Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1905/06. 331
»Sperrung der Schiffahrt«; Wittower Posthaus (17) weist dagegen nur während der
IV. und V. Periode Eis auf, aber beidemal bis zur Intensität 4, eine auffallende Er-
scheinung, da wir bei diesen verhältnismäßig dicht beieinander gelegenen Staticnen
doch wohl die gleichen Frostperioden bei den einzelnen Perioden annehmen dürfen,
IH. Die Haffe
haben natürlich wieder die größte Eisbildung, die durch diese »Abgeschlossenheit
ihrer Wasserfläche gegen die freie See«, vor allem aber auch durch die große
Kältezufuhr bedingt wird. In dem Frischen Haff wird das Fahrwasser von
Pillau nach Königsberg (5) von der III Frostperiode an bis lange Zeit nach der
letzten überhaupt nicht mehr frei von Eis; das gleiche gilt natürlich von dem
Fahrwasser nach Elbing (6), doch läßt sich hier in den Monatsberichten immerhin
eine Abnahme der Intensität zwischen den einzelnen Frostperioden wahrnehmen.
Dem Stettiner Haff (12 und 13) brachte sogar die VI, Frostperiode, die
bei Swinemünde doch nur die Kältesumme — 0.5 aufweist, größere Mengen Eis,
das mit der Oder stromabwärts geführt war; diese Stationen müßten demnach,
ebenso wie die anderen Haffgebiete, unter Abschnitt V eigentlich nochmals genannt
werden. Es wird sich erst nach einer Reihe von Jahren, wenn genügend Material
vorliegt, durch Vergleich mit den unter V genannten Stationen feststellen lassen,
wie weit der Einfluß dieser Lage an den Flußmündungen für die Eisverhältnisse
in. Betracht kommt.
Für die Eisverhältnisse im Memeler Revier sind die Winde von der: größten
Bedeutung: es ist eine den Seeleuten bekannte Tatsache, daß gerade hier mit
Einsetzen des Tauwetters, das die westlichen Winde bringen, der Haupteisgang
stattfindet. Das zeigte sich auch im vergangenen Winter: der stärkste Eisgang
—- bis zur Intensität 3 — trat erst Mitte März ein, nachdem tagelang starke
westliche Winde geweht. x
IV. Die frei gelegenen Küstenstationen
waren fast durchweg, wie bereits oben gesagt, »eisfrei«, nur Brüsterort (3) meldet
an 2 Tagen, Rixhöft (9) und Westermarkelsdorf (24) an 1 Tag Eis, in. allen
Fällen nur von Stärkegrad 1.
V. Häfen an Flußmündungen,
Die Zahlen der Tage, die Eis aufweisen, verhalten sich bei mehreren dieser
Stationen ähnlich wie im Vorjahre: ;
Neufahrwasser (7), Warnemünde (20). Travemünde (22). Wismar (21).
1905/06 22 14 10 11
1904/05 45 26 22 23
Wismar ist auch wieder hier angeführt, da es sich ähnlich verhält wie die
Flußmündungsstationen; günstiger liegen die Verhältnisse dort allerdings insofern,
als nur die Frostperiode IV dort Eis hervorbrachte, während die anderen Stationen
auch bei der V, und z. T. sogar bei der VI. Eis aufweisen.
Die Deutsche Seewarte.
Über die Anwendung der Flindersstangen bei der Kompensation der
Kompasse.
Von S. Mars. Assistent an der Filialabteilung des Königl. Niederl. Meteorol. Instituts in Amsterdam.
Dieser Gegenstand ist in letzter Zeit in Zeitschriften mehrfach erörtert
worden. In dieser Zeitschrift (»Ann. d. Hydr. usw.« 1905, S. 122 u, ff.) hat Herr
Admiralitätsrat K. Koldewey die Stellungnahme der Deutschen Seewarte dazu
etwas näher erklärt. Herr Koldewey schließt. seine Darlegungen mit den Worten:
»Aus den obigen Erörterungen geht unzweifelhaft hervor, daß die Kompensation
mittels der Flindersstange nur als ein nicht .einmal ganz zuverlässiges Aushilfs-
mittel bei schlechter Aufstellung des Kommasses betrachtet werden kann, deren