenfinsternis am 30. August 1905. 
‚Phys. Zeitschrift« 6. S. 838—847. 1905.
	        
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