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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Kohlschütter, E.: Vorschlag eines.submarinen Pendelapparates zur Messung der Schwerkraft usw. 339 
Vorschlag eines submarinen Pendelapparates zur Messung der Schwer- 
kraft an den vom. Meere :bedeckten Teilen der Erdoberfläche. 
Von Dr. E. Kohlschütter in Berlin, 
Es ist bekannt, daß zur Feststellung der durch die Kontinentalmassen her- 
vorgebrachten Störungen der Schwerkraft und zur Nachprüfung der Prattschen 
Hypothese über die unterirdische Kompensierung der Kontinente Schwerkrafts- 
messungen auf dem festen Lande nicht ausreichen, sondern daß dazu auch die 
Kenntnis der Schwere auf den Ozeanen erforderlich ist. Deshalb hat man schon 
lange nach einem Mittel gesucht, das die Schwerkraft auch auf der schwankenden 
Unterlage eines Seeschiffes zu messen erlaubt. Die ersten derartigen Resultate 
brachte Seott-Hansen von der Framdrift heim; er hatte auf dem vom EKise 
fest eingeschlossenen Schiffe den auch ’an Land üblichen Pendelapparat mit 
invariablen Sterneckschen Pendeln benutzen können. Leider ist diese Methode 
nur auf den verhältnismäßig kleinen Becken der Eismeere verwendbar und versagt 
für die großen Ozeane, 
Sehr viel allgemeiner sind die Ergebnisse, die Hecker durch die Ver- 
gleichung des durch ‚Siedethermometer bestimmten Luftdruckes mit dem von 
Quecksilberbarometern angegebenen erzielte. Die Methode kann überall auf dem 
Meere angewendet werden; sie gibt aber wesentlich ungenauere Schwerewerte, als 
die an Land und auf dem Eise des Polarmeeres ausgeführten Pendelmessungen. 
Auch diese Methode erfüllt daher nicht die Anforderungen der Geodäsie, und das 
Bedürfnis nach einem Apparat zur genaueren Schwerkraftsmessung. auf den 
Ozeanen besteht somit noch fort. 
Da einerseits Pendelapparate bisher ‚die größte Genauigkeit. zu erreichen 
gestatten, andrerseits aber auf dem schwankenden Schiff Pendelbeobachtungen 
unmöglich sind, so bin ich auf den Gedanken gekommen, ob man den Pendel- 
apparat nicht einfach auf dem Grunde des Meeres aufstellen könne. Die auf 
der Meeresoberfläche herrschende Schwerkraft findet man aus der auf dem 
Grunde gemessenen durch Rechnung. Bekanntlich übt die Schale des Erd- 
ellipsoids, die, oberhalb der durch den Apparat gehenden Niveaufläche liegt, 
keine Anziehung auf das submarine Pendel aus, abgesehen von den dichteren 
Kontinentalmassen, die innerhalb dieser Schale liegen. Ihre Wirkung läßt sich 
jedoch berechnen und als Korrektionsgröße in Ansatz bringen. . 
Die Reduktion auf die Meeresoberfläche beschränkt sich also auf die 
Berücksichtigung der Abnahme der Schwere mit wachsender Entfernung vom 
Erdmittelpunkte und der Anziehung, die die schon erwähnte Schale des Erd- 
ellipsoids auf den über dem Pendelapparat liegenden Punkt der Meeresoberfläche 
ausübt, sowie die übliche Korrektion wegen unebenen Terrains, Zu der ersteren 
Reduktion muß die Tiefe, in der der Pendelapparat bei der Beobachtung gestanden 
hat, möglichst genau bekannt sein. Zu der zweiten ist außerdem die Kenntnis des 
ozeanischen Bodenreliefs in ganz allgemeinen Zügen, sowie die Kenntnis der 
Dichte des Seewassers erforderlich. Da sich diese letztere sehr genau bestimmen 
läßt und im allgemeinen in horizontalen Wasserschichten auf einen großen Um- 
kreis hin denselben Wert beibehält, so wird diese Reduktion sich sehr genau 
berechnen lassen. Die submarinen Beobachtungen haben in dieser Beziehung 
einen großen Vorteil vor den Landbeobachtungen voraus, bei denen die Dichte 
des unterliegenden Gesteins sich nur mit geringer Sicherheit aus rohen Schätzungen 
ermitteln 1äßt. 
Das unsicherste Element bei diesen Beobachtungen dürfte die geographische 
Breite sein, zu der die gemessene Schwerkraft gehört. Hierbei wird man mit 
Fehlern bis zu !/,’ rechnen müssen und noch mehr, wenn die äußeren Umstände 
ungünstig sind. 
Beim weiteren Verfolgen dieser Idee erwiesen sich die technischen Schwierig- 
keiten so gering, daß ich die Einzelheiten dem Urteil der Fachgenossen unter- 
breiten möchte in der Hoffnung, dadurch am meisten zur Verwirklichung der- 
articer Benbachtungen heizutragen.
	        
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